Zu wenig Ärzte für UEK Grüne fürchten Nachteile für die Stadt Norden
Eingeschränkte medizinische Versorgung bringe Wirtschaftsstandort in Gefahr, schreiben die Lokalpolitiker. Und die Lage werde sich verschärfen.
Norden - Eine sich ständig verschlechternde medizinische Versorgung bringt den Wirtschaftsstand Norden in Gefahr. Das beklagen die Norder Grünen. Sie fordern die Kreistagsmehrheit aus SPD und CDU auf, dass zumindest der Versorgungsauftrag des Klinikstandortes Norden bis Fertigstellung der geplanten Zentralklinik erfüllt werde. Notfalls müsse die Stadt Norden dies einklagen, meint der Sprecher der Norder Grünen, Walter Zuber.
Im Vergleich zu den Städten Aurich und Emden sei Norden mit Facharztpraxen absolut unterversorgt, so die Einschätzung der Grünen. Auch um die stationäre Versorgung stehe es nicht gut. Das hat Folgen, fürchten die Grünen. „Wer bewirbt sich schon um einen Arbeitsplatz in einem medizinisch in jeder Hinsicht unterversorgten Ort?“, fragt Zuber.
Grüne sehen ambulante medizinische Versorgung nicht gesichert
In Norden ist nach Ansicht der Grünen die gesetzlich vorgeschriebene Sicherstellung der ambulanten medizinischen Versorgung schon seit längerer Zeit nicht mehr erfüllt. Patienten müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen, Neubürger würden oft vergeblich nach einem Hausarzt suchen. Initiativen der Stadt Norden, mit eigenen Mitteln dem Missstand abzuhelfen, seien von der Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) in Aurich öffentlich eine Absage erteilt worden.
Nun verschärfe sich die Situation. Die Grünen fürchten, dass der Ubbo-Emmius-Klinik Norden nach den Landtagswahlen vollends der Garaus gemacht werden. Hilko Gerdes (CDU), Kreistagsabgeordneter und Aufsichtsrat der Klinik Aurich-Emden-Norden, kündigte öffentlich die geplante Schließung von Abteilungen in Norden an. Zugleich warnte er vor Protesten, da die Maßnahmen „unpopulär und schmerzhaft“, aber wegen gesetzlich vorgeschriebener Mindestmengen notwendig seien.
Mindestmengenargument für Grüne ein Bluff
Doch das Mindestmengenargument sei ein Bluff, so die Grünen. Die meisten Leistungen mit Mindestmengen träfen für die UEK-Kliniken nicht zu, da es sich um hochkomplexe Leistungen wie Transplantationen handele. Für koronarchirurgische Eingriffe sei keine konkrete Mindestmenge festgelegt, im Gegensatz zu den Behauptungen des Geschäftsführers der Kliniken in Aurich, Norden und Emden.
Von der Klinikgeschäftsführung seien immer wieder Versprechungen für Norden gemacht worden. Auch eine Übergangsplanung zur Sicherstellung der Versorgung bis Fertigstellung der Zentralklinik wurde vor Jahren versprochen. Nichts von dem gebe es aber, beklagt Zuber. Der schleichende Leistungsabbau sei dabei politisch durch Kreistags-, Aufsichtsrats- und Gesellschaftsversammlungsmehrheiten aus CDU und SPD abgesichert worden. Die Folge: In jedem Qualitätsbereich sei das Norder Krankenhaus inzwischen unterdurchschnittlich aufgestellt.
Es dürfe nicht sein, so Zuber, dass die medizinische Versorgung der Norder wegen der bisher nur auf dem Papier stehenden Zentralklinik weiter jahrelang vernachlässigt werde.