Berlin Jetzt droht Putins großer Krieg – mit vielen Risiken
Der Krieg um die Ukraine erreicht eine brisante Eskalationsstufe: Wladimir Putin ruft die Teilmobilmachung aus. Sind da deutsche Leopard-2-Panzer die richtige Antwort?
Es geht nicht um Panikmache. Außer Frage steht auch, dass Mut und Geschick der ukrainischen Streitkräfte bewundernswert sind. Nach sieben Monaten Krieg haben sie nach der Schlacht um Kiew auch im Süden und Osten die Invasoren gestoppt. Nur, und das ist das bittere: Damit ist der Krieg längst nicht entschieden.
Mit der Teilmobilmachung und den Scheinreferenden zum Anschluss der besetzten Gebiete an die russische Föderation unterstreicht Putin, dass er zu allem bereit ist, um aus dieser Katastrophe als Sieger hervorzugehen.
Aus Sicht des Despoten befindet sich das Land in der Ukraine in einer Art Stellvertreterkrieg gegen den Westen. Diese Propaganda fruchtet in Putins Reich. Richtig ist allerdings, dass der ukrainische Staat mitsamt seiner Armee womöglich bereits kollabiert wäre, wenn nicht vor allem die USA, aber auch Deutschland und andere massive Hilfen leisten würden.
Völkerrecht und Moral hat der Westen auf seiner Seite. Doch US-Präsident Joe Biden darf nicht verkennen: Putin verfügt weiterhin über eine der größten Armeen der Welt – mit einem Arsenal an Massenvernichtungswaffen, das leicht dafür ausreicht, den Krieg in der Ukraine in wenigen Stunden zu beenden. Mit dem Anschluss der besetzten Gebiete schafft Putin die Voraussetzung, um nach der russischen Militärdoktrin einen Einsatz von taktischen Nuklearwaffen zu rechtfertigen. Das wäre ein schreckliches Kriegsverbrechen. Aber hätte Putin Skrupel davor, bis zum Äußersten zu gehen?
In Deutschland wird ungewöhnlich laut nach mehr Panzern für die Ukraine gerufen - auch von Friedensaktivisten, die sich jetzt wie Hobbygeneräle gerieren. Für diese Forderung gibt es gute Gründe. Doch es wäre fahrlässig, den Krieg in der Ukraine nicht vom Ende her zu denken.
Die Zurückhaltung von Kanzler Olaf Scholz ist kein Ausdruck von Feigheit. Mehr Panzer helfen nur bedingt. Es muss jetzt um Kompromisse gerungen werden, die schmerzhaft sein werden, aber tausendmal besser sind als das, was andernfalls Europa droht.