Umbau der Auricher Kaserne  Mehr Geld ausgeben, um kein Geld zu verlieren

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 09.09.2022 13:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mehr Geld muss für die Kaserne ausgegeben werden – sonst verfallen Fördermittel. Foto: Romuald Banik
Mehr Geld muss für die Kaserne ausgegeben werden – sonst verfallen Fördermittel. Foto: Romuald Banik
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Zu wenig Geld wurde bislang für die Umwandlung der alten Auricher Kaserne in einen Stadtteil ausgegeben. Das könnte böse Folgen haben.

Aurich - Es ist eine paradoxe Situation: Das Geld ist überall knapp, auch die Auricher Stadtkasse ist leer. Und gleichzeitig gibt es im Rathaus die Sorge, dass bei der Umwandlung der alten Blücher-Kaserne in einen neuen Stadtteil nicht genug Geld ausgegeben wird. Denn bei den eingeplanten Mitteln handelt es sich vor allem um Fördergelder von Bund und Land. Und dieses Geld muss innerhalb bestimmter Fristen abgerufen werden, sonst verfallen die Ansprüche.

Dabei geht es um nicht unerhebliche Summen, wie Peter Tautz (Gesellschaft für Stadtsanierung) und Karen Strack (Planungsbüro Re-Urban) am Donnerstag im Bauausschuss mitteilten. Insgesamt 8,1 Millionen Euro stehen zur Verfügung, davon kommen 5,4 Millionen Euro von Bund und Land. Das Geld wird auf verschiedene Haushaltsjahre, in denen Maßnahmen geplant sind, verteilt. Ein Mitnehmen in den nächsten Haushalt, weil Projekte oder Bauabschnitte nicht fertiggestellt wurden, ist in der Regel nur zweimal möglich. Heißt: wurde für 2018 bewilligtes Geld nicht ausgegeben, darf es noch 2019 und 2020 eingeplant werden. Ein weiteres Jahr wurde bislang toleriert. „Gesichert ist das aber nicht“, so Karin Strack.

Bundesanstalt will mehr Geld von der Stadt

Und das könnte Folgen haben. Denn für die Kaserne sind bis Ende 2021 erst rund 500.000 Euro ausgegeben worden. In diesem Jahr müssen, damit die Fördermittel nicht verfallen, bis zu 1,5 Millionen Euro investiert werden. Sollten Bund und Land auf der Zwei-Jahres-Regel bestehen, wären es laut Strack sogar 3,9 Millionen Euro. „Das wäre schon eine Hausnummer“, sagt Karin Strack.

Ein großer Brocken ist der Grunderwerb von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Laut dem Verhandlungsergebnis aus dem vorigen Jahr muss die Stadt Aurich dafür 1,9 Millionen Euro zahlen. Das würde die Stadt auch lieber heute als morgen machen, wie Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß in der Sitzung betonte. „Wir drängeln bei der Bima immer wieder.“ Aber die Bundesanstalt, ergänzt Peter Tautz, habe erkannt, dass die Immobilienpreise in Aurich weiter steigen. „Die Bima will mehr Geld.“ Daher seien weitere Gespräche nötig. Denn trotz der Vorgabe, noch in diesem Jahr bis zu 3,9 Millionen Euro ausgeben zu müssen, wolle man natürlich auf der anderen Seite auch nicht zu viel Geld ausgeben.

Kein Ersatz für Aldimarkt

Weniger Sorgen macht Busch-Maaß sich wegen der Ukraine-Flüchtlinge, für die nun zunächst einige der Gebäude hergerichtet werden sollen. Die ersten Menschen aus der Ukraine wohnen bereits seit Wochen im ehemaligen Offiziersheim. Weitere 1000 Ukrainer sollen in weiteren Gebäuden untergebracht werden. „Wir machen die Planung drumherum“, sagt Busch-Maaß. Es seien dafür mehr Abstimmungsgespräche nötig.

Überrascht waren die Mitglieder des Bauausschusses bei der Nachricht, dass auf dem Gelände am Hoheberger Weg kein Platz für einen Supermarkt sein werde. Zumindest im Bebauungsplan, der momentan bearbeitet wird, ist keiner vorgesehen. Insbesondere Richard Rokicki (AWG) war immer davon ausgegangen, dass es dort einen Nahversorger geben wird als Ersatz für den Aldimarkt, der vom Hammrich an die Wiesenstraße gezogen ist.

Auch Gila Altmann (Grüne) war davon ausgegangen. Denn das Einzelhandelsgutachten der Cima habe bestätigt, dass dort ein Supermarkt entstehen könnte. Dieses Cima-Gutachten aber gehe nicht tief genug, so Busch-Maaß. Dafür müsse dann ein neues Gutachten her – und das benötige Zeit. Zeit, die man bei der Erstellung des Bebauungsplanes derzeit aber nicht habe. Denn nicht nur die Fördermittel müssten ausgegeben werden, auch der Investor Norbert Dittel von der Firma Terra Nova (Bremen) wolle schließlich sein Projekt umsetzen.

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