Berlin Hohe Energiekosten: So entlasten andere EU-Länder ihre Verbraucher
Die Bundesregierung hat die umstrittene Gasumlage gekippt, stattdessen soll eine Energiepreisbremse die Verbraucher in Zeiten hoher Kosten entlasten. Wie gehen andere europäische Länder vor?
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nannte es einen „Doppelwumms“: Mit 200 Milliarden Euro will die Ampel-Koalition die Verbraucher und Unternehmen in Deutschland vor hohen Energiepreisen schützen. Die Preise für Strom und Gas sollen darüber hinaus gedeckelt werden.
Wie aber entlasten andere EU-Länder ihre Bürger? Fakt ist: Mit seiner Energiepreisbremse ist Deutschland vergleichsweise spät dran.
Denn in Frankreich gilt die Obergrenze schon seit einem Jahr. Mithilfe der Deckelung will die französische Regierung die Preissteigerungen für Strom und Gas für das kommende Jahr auf 15 Prozent begrenzen. Nach Angaben der französischen Premierministerin Elisabeth Borne würden die Energiepreise damit lediglich um 20 bis 25 Euro steigen.
Ohne diese Preisdeckelung wären die Energiekosten neun bis zehnmal so teuer. „Das ist bereits die Realität von zig Millionen Haushalten in Großbritannien, Italien und Deutschland“, sagte Borne nach Angaben von „n-tv“. „Frankreich ist das Land in Europa, das seine Bürger am besten geschützt hat.“ Die Regierung lässt sich dieses Maßnahmenpaket entsprechend 16 Milliarden Euro kosten.
Die Hilfen sollen sich dabei nicht nur auf Privathaushalte beschränken. Unternehmen, die mindestens drei Prozent ihres Umsatzes für Gas und Strom abgeben müssen, können bis zu zwei Millionen Euro Hilfe beantragen. Zudem können energieintensive Unternehmen bis zu 50 Millionen Euro in Anspruch nehmen, wie unter anderem der Deutschlandfunk berichtet.
Die vergleichsweise niedrigen Preise verleiten viele Franzosen allerdings offenbar nicht zum Energiesparen. Die französische Regierung warnt entsprechend vor einem Gasstopp für Unternehmen im Winter und geplanten Stromausfällen für Privathaushalte. Premierministerin Borne forderte Unternehmen und Verbraucher dazu auf, zehn Prozent Energie einzusparen. „Wenn jeder sich verantwortlich verhält und Energie spart, wird es keine Stromausfälle geben.“
Nach Angaben des „Handelsblatt“ setzt die dänische Regierung auf eine drastische Senkung der Energiesteuer. Demnach senkt das skandinavische Land die Steuer pro Kilowattstunde von 69,7 Öre auf 0,8 Öre. Die Maßnahme kostet die Regierung um Regierungschefin Mette Frederiksen 3,5 Milliarden Kronen – 470 Millionen Euro.
Deutschlands südliches Nachbarland Österreich will ebenfalls seine Verbraucher beim Energiepreis entlasten. Das lässt sich die Regierung rund vier Milliarden Euro kosten. Die Maßnahme betrifft den Zeitraum zwischen dem 1. Dezember 2022 und den 30. Juni 2024. Dann soll ein Preisdeckel die Stromkosten senken.
Die Verbraucher zahlen bis zu einem Jahresverbrauch von 2900 Kilowattstunden zehn Cent pro Kilowattstunde – obwohl der Marktpreis momentan zwischen 30 und 40 Cent liegt. Laut „Handelsblatt“ entsprechen 2900 Kilowattstunden in etwa 80 Prozent des Verbrauchs eines Dreipersonenhaushalts.
Die neue Regierung in Großbritannien um Premierministerin Liz Truss ist noch relativ frisch im Amt, doch in puncto Verbraucherentlastung wurde bereits einiges beschlossen. So plant das Königreich einen staatlichen Preisdeckel für Gas, der besonders die Durchschnittshaushalte im Blick hat. Das „Handelsblatt“ erwartet, dass diese Maßnahme sowie die von der vorherigen Regierung beschlossenen einmaligen Energiehilfen dafür sorgen werden, dass die jährlichen Energiekosten auf dem aktuellen Stand bleiben werden.