Jevenstedt  Ida Schmidt spaziert, badet und kuschelt mit zwei Kühen

Sina Wilke
|
Von Sina Wilke
| 20.09.2022 08:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Haben sich gern: Ida Schmidt mit Charly und Gesa. Foto: Hütepfoten
Haben sich gern: Ida Schmidt mit Charly und Gesa. Foto: Hütepfoten
Artikel teilen:

Sie gehen zusammen spazieren, unternehmen Ausflüge, schmusen: Die 20-jährige Pferdewirtin Ida Schmidt ist mit den Kühen Charly und Gesa befreundet. Sie sagt: Sie sind wie Babys für mich.

Neulich ist Ida Schmidt mit ihren Kühen nach St. Peter-Ording gefahren. Ein Ausflug ans Meer, das wird sicher schön, dachte die 20-Jährige – und hoffte, dass es auch Gesa und Charly gefallen würde.

Als die jungen Rinder aus dem Anhänger staksten, guckten sie zunächst verwundert umher – so viel flaches Land, wo sind die Bäume? „Dann waren sie einverstanden“, so schildert es Ida Schmidt. Gemeinsam spazierten sie durch die Priele bis zum Wasser. Gesa, die daheim in jede Au läuft, habe es besonders genossen. „Sie fanden es cool und waren tiefenentspannt.“

Hier zeigt Ida Schmidt ihren Kuh-Ausflug am Meer:

Die 20-jährige Pferdewirtin Ida Schmidt, die in Westerrönfeld bei Rendsburg bei ihren Eltern wohnt, hat einen Hund und zwei Kühe. Zusammen gehen sie spazieren, unternehmen Ausflüge oder verbringen einfach Zeit miteinander. Moment mal – Kühe?

Wenn die 20-Jährige erzählt, klingt es ganz normal: Schon als kleines Mädchen war sie jeden Tag auf dem elterlichen Hof ihrer Freundin. Die Kinder spielten, beschäftigten sich mit den Tieren, halfen im Stall. Einmal, sie war noch im Kindergarten, durfte sie auf einer Kuh reiten. „Seitdem hatte ich den Wunsch: Ich will mal eine eigene Reitkuh haben!“, erinnert sich Ida Schmidt.

Später wurde es dann erstmal ein Pferd. „Kassi war mein Lebensinhalt.“ Doch vor zwei Jahren verletzte sich die Stute schwer und musste eingeschläfert werden.

Und durch die Trauer blitzte ein alter Traum: eine Reitkuh. Sie fragte den Vater ihrer Freundin, ob er nicht ein Kalb für sie hätte. „Erst war es nur eine verrückte Idee und er hat geschmunzelt“, berichtet die junge Frau. Doch dann, Weihnachten 2020, fragte der Landwirt sie plötzlich:

Die Familie gab die Milchviehhaltung auf, Ida Schmidt dufte sich von den letzten Kälbern eines aussuchen.

Ihre Wahl fiel auf Gesa, eine Schwarzbunte, damals erst ein paar Tage alt. Täglich verbrachte sie nun Zeit mit dem Tier. Doch da war noch ein Kalb in der Herde, das gesehen werden wollte: die kleine Charly. „Wenn ich bei Gesa war, kam sie immer zu mir, wollte auch gebürstet und gestreichelt werden.“ So wurden aus einem Kalb zwei und aus den Kälbern langsam Färsen – die wir in diesem Text Kühe nennen werden, obwohl sie noch halbe Kinder sind.

Eines der Kinder kommt an einem Vormittag Anfang September sofort ans Gitter, als es Ida Schmidt sieht: Charly, das braun-weiße Fleckvieh, steckt ihre Schnauze durch die Stäbe und beginnt, mit langer Zunge die Hand ihrer Menschenfreundin abzuschlecken. Die lacht. „Ich sag‘ immer, Charly ist leckgestört! Sie leckt wirklich alles an!“

Hier wird aus Liebe geleckt:

Gesa liegt im Stroh und schaut herüber. „Sie ist ein bisschen vorsichtig bei Fremden“, erklärt ihre Besitzerin – doch als sie das Gatter öffnet, kommt auch die Schwarzbunte in Fahrt.

Unverdrossen mampfen die Rinder Heu, während Ida Schmidt ihnen Halfter und Leine anlegt, dann geht es zum Spaziergang in die Feldmark. Ganz gemächlich und wie selbstverständlich trotten die Kühe neben der jungen Frau her – nur Charly taucht immer wieder unter die Büsche am Wegesrand ab, weil die so schön am Rücken schubbern.

Vor Kurzem haben sie eine Wanderung gemacht, 20 Kilometer hin, auf einer Pferdeweide übernachtet, 20 Kilometer zurück. „Das hat mega Spaß gemacht!“, berichtet Ida Schmidt. Und auf langen wie auf kurzen Wegen gilt: „Wenn die beiden eine Pause brauchen, bleiben sie einfach stehen oder legen sich hin.“

So sieht es aus, wenn Ida Schmidt mit ihren Kühen spazieren geht:

Manchmal setzt sich die 20-Jährige zu ihren Tieren auf die Koppel, dann legt eines von ihnen seinen Kopf in ihren Schoß und lässt sich genüsslich streicheln, während es wiederkäut. „Sie sind schon in meinem Arm eingeschlafen und haben geträumt und mit der Nase gezuckt“, erzählt sie.

Auch Kutsche ist sie mit ihnen schon gefahren . „Gesa hat da richtig Lust zu, sie galoppiert sofort los. Charly findet es okay.“

Wenn sie über die Eigenheiten ihrer Kühe spricht, merkt man, wie ihr das Herz aufgeht. Gesa, die treue Seele, die schüchtern ist, aber unheimlich gern kuschelt. Charly, die Zutrauliche, die so neugierig ist und frech.

Wenn sie nur eine aus dem Stall führt, bölkt die Zurückgebliebene unwirsch und die andere tut kaum einen Schritt.

Oft gehen sie am Kanal entlang, wo sie immer wieder von Spaziergängern angesprochen werden. „Die meisten finden es toll und stellen Fragen“, berichtet Ida Schmidt. Anders ist das bisweilen bei Instagram, wo die junge Frau sich mit ihren Kühen zeigt. Später, wenn diese mit etwa drei Jahren ausgewachsen sind, will sie auf ihnen reiten, auf einigen Fotos hat sie die Kühe gesattelt.

„Da schreiben die Leute dann, das sei Tierquälerei. Das ist Unsinn!“ Ida Schmidt liebt Tiere – Fleisch isst sie trotzdem. „Man sollte jedes Tier gut behandeln, auch wenn es später geschlachtet wird. Und darauf achten, wo das Fleisch herkommt, das man kauft.“

Charly und Gesa aber sollen leben. „Sie sind mein Babys, meine Kinder“, sagt die junge Frau. „Ich liebe ihre Gelassenheit. Sie sind ganz easy und entspannt.“ Meistens jedenfalls: „Wenn ich auf die Weide komme und sie richtig gute Laune haben, kommen sie im Galopp auf mich zu.“ Auch das liebt sie so an ihnen: „Sie freuen sich jeden Tag mich zu sehen.“

Ida Schmidt hat festgehalten, wie Gesa und Charly übermütig auf der Koppel galoppieren:

Ähnliche Artikel