Zwei Tage Freiheitsmarsch Mehr als 500 Wanderer auf den Spuren der Friesischen Freiheit
Weshalb der Freiheitsmarsch auch an zwei Tagen funktioniert hat und die Motive der Wanderer sehr unterschiedlich waren. Veranstaltung des MTV Aurich hat sich etabliert
Aurich – Gemeinsam wanderten am Sonnabend und Sonntag mehr als 550 Teilnehmer beim vierten „Ostfriesischen Freiheitsmarsch“ auf den Spuren der Friesischen Freiheit. Virtuell waren einige aus Luxemburg und mehrere aus den USA dabei. „Fairness und Völkerverständigung sind die Grundhaltungen des Ostfriesischen Freiheitsmarsches. Möge uns das Wandern vereinen“, erklärte Organisator Andreas Epple vom veranstaltenden MTV Aurich.
Die Wanderer waren durchweg allesamt begeistert und angetan von der herrlichen Landschaft rund um Aurich. Unterwegs und im Zielbereich herrschte zudem eine hervorragende ausgelassene Stimmung. Das i-Tüpfelchen auf dem Ganzen war die perfekte Organisation. Mit großer Begeisterung, viel Elan und einer gewissen Portion Ehrgeiz ging die 27-jährige Bundeswehrsoldatin Henrietta Harder am Sonnabendmorgen die 42 Kilometer an. Die Naturschutzstation Lübbertsfehn bei Kilometer 21,7 erreichte sie schon nach weniger als drei Stunden.
Babypuder verspricht kurzfristig Hilfe
Hier war dann erst einmal Fußpflege mit Babypuder angesagt. Das verhindere bei ihr die Blasen. Sie bereite sich nicht besonders vor auf solch einen langen Marsch, da sie außer Dienst regelmäßig laufe. „Das ist mein Hobby, ich liebe es einfach, Sport macht glücklich“, meinte Harder ganz euphorisch und lief weiter dem Ziel in Aurich entgegen. Am Sonntagmorgen war Harder, die die gute Organisation und Streckenführung hervorhob, schon wieder um Aurich unterwegs.
Eine ganz besondere Leistung vollbrachte Karl Waldmann, der über 42 Kilometer nach der Hälfte der Strecke vorne mit dabei war. Der 73-jährige Moormerländer verriet, dass er aus gesundheitlichen Gründen laufe, er leide an der sehr ernst zu nehmenden Lungenerkrankung. Zu Beginn seiner Rente habe er kaum eine Treppe hinaufsteigen können. Doch nach und nach konnte er seinen Gesundheitszustand durch intensives Wandern und Nordic Walking enorm verbessern und in den Griff bekommen. Um diesen stabil zu halten, müsse er jedoch weiterhin kontinuierlich trainieren. Für den elfjährigen Auricher Gymnasiasten Kanta Rabenda war es schon eine Herausforderung, die Marathonstrecke zu bewältigen, hatte er im vergangenen Jahr die Hälfte bewältigt, wie er bekannte.
Herausragendes Engagement
An seiner Seite seine Mutter Hiroko, die er zu diesem Lauf animiert hatte. Sie habe es nicht bereut, unterwegs hätten ihr Sohn und sie sich intensiv über vieles unterhalten. Vater Michael dagegen bewältigte mit Kantas jüngeren Zwillingsschwestern Kana und Fumi die kürzere Strecke über 23 Kilometer. Im Zielbereich wurden sie aufgrund ihrer tollen Leistung überschwänglich von Cord Druivenga, der den Zieleinlauf moderierte, empfangen.
Er sei stolz auf die Organisatoren des Ostfriesischen Freiheitsmarsches: Katja Druivenga, Elvira Hoffmann, Meike Laudien, Heike Pilk, Cord Druivenga, Dajo Gontjes, Jürgen Laudien und Andreas Epple, bekannte MTV-Vorsitzender Wilfried Theessen. Ihr ehrenamtliches Engagement sei schon etwas ganz Herausragendes, dazu gehöre schon mehr als nur Herzblut für den Verein.
Zum Altar der Friesischen Freiheit
Voll des Lobes war auch Schirmherr Rico Mecklenburg, Präsident der Ostfriesischen Landschaft. Der regionalgeschichtliche Aspekt dieser sportlichen Veranstaltung sei seiner Ansicht nach besonders hervorzuheben, denn er stärke das historische Bewusstsein und die Verbundenheit mit der Region. Denn die Strecken führten an den Upstalsboom, dem „Altar der Friesischen Freiheit“, wie die Versammlungsstätte der Freien Friesen vom bekannten Geschichtsschreiber Ubbo Emmius einst bezeichnet wurde. Zudem gehe es um Gesundheit durch Bewegung, Geselligkeit und das gegenseitige Kennenlernen, so der Präsident, er bewältigte zehn Kilometer.
Der „Ostfriesische Freiheitsmarsch“ hat sich inzwischen in der Wanderszene, die seit Längerem in Deutschland boomt, etabliert. Im Kalender so mancher Wanderer aus Nah und Fern dürfte der nächste „Ostfriesische Freiheitsmarsch“ bereits rot eingetragen sein. Die Veranstaltung auf zwei Tage auszudehnen, war wohl die richtige Entscheidung. Nur ein Tag würde wahrscheinlich etliche abhalten, nach Aurich zu kommen. 2018 hatte Andreas Epple, der zusammen mit Heike Pilk zuvor schon auf mancher Veranstaltung im In- und Ausland wandernd unterwegs war, sich gefragt, warum nicht solch ein Event auch in Ostfriesland. Durch einen Zeitungsartikel wurde er auf die Organisatoren der MTV-Zwölfstundenwanderung, Katja Druivenga und Monika Henseler, aufmerksam, nahm Kontakt zu ihnen auf und stellte seine Idee den beiden vor.
Ein Jahr später fand nach intensiven Vorbereitungen bereits der erste Ostfriesische Freiheitsmarsch statt. Nicht einmal Corona hielt den Marsch auf. Jeweils im September gingen die Wanderer auch in der Pandemie ohne Schwierigkeiten auf die Strecken.