Neun-Euro-Ticket Busse in Ostfriesland nicht voller
Sonja Brandt, Leiterin des VEJ in Aurich, ist mit den Verkaufszahlen der vergangenen Monate zufrieden. Dass einige wenige Busse nun voller als vorher sind, hat mit dem Sparticket jedoch nichts zu tun.
Aurich – Die Wirkung des Neun-Euro-Tickets in Ostfriesland ist verpufft. In den meisten Bussen in und um Aurich ist nun nicht mehr los als vorher, sagt die Leiterin des Verkehrsverbund Ems-Jade (VEJ), Sonja Brandt. Trotzdem ist sie mit der Bilanz zufrieden. Mehr als 60.000 Neun-Euro-Tickets sind in den vergangenen drei Monaten im Gebiet des VEJ verkauft worden. Doch mit den vielen verkauften Tickets gingen für die Busunternehmen auch Probleme einher, die noch immer zu spüren sind.
Spürbar voller waren die Busse in der Region zwischen Juni und August, sagt Sonja Brandt. Insbesondere Mitte Juli seien mit Beginn der niedersächsischen Sommerferien noch einmal eine Menge Neun-Euro-Tickets verkauft worden. Vor allem in den Linien zu den Küsten und den Bahnhöfen in Leer und Emden, sei es dann besonders voll geworden. „Schlecht ist das echt nicht“, sagt Sonja Brandt mit Blick auf die Verkaufszahlen. Der Großteil der Fahrkarten wurde direkt in den Bussen gekauft. Hinzu kommen unzählige über das Internet gekaufte Tickets. Die Busunternehmen setzten teilweise größere Busse ein und fuhren am Wochenende extra Linien.
Fahrgastzahlen wie vor dem Angebot
Als das Neun-Euro-Ticket eingeführt wurde, hatte Sonja Brandt die Hoffnung, dass es für viele Auricher ein Anreiz ist, den öffentlichen Personennahverkehr auszuprobieren. Und das war es in den vergangenen Monaten auch. Denn nicht nur Urlauber nutzen die Verbindungen. Auch einige Pendler stiegen auf den Bus um.
Doch nun, wo die Fahrten wieder teurer sind und die Urlaubssaison sich dem Ende zuneigt, ist dieser Aufschwung verschwunden. Die Fahrgastzahlen liegen laut Sonja Brandt wieder nahezu auf demselben Niveau wie vor Einführung des Spartickets. Den Grund dafür sieht sie in den nach wie vor hohen Preisen der Einzelfahrkarten. Dass es dort Handlungsbedarf gebe, sei auch ihr bewusst. Auch wenn sie anderer Hoffnung gewesen sei, überrasche sie diese Entwicklung nicht, so Sonja Brandt.
Neues Jugendticket zeigt erste Erfolge
Nur in wenigen Bussen ist nun mehr los. Der Grund dafür sind jedoch nicht die Nachwehen des Neun-Euro-Tickets. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres wurde das Busfahren im VEJ-Gebiet durch die Einführung des sogenannten Jugendtickets für nahezu alle Schüler Ostfrieslands kostenlos. Und das macht sich nun bemerkbar. Morgens treffen in den Buslinien nun fast doppelt so viele Schüler wie vorher aufeinander.
Trotzdem reichen die Kapazitäten laut Sonja Brandt noch aus. Denn mittags sind nicht alle rund 17.500 Schüler gleichzeitig unterwegs. Sollte sich das ändern, würde selbstverständlich aufgestockt werden, sagt die VEJ-Leiterin. Für größere Schulen seien schon jetzt sogenannte Gelenkbusse im Einsatz.
Busunternehmen warten auf Geld
Auch wenn die 60.000 verkauften Neun-Euro-Tickets für den Verbund ein Erfolg sind, sagt Sonja Brandt: „Man schaut mit einer Träne im Auge auf das vergangene Jahr.“ Denn dadurch, dass die Fahrgäste so viel Geld sparen konnten, nahmen die Busunternehmen wesentlich weniger ein. Genaue Zahlen konnte die VEJ-Leiterin nicht nennen. Die Umsatzeinbußen seien jedoch „enorm“. Sie sollen durch eine Zahlung des Bundes aufgefangen werden. Noch ist bei den Busunternehmen jedoch nichts angekommen. Man gehe davon aus, dass es im September noch so weit sei. Doch sicher könne man sich dabei nicht sein, sagt Sonja Brandt. Vor allem mit Blick auf die gestiegenen Spritpreise sei man auf diese Zahlung jedoch angewiesen.
Für die Busunternehmen seien die vergangenen drei Monate ohnehin nicht leicht gewesen, sagt Sonja Brandt. Sie kann den Unmut einiger Unternehmer verstehen. „Die Kurzfristigkeit des Tickets war die Herausforderung“, sagt die VEJ-Leiterin.