Hannover  Was Sie noch nicht über den CDU-Spitzenkandidaten Bernd Althusmann wussten

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 09.09.2022 16:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bernd Althusmann bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU zur Landtagswahl in Niedersachsen am Ledenhof in Osnabrück. Foto: Michael Gründel
Bernd Althusmann bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU zur Landtagswahl in Niedersachsen am Ledenhof in Osnabrück. Foto: Michael Gründel
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Bernd Althusmann will bei der Landtagswahl in Niedersachsen Ministerpräsident werden. Der Weg dorthin kostet Kraft, die der CDU-Politiker sich bei seiner Familie holt. Ein Porträt.

Bernd Althusmann ist ein typischer Gelegenheitsraucher. In diesen Zeiten sieht man den CDU-Politiker häufiger mal mit einer Zigarette. Manchmal auch etwas abseits in Ruhe und locker ans Auto gelehnt. Es ist Wahlkampf in Niedersachsen. Am 9. Oktober wird ein neuer Landtag gewählt.

Eine stressige Zeit für den 55-jährigen Spitzenkandidaten, der das Bundesland aktuell in einer Großen Koalition mit der SPD regiert, das Wirtschaftsministerium leitet und Vize-Ministerpräsident des Landes ist. Mehr als 200 Wahlkampftermine hat Althusmann sich vorgenommen. Das schlaucht.

Beim Gespräch mit der Presse in der vorigen Woche wird an der Röte in Althusmanns Gesicht deutlich, wie sehr der Herausforderer von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) aktuell unter Strom steht. Auch wenn die beiden sich laut Althusmann vor einiger Zeit beim Kaffee „in die Hand versprochen“ haben, einen fairen Wahlkampf zu führen, kann der Herausforderer sich eine kleine Spitze gegen Weil nicht verkneifen: „Einen Vorruheständler hat dieses Land nicht verdient“, sagt Althusmann und spielt damit darauf an, dass der 63-jährige Weil schon frühzeitig deutlich gemacht hatte, zwar für eine weitere ganze Wahlperiode von fünf Jahren zur Verfügung zu stehen, danach sei für ihn aber Schluss.

Weitere Seitenhiebe gegen die SPD verkneift sich Althusmann, der als Sohn eines Pastors in Lüneburg aufgewachsen ist. Seine Mutter war gelernte Krankenschwester und arbeitete im Pfarrhaus. Geschwister hat Althusmann nicht. Dafür aber drei Kinder im Alter zwischen elf und 26 Jahren. Althusmann ist in zweiter Ehe verheiratet und lebt mit seiner Frau, die zwei Kinder mit in die Ehe gebracht hat, am Rande eines Landschaftsschutzgebietes in Heiligenthal bei Lüneburg.

„Wir genießen die ländliche Umgebung und ausgiebige Spaziergänge mit unserem Hund. Hier tanke ich Kraft“, sagt der Patchwork-Familienvater, dessen jüngste Tochter bald zwölf Jahre alt wird. Um genau zu sein, am 9. Oktober, dem Tag der Landtagswahl in Niedersachsen. An dem Sonntag wolle er doppelt feiern, erklärt Althusmann. Erst den Kindergeburtstag und abends dann seinen Wahlsieg.

Was aber, wenn die CDU abends nach dem Schließen der Wahllokale nichts zu feiern hat? Wenn Althusmann es auch im zweiten Anlauf nicht schafft, den Amtsinhaber aus der Staatskanzlei zu werfen. Schließlich war er bereits 2017 an dem Publikumsliebling Weil gescheitert.

Der studierte Pädagoge mit Doktortitel, der nach dem Willen seiner Eltern Arzt, Theologe oder Jurist hätte werden sollen, will sich damit gar nicht erst befassen, sondern setzt auf Sieg und ist überzeugt: „Wir werden am Ende deutlich vorne liegen.“ Dafür jedenfalls werde er bis zur letzten Sekunde arbeiten, betont der frühere Bundeswehroffizier. Der Hauptmann der Reserve, den manche immer noch „Panzer“ nennen, obwohl Althusmann diesen Spitznamen nicht besonders schätzt, gibt sich kämpferisch und zuversichtlich. Dieses Mal werde er es packen.

Er fühle sich jedenfalls „sehr fit im Moment“, betont der ehemalige Kampfsportler, der den Boxsport für das „beste Fitnesstraining“ hält. Als junger Mann hat er mit seinen knapp 1,90 Metern Körperlänge aber in erster Linie Handball gespielt - nach eigenen Worten sogar „recht ordentlich“.

Als ehemaligem Kultusminister von Niedersachsen (2010 bis 2013) liegt Althusmann, der nach seiner Zeit als Schulminister die Landesvertretung der Konrad-Adenauer-Stiftung für Namibia und Angola mit Sitz in Windhoek geleitet hat, die Schulpolitik nach wie vor am Herzen. „Lehrer sind nicht dazu da, den Erziehungsauftrag der Eltern zu übernehmen“, findet der gebürtige Oldenburger.

Auch für bessere Bedingungen in der Pflege stehe er, sagt Althusmann und berichtet, dass sein 2004 verstorbener Vater zuletzt selbst ein schwerer Pflegefall gewesen sei. Ob er die Pflege in Niedersachsen stärken kann, entscheidet sich am 9. Oktober.

Und auch wenn die CDU sich in Koalitionsfragen noch nicht festlegen will, so entscheidet Althusmann sich bei der Frage „Stephan Weil oder Julia Willie Hamburg“ spontan für die Grünen-Spitzenkandidatin. „Weil ich neugierig auf sie bin“, fügt er zur Begründung hinzu. Wichtig zu wissen: Zu Hamburg gehört auch Christian Meyer, Ex-Landwirtschaftsminister von Niedersachsen und zweiter Spitzenkandidat der Grünen. Althusmann und Meyer können sich gar nicht gut leiden und zoffen sich regelmäßig über Twitter.

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