Hamburg  Corona-Hilfen: An diese Firmen flossen die Millionen in Niedersachsen

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 19.09.2022 09:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vom internationalen Konzern bis zum landwirtschaftlichen Betrieb: Diese Unternehmen haben im ersten Halbjahr 2022 Coronahilfen in Niedersachsen erhalten. Foto: dpa/Monika Skolimowska
Vom internationalen Konzern bis zum landwirtschaftlichen Betrieb: Diese Unternehmen haben im ersten Halbjahr 2022 Coronahilfen in Niedersachsen erhalten. Foto: dpa/Monika Skolimowska
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Fast eine Milliarde Euro an Corona-Hilfen sind im ersten Halbjahr 2022 an Unternehmen in Niedersachsen ausgeschüttet worden. Jetzt hat die NBank die Empfänger der Gelder veröffentlicht: Unter den 4500 Namen sind auch bekannte Größen wie die Tui AG oder die Meyer Werft.

So hohe Summen, so viele Namen standen seit Beginn der Corona-Pandemie noch nie in den Veröffentlichungen der NBank. Die Förderbank des Landes stellt im Halbjahrestakt Angaben ins Netz, wer in Niedersachsen Corona-Hilfen bekommen hat.

Die Veröffentlichungen für das erste Halbjahr 2022 haben es in sich. Der Staat hatte sein Hilfsangebot noch einmal deutlich ausgeweitet, sodass zuletzt mehr und auch größere Unternehmen Corona-Gelder beantragen konnten. Waren in den ersten Halbjahren der Pandemie vor allem Unternehmen aus dem Bereich Handel und Gastronomie unter den Empfängern, tauchen dieses Mal auch ganz neue Namen auf.

Etwa die Meyer Werft in Papenburg, die laut NBank 14 Millionen Euro erhielt. Der Kreuzfahrtschiff-Bauer aus dem Emsland war in Folge der Pandemie in finanzielle Schieflage geraten. Lange war diskutiert worden, wie der Staat dem Konzern helfen kann. Durch eine Ausweitung der Förderrichtlinien konnten die Papenburger dann Corona-Hilfen beantragen.

Andere Unternehmen wiederum bekamen zum wiederholten Mal Millionenbeträge überwiesen: etwa der Dachkonzern der Modehauskette New Yorker mit Sitz in Braunschweig. Dieser nahm allein im ersten Halbjahr 2022 fast 44,2 Millionen Euro entgegen. Die Tessner Holding in Goslar hingegen erhielt dieses Mal gut 27,5 Millionen Euro. Die drittgrößte Einzelsumme im ersten Halbjahr. Zu Tessner gehören mehrere Schuhläden mit einem bundesweiten Filialnetz.

Insgesamt 69 Empfänger bekamen im ersten Halbjahr mehr als eine Million Euro überwiesen. Die mit Abstand größte Summe ging dabei nach Hannover: an den Reisekonzern Tui. Laut Auflistung der NBank erhielt die Aktiengesellschaft 52 Millionen Euro.

Ein Konzernsprecher teilt auf Anfrage mit, die Summe stamme aus der sogenannten Überbrückungshilfe III. Für diese war der Kreis der möglichen Empfänger noch einmal deutlich erweitert worden. Unternehmen mussten einen Schaden geltend machen, der ihnen durch die staatlich angeordneten Anti-Corona-Maßnahmen entstanden ist.

Bei Tui waren dies laut Sprecher weiterlaufende Leasing-Kosten für Flugzeuge, die nicht betrieben werden konnten, oder die Ausgaben für die Umsetzung von Hygiene-Konzepten und -Maßnahmen.

Der Staat hatte den Reisekonzern bereits zuvor auf unterschiedliche Art und Weise gestützt. Bekannt war bislang, dass Tui Gesamthilfen in Höhe von 4,3 Milliarden Euro erhalten hatte. Dabei ging es vorrangig um Kredite und stille Einlagen.

„Mittlerweile ist die Krise überwunden und die Tui führt Schritt für Schritt die Kredite aus der Corona-Zeit wie angekündigt zurück. Ein Großteil ist zurückbezahlt, bestehende Kreditlinien wurden deutlich reduziert”, teilt der Sprecher mit. Das nötige Geld wurde unter anderem durch Kapitalerhöhungen an der Börse reingeholt.

Die 52 Millionen Euro Corona-Hilfen muss der Konzern voraussichtlich nicht zurückzahlen. Wie bei allen Empfängern auf der Liste der NBank wird zu einem späteren Zeitpunkt überprüft werden, ob die geltend gemachten Schäden tatsächlich eingetreten sind. Wenn dem so ist, war die Überweisung ein „nicht rückzahlbarer Zuschuss” des Staates.

Entsprechende Überprüfungen und mögliche Rückzahlungen treffen die Firmen nun in einer sensiblen Phase. Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) sagt: „Die Corona-Hilfen über die NBank haben viele Unternehmen gerettet.” Insgesamt 6,5 Milliarden Euro sind bislang laut NBank an Unternehmen in Niedersachsen ausgezahlt worden. Doch aktuell stünden die Firmen „vor noch größeren Herausforderungen aufgrund der extremen Preissteigerungen bei der Energie.” Es brauche eine Lösung, sagte Müller.

Punktuelle Hilfsprogramme für einzelne Branchen wie zu Corona-Zeiten würden nicht helfen. Er forderte einen Eingriff in den Energiemarkt: „Damit sie unternehmerisch handlungsfähig bleiben können, muss die Politik die Energiepreisfindung so organisieren, dass die Preise runtergehen.”

Übrigens: Wer in anderen Bundesländern welche Corona-Hilfen empfangen hat, ist deutlich schwerer festzustellen. Zwar sind die auszahlenden Stellen zur Transparenz verpflichtet. Nicht alle Förderbanken oder Ministerien halten es dabei aber wie die NBank und stellen schlicht Listen ins Netz. Viele Bundesländer nutzen stattdessen eine Transparenzplattform der EU, die aber alles andere als transparent ist. (Mit Anke Mücke)

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