Landtagswahl  Auricher Jugend diskutiert über Klimawandel, Discos und die Bahn

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 14.09.2022 18:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Zwei Stunden lang wurde im Auricher Europahaus über aktuelle Themen mit den Landtagskandidaten diskutiert. Foto: Heino Hermanns
Zwei Stunden lang wurde im Auricher Europahaus über aktuelle Themen mit den Landtagskandidaten diskutiert. Foto: Heino Hermanns
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Der Stadtjugendring Aurich hat die Kandidaten zur Landtagswahl zur Diskussion eingeladen. Im Vorfeld waren die Auricher Jugendlichen befragt worden.

Aurich - Zur ersten Podiumsdiskussion zur kommenden Landtagswahl hatte am Dienstagabend der Auricher Stadtjugendring eingeladen. Über 80 Zuhörer kamen in den größten Saal des Europahauses. Viele zusätzliche Stühle mussten herangeschafft werden – mit einer solchen Resonanz hatte offenbar niemand gerechnet. Gekommen waren nicht nur Jugendliche. In den Reihen fanden sich auch ältere Semester.

Nicht alle Landtagskandidaten des Wahlkreises Aurich stellten sich den Fragen von Moderator Konstantin Musolf. Menko Bakker (FDP) konnte wegen einem Aufenthalt in den USA nicht teilnehmen und ließ sich vom neuen Vorsitzenden des FDP-Ortsvereins Aurich, Tarek Sneider, vertreten. Für die Linke stieg Kai Beitelmann von der Linksjugend auf das Podium. Denn die Linkspartei hat im Wahlkreis Aurich keinen Direktkandidaten. Des Weiteren waren Detlev Krüger (Freie Wähler), Viola Czerwonka (Grüne), Saskia Buschmann (CDU) und Wiard Siebels (SPD) ins Europahaus gekommen, um sich den Fragen zu stellen.

Moderator Konstantin Musolf (von links) begrüßte Detlev Krüger (Freie Wähler), Viola Czerwonka (Grüne), Saskia Buschmann (CDU), Kai Beitelmann (Linke), Tarek Sneider (FDP) und Wiard Siebels (SPD). Foto: Heino Hermanns
Moderator Konstantin Musolf (von links) begrüßte Detlev Krüger (Freie Wähler), Viola Czerwonka (Grüne), Saskia Buschmann (CDU), Kai Beitelmann (Linke), Tarek Sneider (FDP) und Wiard Siebels (SPD). Foto: Heino Hermanns

Einen bunten Strauß an Themen servierte Moderator Konstantin Musolf den Politikern. Mobilität, Klimawandel und Freizeitangebote waren darunter.

Forderung nach besserem Nahverkehr

Rund die Hälfte der Jugendlichen in Aurich sei unzufrieden mit den Möglichkeiten, von A nach B zu kommen, sagt Konstantin Musolf. Das habe eine Umfrage im Vorfeld der Diskussion ergeben. Laut der Homepage des CDU-Wirtschaftsministeriums werden erhebliche Ressourcen aufgewendet, um den ÖPNV zu optimieren. „Warum kommt bei uns nichts davon an?“, fragte Musolf die Kandidaten.

Für Gelächter im Publikum sorgte die Antwort von Saskia Buschmann. In Aurich gebe es den Anrufbus, den aber keiner nutze. „Der ÖPNV ist hier offenbar nicht gewünscht“, so der Schluss von Buschmann. Auch die Reaktivierung der Bahn helfe nicht, da diese mit Emden in die falsche Richtung fahre.

Tex Stoffer (Grüne Jugend Aurich) hatte sich auf die Diskussion zum Thema ÖPNV mit einem Schild vorbereitet. Foto: Heino Hermanns
Tex Stoffer (Grüne Jugend Aurich) hatte sich auf die Diskussion zum Thema ÖPNV mit einem Schild vorbereitet. Foto: Heino Hermanns

Detlev Krüger hielt dagegen. „Der ÖPNV muss ausgebaut werden.“ Er verwies auf das jüngst eingeführte Jugendticket im Bereich des VEJ. Bei der Bahn ist er skeptisch, ob das wirtschaftlich machbar sei. Besser sei es, auf dem Bahndamm einen breiten Radweg anzulegen.

