Konzept gegen Wassermangel  Wasserverband vor Riesenherausforderung

| | 05.09.2022 18:55 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (Mitte) informierte sich am Montag in Siegelsum über den Bau des neuen Wasserwerks. OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht (rechts) und Regionaleiter Michael Veh (links) informierten den SPD-Politiker. Foto: Thomas Dirks
Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (Mitte) informierte sich am Montag in Siegelsum über den Bau des neuen Wasserwerks. OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht (rechts) und Regionaleiter Michael Veh (links) informierten den SPD-Politiker. Foto: Thomas Dirks
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Trinkwasser steht nicht mehr unbegrenzt zur Verfügung. Zugleich steigt wegen des Klimawandels aber der Verbrauch – wie OOWV und Landespolitik diese Herausforderung meistern wollen.

Siegelsum - Wie es sich auswirken kann, wenn es an Wasser mangelt, erlebt der Oldenburgisch-ostfriesische Wasserverband (OOWV) derzeit selbst: Die für den Neubau seines Wasserwerks in Siegelsum benötigte große Filterkessel zur Aufbereitung des Grundwassers können wegen des sommerbedingten niedrigen Wasserstands im Rhein nicht verschifft und geliefert werden. Trotzdem liege das 18-Millionen Euro teure Bauvorhaben noch im Zeitplan. 2024 solle das neue Werk in Betrieb gehen, sagte OOWV-Regionaleiter Michael Veh.

Viel gravierendere Folgen des Klimawandels erwarten die Wasser-Experten für die Zukunft. Die Wasserwirtschaft befinde sich in einem dramatischen Wandel, machte OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht am Montag bei einem Besuch von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies in Siegelsum deutlich. Der SPD-Politiker informierte sich dort nicht nur über den Werksneubau, sondern bekam von Specht auch ein regionales Wasserversorgungskonzept überreicht, mit dem der Verband die Wasserversorgung der Menschen im Nordwesten sicherstellen will.

Klimawandel zwingt zum Handeln

Auch landesweit werde derzeit an einem ähnlichen Plan gearbeitet, sagte Lies. Die ersten Projekte sollen möglichst bald verwirklicht werden. 30 Millionen Euro stellt das Land dafür zur Verfügung. „Wir stehen vor einer Riesenherausforderung“, betonte Lies. Der Klimawandel und die damit verbundenen Wasserextreme wie Dürre, Starkregenfälle, fallende Wasserstände und steigender Wasserbedarf durch Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum zwingen zum Handeln, so der Minister. Noch bestehe Möglichkeit, auf die neuen Herausforderungen zu reagieren. Zeit, um zu warten und sich im bürokratischen Kleinklein zu verzetteln, sei aber nicht. Der Druck wachse in einigen Regionen des Landes massiv. „Zehn Jahre lang nur Papier machen, geht nicht“, sagte Lies.

OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht (links) überreichte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies ein Exemplar des Wasserversorgungskonzeptes. Foto: Thomas Dirks
OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht (links) überreichte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies ein Exemplar des Wasserversorgungskonzeptes. Foto: Thomas Dirks

Sinnvolles Wassermanagement sei gefragt. Statt wie bisher Regenmengen möglichst schnell Richtung Nordsee abzuleiten, müssten in Zukunft Niederschläge zurückgehalten und gespeichert werden, um dafür zu sorgen, dass sich Grundwasser neu bilden könne und dort, wo erforderlich, in Trockenzeiten zum Beispiel landwirtschaftliche Flächen bewässert werden könnten. Das sei eine kniffelige Aufgabe, habe Auswirkungen auf Ökosysteme, kostet sehr viel Geld und eine Kraftanstrengung, die die Zusammenarbeit aller Beteiligten und Sparten erfordere. Möglichst schnell will der OOWV daher sein Konzept den neun Landkreisen in seinem Verbandsgebiet vorstellen und mit der Umsetzung beginnen. „Wasser ist gefühlt zur Mangelware geworden“, sagte Specht. Die objektiven Zahlen aber sprechen glücklicherweise noch eine andere Sprache. Zwar werde schon jetzt so viel Wasser verbraucht, wie eigentlich erst für 2028 berechnet, jedoch gebe der sogenannte Grundwasserkörper dies auch her. Dieser sei „noch nicht gestresst“ und weiter auf dem Niveau von 2018, erklärte Sprecht.

Wassermenge reicht aus

Wasser sei nach wie vor in ausreichender Menge im Boden vorhanden, sagte auch Lies. Gleichwohl komme es mehr denn je darauf an, nachhaltig, spar- und sorgsam damit umzugehen. „Wasser ist ein hohes, wertvolles und schützenswertes Gut“, sagte der Minister.

Das Bewusstsein dafür wachse spürbar, sagte Specht. Info-Offensiven seines Verbandes hätten ein Umdenken bewirkt. „Die Bevölkerung arbeitet mit“, sagte der Geschäftsführer. Viele dächten zweimal nach, ob und wie sie im Sommer ihre Gärten bewässerten, ihren Pool füllten oder im Haushalt Wasser verbrauchten. Auch die Industrie spiele mit, indem sie statt frischem Trinkwasser speziell aufbereitetes Abwasser wiederverwende.

Trinkwasserversorgung hat Vorrang

Absoluten Vorrang werde weiterhin die Versorgung der Menschen mit Trinkwasser zu annehmbaren Konditionen haben, betonten Specht und Lies. Langfristig, so Specht, benötige der OOWV in den nächsten zehn bis 15 Jahren zusätzlich zu bisher 15 Wasserwerken, zwei neue, um dem Bedarf abdecken zu können. Wo im Verbandsgebiet sie gebaut werden könnten, werde geprüft. Der Neubau in Siegelsum zählt nicht dazu, da es sich um einen Ersatzneubau für das bisherige Wasserwerk handelt.

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