Auricher Markthalle  Nur noch ein Mieter ist übrig

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 02.09.2022 12:44 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im September 2020 hatte Martin Lorenz seine Filiale in der Markthalle wieder eröffnet. Foto: Heino Hermanns
Im September 2020 hatte Martin Lorenz seine Filiale in der Markthalle wieder eröffnet. Foto: Heino Hermanns
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Es wird leer in der Auricher Markthalle. Von den verbliebenen zwei Mietern hört einer Ende des Monats auf. Ein neues Konzept hat die Stadtverwaltung noch nicht zu bieten.

Aurich - Immer leerer wird es in der Auricher Markthalle. Nachdem schon im vorigen Jahr Familie Kanzler ihr Restaurant „Mittagspause“ nicht wieder geöffnet hat, schließt nun auch die Filiale der „Lorenz Bäckerei Victorbur“. Ende des Monats wird es mit dem Mekong-Wok nur noch einen Mieter in der Halle geben.

Ende des Jahres wäre sowieso Schluss gewesen, sagt Martin Lorenz auf ON-Anfrage. Dann nämlich laufen die Übergangs-Mietverträge aus. Die Politik hatte der Verwaltung bis Ende des Jahres Zeit gegeben, ein schlüssiges Konzept für den Bau auf dem Marktplatz vorzulegen. Andernfalls droht der Abriss des über 30 Jahre alten Gebäudes. Lorenz selbst war viele Jahre lang Teil der Betreibergesellschaft der Markthalle. Er hat selbst Konzepte für den Weiterbetrieb entwickelt, die allerdings auch für die Stadt Aurich als Eigentümerin Investitionen bedeutet hätten. Am Ende bekamen weder die alte Betreibergesellschaft noch andere Investoren den Zuschlag. Mit der Corona-Pandemie geriet auch die Suche nach einem tragfähigen Konzept ins Stocken.

Erhalt der Halle wird viel Geld kosten

Heute sieht Martin Lorenz keine Perspektive mehr an dem Standort auf dem Auricher Marktplatz. „Es lohnt sich einfach nicht mehr“, sagt er, er müsse seine Kräfte bündeln und sich auf die guten Standorte konzentrieren. „Es war schon schwer mit Corona.“ Die Energiekrise habe es nicht leichter gemacht. In der Burgstraße befindet sich die nächste Filiale der Bäckereikette. „Warum soll ich zwei Öfen anheizen, wenn auch alles in einen passt?“, fragt Lorenz. Gerade in der heutigen Zeit müsse man da sehr genau hinschauen. Was nicht laufe, müsse geschlossen, was gut laufe, müsse gefördert werden.

Wie es mit dem Bau auf dem Marktplatz weitergeht, ist immer noch offen. Konzepte hat die Verwaltung noch nicht vorgelegt. Klar ist nur: Ein Erhalt der Halle wird viel Geld kosten. Denn seit nunmehr zehn Jahren wurde nichts mehr in den Bau investiert. Schon vor der Corona-Pandemie wurde der Investitionsbedarf auf drei Millionen Euro geschätzt. Das wird in Zeiten von unterbrochenen Lieferketten und dem Ukraine-Krieg nicht weniger geworden sein.

Abriss wäre deutlich günstiger

Geld, das entweder die Stadt als Eigentümerin aufbringen muss. Oder ein Investor finanziert die Sanierung. Dann aber wird die Pacht dementsprechend geringer ausfallen. Eines ist klar: Die Halle wird den städtischen Haushalt weiter belasten. Das geht bereits aus dem Bulwiengesa-Gutachten aus dem Jahr 2016 hervor. Markthallen, auch in größeren Städten wie Stuttgart, sind demnach für die Kommunen immer mit finanziellen Risiken verbunden. Zumindest verdeckte Subventionen sind laut dem Gutachten nicht ungewöhnlich. Nötige Investitionen, das stand schon 2016 fest, können aus den Mieteinnahmen jedenfalls nicht finanziert werden.

Auch ein Abriss der Markthalle wäre nicht gratis zu bekommen, würde aber deutlich preiswerter ausfallen. Im Jahr 2018 rechnete die Stadtverwaltung mit Kosten in Höhe von 200.000 Euro inklusive des dann nötigen Umbaus in der Tiefgarage. Allerdings müsste man dann auch Ideen entwickeln, wie der leere Marktplatz bespielt werden könnte.

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