Eine kleine Überraschung gab es beim FDP-Vorsitzendem Tarek Sneider. Er sprach sich ausdrücklich für die Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich-Abelitz aus. Auch mit Blick auf die geplante Zentralklinik sei die Bahn ein wichtiges Verkehrsmittel. Allerdings dürfe es keine Bimmelbahn sein, sondern müsste eine direkte Anbindung Aurichs an große Bahnhöfe bieten. Sneider steht damit im Widerspruch zur Ansicht von Landtagskandidat Menko Bakker, der sich kürzlich im ON-Gespräch gegen die Reaktivierung der Bahnlinie Aurich-Abelitz ausgesprochen hat. Bakker setzt stattdessen auf Fernbusse, die Aurich vermehrt ansteuern sollten.

Linke: „Busse in jedes Dorf bringen“

Viola Czerwonka und Kai Beitelmann hingegen sprachen sich ebenso wie Wiard Siebels für die Schiene aus. „Ich habe den Nahverkehr getestet“, so Czerwonka. Mit der Bahn könnten Strecken dreimal so schnell bewältigt werden wie mit dem Bus. Innerhalb Aurichs werde statt des unattraktiven Anrufbusses ein Linienbussystem gebraucht, das bis spät abends nutzbar sei.

Günstig und bis in jedes Dorf müssten die Busse fahren, so Kai Beitelmann. Und die müssten bis in den Abend fahren. „Die Verbindung nach Emden ist gut – allerdings nur bis 20 Uhr“, erzählte er aus eigener Erfahrung. Zu späterer Stunde habe er von Emden mit dem Zug nach Leer fahren müssen. Von dort sei dann noch ein Bus nach Aurich gefahren. Kein Problem mit dem Neun-Euro-Ticket – ansonsten aber eine teure Fahrt.

Seit 1993 kämpft Wiard Siebels für die Reaktivierung der Bahn. Sollte es zu einer rot-grünen Landesregierung kommen, werde es ein Reaktivierungsprogramm für die Schiene geben. „Dann gibt es eine sehr reale Chance für den Personenverkehr auf der Strecke Aurich-Abelitz.“

Auricher Jugend will mehr Klimaschutz

Mehr für den Klimaschutz muss im Kreis wie im Land getan werden. Das ist die Meinung der Jugendlichen in Aurich. Schnell war die Debatte dann aber bei der aktuellen Energiekrise und der Frage angekommen, ob die Atomkraft weiter genutzt werden sollte. Dafür sprachen sich CDU, FDP und Freie Wähler aus. Saskia Buschmann würde die Laufzeit der Kernkraftwerke um bis zu drei Jahre verlängern, um verlässlich Energie zu bekommen. Ebenso wie Detlev Krüger sagt sie, dass Atomstrom günstig sei. Dem widerspricht energisch Viola Czerwonka. Denn man müsse die Kosten für Endlager hinzurechnen. Besser sei es, Energie zu sparen und effizienter zu nutzen.

Unterstützung für Diskotheken gefordert

Freizeitangebote in der Stadt Aurich sind normalerweise kein Thema für den niedersächsischen Landtag. Dennoch wurde auch die Frage diskutiert, wie Aurich wieder eine Diskothek bekommen könnte. Das Land, so Viola Czerwonka, könne bei der Finanzierung helfen. Die Grünen würden für eine Gewerbemietpreisbremse eintreten, für einen Lärmschutzfonds und mehr Beratungen für Existenzgründer. Das alles könnte auch bei neuen Diskotheken helfen.

Wichtig sei es, so Saskia Buschmann, die Nachteule wieder fahren zu lassen. Nur so könnten die Diskotheken in Georgsheil und Middels erreicht werden. Ebenso wie die CDU hat auch Die Linke entsprechende Anträge beim Landkreis Aurich gestellt.

Das Fazit der Veranstaltung im Europahaus Aurich: Alle Parteien wollen etwas für die Jugend machen, sehen sich selbst gut aufgestellt dafür. Die Chancen, dass Jugendliche mit ihren Anliegen Gehör finden, sind so schlecht nicht.

Denn die Kandidaten sind für Landespolitiker relativ jung. Mit 52 Jahren sticht Detlev Krüger etwas heraus. Er hat zwei Kinder. Das gilt auch für die Jüngste im Bunde. Viola Czerwonka ist 28 Jahre alt. Saskia Buschmann ist mit 43 Jahren ein Jahr jünger als Wiard Siebels. Der SPD-Politiker ist Vater eines acht Monate alten Sohnes. Menko Bakker schließlich ist 32 Jahre alt und versucht zum zweiten Mal, in den Landtag einzuziehen.

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