Wegen Raubes vor Gericht  44-jähriger Auricher nennt Entzug als Grund

Christiane Norda
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Von Christiane Norda
| 06.09.2022 09:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Justitia, Göttin der Gerechtigkeit. Foto: DPA
Justitia, Göttin der Gerechtigkeit. Foto: DPA
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Prozess gegen Drogenabhängigen: Er soll mit Komplizen einen Dealer überfallen und zudem alleine zwei Autos gestohlen und damit Unfälle verursacht haben.

Aurich - Ein 44-jähriger Auricher steht seit Montag wegen Raubes vor dem Landgericht Aurich. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 44-Jährigen zwei Taten vor. So soll er im Juli 2020 gemeinsam mit drei Komplizen einen Dealer in seiner Wohnung in der Auricher Innenstadt überfallen, ihn bedroht und Drogen und Geld von ihm gefordert haben. Dabei soll auch mit einem Messer gedroht worden sein. Der Angeklagte soll einem der Anwesenden mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen haben. Er habe behauptet, er sei ihm Geld schuldig, berichtete das Opfer als Zeuge in der Verhandlung. Mit dem Schlag habe der Angeklagte seiner Forderung wohl Nachdruck verleihen wollen. Er nehme an, der 44-Jährige habe unter Suchtdruck gehandelt.

Zwei der damaligen Mitstreiter waren bereits im Januar diesen Jahres wegen besonders schweren Raubes vor dem Landgericht nach dem Jugendstrafrecht verurteilt und in einer Entzugsklinik eingewiesen worden. Der 44-Jährige ist ein polizeibekannter Hartdrogenkonsument. Als Motiv für den Überfall gab er seine Drogensucht an. Er bestätigte, an besagten Tag auf Entzug gewesen zu sein und unter starken Schmerzen gelitten zu haben. Er und seine Kumpel hätten dem Überfallenen im Voraus Geld gegeben, damit dieser ihnen Heroin beschaffe. Weil er nicht geliefert habe, habe man den Dealer in dessen Wohnung aufgesucht.

Diebstahl eines Autos soll Erfindung seines Neffen sein

Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte darüber hinaus im November 2020 auf dem Parkplatz eines Auricher Supermarktes einer Frau gewaltsam ihren Autoschlüssel entrissen haben und mit dem Wagen davongefahren sein. Der Frau sei es zunächst noch gelungen, einzusteigen, sei jedoch von dem Angeklagten aus dem Auto gestoßen worden und habe sich bei dem Sturz verletzt. Der Wagen wurde wenig später in Frankreich gefunden.

Der Angeklagte gab an, die Geschichte sei eine Erfindung seines Neffen, dem der Wagen gehört habe. Er habe seinen kranken Bruder in Bordeaux besuchen wollen und sich dafür das Auto von seinem Neffen ausgeliehen. Weil er keinen Führerschein besessen habe, habe ihm sein Neffe bereits im Vorfeld erklärt, im Falle eines Unfalls behaupten zu wollen, sein Onkel habe ihm den Wagen gewaltsam abgenommen. Der junge Mann habe Sorge um seinen eigenen Führerschein gehabt, den er mangels Lesekenntnissen habe kaufen müssen und der ihm mit Sicherheit abgenommen werde, sollte es zu Problemen mit seinem Wagen kommen.

Angeklagter soll alter Dame Autoschlüssel gestohlen haben

Zu denen war es dann tatsächlich gekommen. Nach stundenlanger nächtlicher Fahrt von Ostfriesland nach Bordeaux hatte der Angeklagte einen Unfall verursacht und seinen Neffen angerufen. Der habe der Polizei die Räuberpistole aufgetischt. Der Angeklagte hatte in der Zwischenzeit einer alten Dame ihren Autoschlüssel abgenommen und erneut einen Unfall verursacht. Dafür hatte er sieben Monate Haft in Frankreich verbüßt. Er sei betrunken gewesen und habe auch hier unter starkem Suchtdruck gestanden, erklärte der Angeklagte sein Handeln am Montag vor Gericht. „Ich wusste nicht mehr ganz genau, was ich tue.“

Die Verhandlung wird am Montag, 12. September, ab 9 Uhr fortgesetzt.

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