Westerland Protestcamp auf Sylt: Punk Jörg Otto soll 10.000 Euro Strafe zahlen
Ende der Chaostage auf Sylt: Für Jörg Otto, Mitinitiator und Sprecher des Protestcamps in Westerland, kommt es jetzt knüppeldick. Für 450 Anzeigen wegen Ruhestörung und Gerichtskosten soll der 45-Jährige jetzt 10.000 Euro Strafe zahlen.
Die gedrückte Stimmung im Protestcamp der Punks auf Sylt passt am Donnerstagnachmittag zum Wetter auf der Insel: Der Himmel über dem Stadtpark vor dem Rathaus ist grau - dazu regnet es in Strömen. Deutlich weniger Menschen als zuvor sind jetzt im Camp zu sehen. Sichtlich angespannt wirkt Jörg Otto (45), Mitinitiator und Sprecher des Protestcamps auf Sylt. Und das aus gutem Grund. „Ich soll 10.000 Euro Strafe zahlen“, sagt der Hamburger und zeigt den entsprechenden Behördenbescheid. „So viel Geld habe ich nicht.“
Die Strafe ist das Resultat von insgesamt 450 eingegangenen Anzeigen wegen Ruhestörung durch die Camp-Bewohner. Hinzu kommen die Kosten für den verlorenen Rechtsstreit vor dem Schleswiger Verwaltungsgericht. All das ist nun bei Jörg Otto, dem Gesicht des Protests auf Sylt, aufgelaufen. Als Beweis zeigt er ein Behörden-Schreiben, auf dem die ihm vorgeworfenen Sachverhalte aufgelistet sind.
Wie es jetzt für ihn weitergeht, könne er noch nicht genau sagen. „Meine Partei hat angekündigt, mich finanziell zu unterstützen und mir einen Rechtsbeistand an die Seite zu stellen. Mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.“ Otto ist Mitglied der Linkspartei und sitzt für die Linken im Vorstand des Bezirks Hamburg-Mitte. Ob er die volle Höhe von 10.000 Euro zahlen muss, konnte Otto am Donnerstag nicht sagen. Er hofft, dass er günstiger weg kommt, sein Mitorganisator die Hälfte übernimmt oder eine andere Lösung gefunden wird. „Vielleicht zahle ich nachher auch nur ein paar hundert Euro als symbolischen Wert, das wäre doch ein Kompromiss“, so der Aktivist. Das Geld würde von der Landeskasse eingefordert werden.
Neben dem Mitinitiator sind noch rund 30 weitere Personen im Protestcamp vor dem Rathaus geblieben. Bis Samstag sollen sie ihr Camp geräumt haben. Ob das was wird? „Ich weiß es nicht genau, wir haben gesagt, dass wir bis Samstag weg sind, aber ob alle bis dahin ihren Kram zusammengepackt haben, kann ich nicht versprechen“, sagt Otto. Bürgermeister Nikolas Häckel hatte zuletzt auf Facebook verkündet, die Punks hätten zugesagt, das Camp bis spätestens Samstag räumen zu wollen.
„Sollte das Camp nicht mit Ablauf des Samstag freiwillig und friedlich geräumt werden, wird mein Vollzugshilfeersuchen wieder aktiviert“, teilte Häckel am Donnerstag auf shz.de-Anfrage mit. Polizeisprecherin Sandra Otte sagte am Donnerstag, die Polizei werde erst mal das weitere Geschehen abwarten, schauen, was passiert und auf Deeskalation setzen. Eine Räumung des Camps bezeichnete sie als letztes Mittel.