Osnabrück  China wird die Allianz mit Russland immer für eigene Interessen zu nutzen wissen

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 15.09.2022 15:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Weit auseinander und einander doch ganz nah: Russlands Präsident Wladimir Putin und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping. Foto: Alexandr Demyanchuk/Sputnik Kremlin/dpa
Weit auseinander und einander doch ganz nah: Russlands Präsident Wladimir Putin und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping. Foto: Alexandr Demyanchuk/Sputnik Kremlin/dpa
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Infolge der westlichen Sanktionen wendet sich Moskau aus der Not heraus verstärkt China zu. Die Machthaber beide Länder eint die Angst vor Demokratie. Doch wie tragfähig ist die chinesisch-russische Allianz?

Für Wladimir Putin ist der zweitägige Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit ein willkommener PR-Termin. Der russische Präsident will der Welt damit demonstrieren, dass Moskau trotz seines Angriffskrieges in der Ukraine mitnichten international isoliert ist. Die Teilnehmerliste liest sich wie ein „Who is Who“ autoritärer Staatenlenker. Es eint sie der Geist der derzeitigen, aus ihrer Sicht westlich dominierten Weltordnung, etwas entgegen setzen zu wollen.

Das Treffen Putins mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping bekräftigt überdies, dass aus einstigen Rivalen strategische Partner geworden sind. Gefangen in der Angst vor Demokratie zielt ihre gemeinsame Vision einer neuen Ära der internationalen Sicherheitspolitik auf die Schwächung der USA, der EU und der Nato - mithin auf die Sicherung erweiterter Macht- und Einflusszonen. Doch wie tragfähig sind die zunehmend enger geknüpften Bande?

Putin sollte nicht der Illusion erliegen, die bestimmende Kraft innerhalb der Notgemeinschaft mit China sein zu können. Wirtschaftlich kann es sein Land längst nicht mit dem Reich der Mitte aufnehmen. So wird sich Russland mittelfristig eher mit der Rolle als Juniorpartner, als eine Art Rohstoff-Kolonie Chinas zufrieden geben müssen.

Mit dem Angriff auf die Ukraine hat Moskau bis wenige Tage nach dem Ende der Olympischen Winterspiele in Peking gewartet - offenbar hatte man im Kreml Peking nicht die Show verderben wollen. Seither gibt China Russland Rückendeckung und stellt USA und Nato als Hauptverantwortliche für den Krieg dar - ohne zuviel Euphorie allerdings.

Denn Peking muss darauf bedacht sein, es sich mit den westlichen Handelspartnern nicht zu verderben. Xis diktatorische Herrschaft findet ihre Berechtigung allein in dem Ziel, den Wohlstand des Milliarden-Volkes zu mehren. Und dafür sind westliche Staaten nicht nur als Absatzmärkte unerlässlich. Peking wird sich also trotz der jüngsten ukrainischen Rückeroberungen davor hüten, Moskau militärisch in der Ukraine zu unterstützen.

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