Jugendticket im VEJ Das Elterntaxi kann nun öfter stehenbleiben
Seit den Sommerferien wird das neue Jugendticket des Verkehrsverbundes Ems-Jade verteilt. Es gilt in der Region – es gibt aber weitergehende Forderungen.
Aurich - Erst seit vier Wochen gibt es das Jugendticket im Bereich des Verkehrsverbundes Ems-Jade (VEJ). Alle Schüler der Klassen eins bis 13 erhalten es automatisch, Auszubildende können das Ticket für 360 Euro pro Jahr kaufen. Mit der neuen Fahrkarte können rund um die Uhr alle Buslinien im VEJ-Gebiet (Landkreise Aurich, Leer, Friesland und Wittmund sowie die Städte Emden, Leer und Wilhelmshaven) genutzt werden. Ungewiss ist, wie viele Jugendliche das neue Angebot nutzen werden. Der Auricher Landrat Olaf Meinen richtet dennoch im Pressegespräch bereits eine Forderung an das Land Niedersachsen. „Ich wünsche mir, dass das Jugendticket landesweit gilt.“
Denn bislang ist diese besondere Fahrkarte vom Land nur als „regionales Jugendticket“ vorgesehen und finanziell gefördert. Auch VEJ-Geschäftsführer Tilli Rachner hat einen Wunsch: Er möchte, dass die Jugendlichen mit ihrem Ticket auch die Bahnen nutzen dürfen. Und er ist optimistisch: „Das wird kommen.“ Spätestens im kommenden Jahr werde das Angebot für die Jugendlichen erweitert.
Landrat: Jugendticket ist eine Zeitenwende
Denn das Neun-Euro-Ticket, das von Juni bis August bundesweit galt, habe eine große Dynamik in die Diskussion um einen einfachen und günstigen ÖPNV gebracht. Deutlich sei durch das günstige Angebot auch geworden, wo die Defizite im Nahverkehr liegen. „Aber das Angebot wird immer besser“, so Rachner. Er ist überzeugt, dass es einen bundesweiten Nachfolger für das Neun-Euro-Ticket geben wird. Wesentlich dabei sei gar nicht einmal der Preis, sondern die leichte Handhabung. „Es muss einfach sein, dann wird es auch genutzt.“
Jetzt komme es aber erst einmal darauf an, dass die Jugendlichen das neue Ticket im Bereich des VEJ auch nutzen würden. Das System müsse von vielen überhaupt erst einmal erlernt werden, die Nutzer müssten entdecken, was möglich sei mit den Bussen im VEJ. Denn die Busse seien deutlich mehr als nur das Transportmittel zur Schule. Auch zur Musikschule, zum Sport oder zu Freunden werde nun oft kein Elterntaxi mehr benötigt. Eine Zeitenwende nennt Landrat Olaf Meinen das neue Angebot, das es dauerhaft geben soll.
Vollere Busse seit den Sommerferien
Es sei ein völlig neuer Ansatz für Mobilität in einer Region, in der der ÖPNV teilweise auch schlechter dargestellt werde als er ist. „Ich hoffe, dass die Jugendlichen es auch annehmen.“ Denn das Ziel sei es, die Jugend an den ÖPNV heranzuführen und eine Alternative zum Auto aufzuzeigen. Tilli Rachner griff den Ball auf. „Es ist auch den Eltern erlaubt, den Bus zu benutzen.“
Es gibt bereits in den wenigen Wochen seit den Sommerferien Auswirkungen des Jugendtickets in den Bussen zu spüren. Schulkinder berichten von volleren Bussen, in denen sie nur Stehplätze bekommen, wo es vor den Ferien noch ausreichend Sitzplätze für alle gab. Jochen Edzards (Edzards Reisen, Esens), dessen Unternehmen auch Linien in Aurich bedient, ist sich der Problematik bewusst. Es gelte nun, die Fahrgastzahlen zu erfassen. Für die Unternehmen sei es wesentlich zu schauen, wie viele Fahrgäste in einem Bus mitfahren dürfen. Dazu zählten aber auch Stehplätze. Das werde natürlich manchmal als unzumutbar empfunden, wenn Busse der entsprechenden Linie früher Sitzplätze für alle gehabt hätten. Man werde aber nachsteuern, wenn größere Busse benötigt würden.
Stärkere Nutzung zum Winter erwartet
„Wir wissen nicht, was auf uns zukommt“, sagt Tilli Rachner. Innerhalb des VEJ sei eine Schätzung versucht worden. „Das ist aber ein Blick in die Kristallkugel.“ Er rechne damit, dass zum Winter noch mehr Jugendliche das Fahrrad stehenlassen würden, wenn das Wetter sich verschlechtere. Und die Jugendlichen müssten lernen, dass sie die Busse tatsächlich nutzen dürfen. Das gelte auch für die Eltern, die teilweise nicht glauben wollen, wie weit ihre Kinder mit der neuen Fahrkarte kommen können.
Die Hauptsache sei, dass möglichst viele nun mit den Bussen fahren. „ÖPNV ist nur dann klimafreundlich, wenn er genutzt wird“, so Rachner.
Neun-Euro-Ticket ließ Kosten steigen
Busse in Ostfriesland nicht voller
Ziel: Jugendticket auch in den nächsten Jahren anbieten
Busfahren wird für alle Auricher Schüler kostenlos