Hannover  Niedersachsen: Was Ministerpräsident Stephan Weil privat für ein Typ ist

Lars Laue
|
Von Lars Laue
| 30.08.2022 17:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Während der Coronazeit hat Ministerpräsident Stephan Weil hin und wieder aus dem Home-Office in Hannover-Kirchrode gearbeitet. Die Landtagswahl in Niedersachsen 2022 ist für den 9. Oktober terminiert. Der SPD-Politiker stellt sich zur Wiederwahl. Foto: Stephan Weil/privat
Während der Coronazeit hat Ministerpräsident Stephan Weil hin und wieder aus dem Home-Office in Hannover-Kirchrode gearbeitet. Die Landtagswahl in Niedersachsen 2022 ist für den 9. Oktober terminiert. Der SPD-Politiker stellt sich zur Wiederwahl. Foto: Stephan Weil/privat
Artikel teilen:

Was macht eigentlich die Frau von Stephan Weil und warum sieht man sie so selten? Zur Landtagswahl 2022 gibt uns Niedersachsens Ministerpräsident einige private Einblicke.

„Na logisch”: Die Antwort auf die Frage, ob er bei der Flut von Wahlkampf-Terminen und aktuellen politischen Herausforderungen noch genügend Power habe, kommt prompt. Ministerpräsident Stephan Weil sprüht momentan geradezu vor Energie. Der 63-jährige SPD-Politiker, der auf Bundesebene auch schon mehrfach für höhere Ämter gehandelt wurde, regiert Niedersachsen seit 2013. Erst in einer rot-grünen Koalition und seit Ende 2017 in einer Großen Koalition.

Am 9. Oktober wählt Niedersachsen einen neuen Landtag und Weil will es nochmal wissen. Sein Herausforderer von der CDU heißt Bernd Althusmann. Wieder. Denn der 55-Jährige hatte 2017 schonmal einen Versuch unternommen, Weil vom Thron zu stoßen. Vergebens. Sah es zunächst für Althusmann gut aus, legte Weil damals einen Wahlkampf-Endspurt hin, der ihm schließlich zum Wahlsieg verhalf. Althusmann ordnete sich als Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister hinter Weil ein.

Weil ist erprobt, was Wahlkämpfe angeht. Beobachter sagen, in dieser Zeit laufe er erst so richtig zur Höchstform auf.

So nahbar der stets freundliche „ältere Herr” mit dem gepflegten Seitenscheitel und der Archivar-Brille auch ist, so wenig ist über den Privatmann Stephan Weil bekannt, der mit seiner Frau in Hannover-Kirchrode lebt. Seine Frau, das ist die Hochschullehrerin Prof. Rosemarie Kerkow-Weil.

Warum ist die Pflege- und Erziehungswissenschaftlerin so selten an der Seite ihres Mannes in der Öffentlichkeit zu sehen? „Das ist eine persönliche Entscheidung, die ich voll und ganz respektiere”, sagt Weil und merkt an, dass er es ja schließlich gewesen sei, der sich für ein Leben in der Öffentlichkeit entschieden habe, und nicht seine Gattin. Bei Angela Merkel etwa habe ihr Mann auch nicht das Licht der Öffentlichkeit gesucht. „Das ist also nichts Ungewöhnliches”, betont Weil, der seiner Frau großen Respekt zollt.

So hat der Jurist und frühere Oberbürgermeister von Hannover in einem Interview mit der „Bunten” mal gesagt, dass ihm der berufliche Werdegang seiner Frau, die sich als Arzthelferin über den Weg der Kinderkrankenschwester hochgearbeitet hat, sehr imponiere. „Sie ist eine der ganz wenigen Professorinnen aus dem zweiten Bildungsweg. Wenn ich unsere Lebenswege vergleiche, hat sie sehr viel mehr geleistet als ich”, sagte Weil einst über seine Frau, die mittlerweile im Ruhestand ist.

Und auf die Frage, wie die beiden sich kennengelernt haben, antwortete Weil gegenüber der Illustrierten: „Ich habe meinen Zivildienst in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gemacht, sie war dort Krankenschwester. Sie war nicht formell meine Chefin, aber faktisch: Von ihr habe ich damals sehr viel gelernt und nicht nur, wie man Betten macht. Ich bügele übrigens heute noch zu Hause im Keller. Und dazu höre ich dann Rockmusik von Bruce Springsteen und den Stones.”

Dazu, seine Hemden zu bügeln, kommt der Sohn eines Diplom-Ingenieurs und einer promovierten Volkswirtin bei aktuell zwei bis drei Wahlkampf-Terminen pro Tag und etlichen Regierungsgeschäften, die er teils aus dem Auto erledigt, nicht. Weils Eltern sind beide verstorben, ebenso wie sein sechs Jahre älterer Bruder, der als Sozialarbeiter tätig war und als Suchtbeauftragter beim NDR arbeitete.

Mit seiner Frau Rosemarie (67) - die beiden sind seit 1987 verheiratet - hat der gebürtige Hamburger, der seit seiner Kindheit in Hannover lebt, einen Sohn. Der 35-jährige Volkswirt lebt in Berlin und ist in der Energiewirtschaft tätig. Vater und Sohn verbringen seit Jahren jeden Sommer einen gemeinsamen Wanderurlaub.

Im Fußball sei er auch mal gut gewesen, berichtet Weil, der bekennender Fan des Zweitligisten Hannover 96 ist. Auch Leichtathletik habe ihm gelegen, „aber ich war ein lausiger Turner”, gesteht der Hobbyläufer, der in seiner Freizeit nicht nur beim Joggen entspannt, sondern auch, wenn er Pizza, Brötchen und Brot backt. Und beim Lesen natürlich. „Unser Haus ist voll von Büchern, weil meine Frau auch viel liest.”

Normalerweise trägt Weil auch lieber Sneaker statt Lackschuhe und zieht ein kühles Bier einem Glas Wein vor. Und wenn er nach dem 9. Oktober die Wahl hätte zwischen Bernd Althusmann von der CDU und Julia Willie Hamburg von den Grünen? „Dann würde ich mich für Julia Hamburg entscheiden”, sagt Weil, der auch Landesvorsitzender der SPD in Niedersachsen ist und kein Geheimnis daraus macht, lieber wieder mit den Grünen als weiter mit der CDU zu regieren. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Althusmann hat in Umfragen zuletzt aufgeholt.

Und auch wenn Weil - „na logisch” - bekräftigt, dass er noch reichlich Ausdauer habe, sieht man ihn manchmal tief durchatmen. So etwa, wie kürzlich nach seiner langen Rede beim offiziellen Wahlkampfauftakt mit Kanzler Olaf Scholz in Cuxhaven. So ein Wahlkampf schlaucht eben doch.

Ähnliche Artikel