Berlin  Gaudi ohne Maske: Politiker ernten Kritik nach Besuch beim Oktoberfest

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 20.09.2022 19:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Am Samstag eröffneten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU, links) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) das Münchener Oktoberfest - ohne Masken. Foto: dpa/Sven Hoppe
Am Samstag eröffneten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU, links) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) das Münchener Oktoberfest - ohne Masken. Foto: dpa/Sven Hoppe
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Zahlreiche Politiker haben zur Eröffnung am vergangenen Wochenende das Münchener Oktoberfest besucht. Nur die wenigsten trugen eine Maske. Aus der Bevölkerung kommt Kritik, vor allem der Vorwurf der Doppelmoral steht im Raum.

Zu Beginn des Münchener Oktoberfests in der vergangenen Woche herrschte vor allem eines: Erleichterung. Nach zweijähriger Corona-Zwangspause gaben sich zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Prominenz ein geselliges Stelldichein, um endlich wieder zwanglos zu feiern und zu schunkeln.

Und trotzdem blieb bei vielen anwesenden Gästen ein mulmiges Gefühl. „Ganz ausblenden kann ich das nicht, nur mal für ein paar Stunden vielleicht“, erklärte beispielsweise Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ). Die Inzidenz werde nach dem Fest wieder nach oben gehen. „Ich hoffe, dass wir das genauso in den Griff kriegen wie im Sommer.“

Der SPD-Politiker kalkuliert demnach von vornherein ein, dass das Oktoberfest ein Infektionsherd ist, dass die Corona-Zahlen wieder in die Höhe treiben wird. Trotzdem trug kaum ein Politiker eine Maske während der Feierlichkeiten in den gut gefüllten Zelten – und niemand schien sich daran zu stören. „Die Wiesn ist politische Friedenszeit“, so Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Bei vielen Menschen in Deutschland kommt dieser Verzicht auf das Tragen einer Maske jedoch gar nicht gut an. Vor allem in den sozialen Netzwerken stößt das Verhalten vieler Politiker auf Kritik. Das Hauptargument: das neue Infektionsschutzgesetz. Dieses sieht unter anderem vor, dass die Länder wieder eine Maskenpflicht in Schulen einführen können, sollten die Corona-Zahlen wieder massiv steigen.

Welches Bild geben Politiker ab, die gesetzlich eine Maskenpflicht wiedereinführen können, gleichzeitig aber ausgelassen und dicht aneinander gedrängt gemeinsam feiern, fragen sich die Menschen in den zahlreichen Beiträgen. Viele von ihnen verwenden den Begriff Doppelmoral, andere sehen sich durch das Verhalten der Politiker schlichtweg einer Zwei-Klassen-Gesellschaft ausgeliefert.

Die Kritik richtet sich dabei unter anderem an die Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang. Anfang September hatte sie auf der Online-Plattform „Abgeordnetenwatch“ zum Tragen einer Corona-Maske geraten. „Überall dort, wo Menschen zusammenkommen, gerade in Innenräumen, besteht weiterhin ein hohes Risiko, sich anzustecken. Deshalb ist es richtig, dort Maske zu tragen und sich selbst und andere zu schützen“, so die 28-Jährige.

Am vergangene Samstag sah man Lang bei der Eröffnung des Oktoberfests gemeinsam mit Kulturstaatsministerin Claudia Roth sowie die bayerische Landtagsabgeordnete Katharina Schulze (beide Grüne) – ohne Maske und nennenswerten Abstand. Sie merke, dass der Wunsch nach Ausgelassenheit groß sei, „und das kann ich auch nachvollziehen“, so Lang in der „SZ“.

Doch auch Mitglieder anderer Parteien ließen sich beim Oktoberfest ohne Maske blicken. Darunter Münchens Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD), der ehemalige Bundesvorsitzende der Linken, Klaus Ernst, sowie der SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert, der am Sonntag im Schottenhamel-Zelt mit dem Parteivorstand der bayerischen SPD zusammentraf.

Aus dem benachbarten Österreich kam der ehemalige Bundeskanzler Sebastian Kurz, um bei der Eröffnung der Wiesn dabei zu sein und sich mit Bayerns Ministerpräsident Söder auszutauschen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erklärte dagegen, er habe die Einladung zum Oktoberfest abgelehnt, wolle jedoch kein Spielverderber sein.

Grundsätzlich gilt allerdings, dass keiner der Gäste, die während ihres Besuchs auf dem Oktoberfest keine Maske trugen, gegen eine geltende Regel verstoßen haben. Derzeit herrscht lediglich im öffentlichen Nah- und Fernverkehr Maskenpflicht. Selbst das neue Infektionsschutzgesetz, das ab Anfang Oktober gelten soll, überlässt es den Ländern, ob die Schutzmaßnahme wieder eingeführt werden soll oder nicht.

Dennoch wird kritisiert, die vermeintlich sorglosen Politiker-Besuche auf dem Oktoberfest vermittelten ein falsches Bild der Corona-Lage. Zwar ist das Coronavirus nicht mehr so gefährlich wie zu Beginn, dennoch steigen bereits jetzt wieder die Infektionszahlen. Es wird sich zeigen, wie stark die Werte nach dem Oktoberfest wieder steigen werden – und wie gut sie sich in den Griff kriegen lassen.

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