Protesttour für Radweg an L 34 Angehupt, geschnitten und weggedrängelt
Radfahrer müssen sich auf der L 34 vieles von Autofahrern gefallen lassen. Sie fordern einen Radweg und machten deshalb am Sonntag eine Fahrradtour. Dabei verlor so mancher Autofahrer seine guten Manieren.
Wiesens/Brockzetel - Mit einer Fahrradtour wollten mehr als 50 Menschen am Sonntagnachmittag auf den fehlenden Radweg zwischen Wiesens und Brockzetel aufmerksam machen. In einem Korso fuhren sie allerdings nicht – viel zu gefährlich, sagte der stellvertretende Bürgermeister, Stefan Scheller.
Dass es zwischen Wiesens und Brockzetel keinen Radweg gibt, ist Scheller seit Langem ein Dorn im Auge. Seit sechs Jahren nimmt er an den Radtouren bereits teil. Die Kritik: In Wiesens endet der Radweg entlang der L 34 plötzlich kurz hinter der Bushaltestelle Ecke Osterfeldstraße. An derselben Stelle wird die Geschwindigkeitsbegrenzung für Autofahrer aufgehoben und es gibt eine Kurve. Für Radfahrer auf jeden Fall eine Gefahrenstelle, sagt Scheller.
Autos brausten vorbei
Während die Radfahrer sich gegen 14.15 Uhr so langsam sammelten, fahren auch einige Autos an ihnen vorbei. Kaum einer geht mit der Geschwindigkeit runter, obwohl die Radfahrer wegen der geringen Fläche recht nah an der Straße stehen müssen. „Sie sehen es ja selbst“, sagt Scheller, als wieder ein Autofahrer an ihm vorbeibraust.
Bei der letzten Fahrradtour gab es eine brenzlige Situation. Ein Autofahrer habe den Fahrradkorso zu knapp überholt und nur gerade so wieder einscheren können, sagt Scheller. Manche hätten deswegen ihre Teilnahme am Sonntag abgesagt. Der stellvertretende Bürgermeister hat aus dieser Erfahrung seine Konsequenzen gezogen. Die Radfahrer fuhren nicht als eine Gruppe – obwohl sie die Spur aufgrund ihrer Personenzahl dafür hätten blockieren dürfen. In kleinen Grüppchen fuhren sie auf der L 34, damit Autofahrer genug Zeit haben, um nach dem Überholen wieder in ihre Spur zu fahren.
Lautstarkes Hupen und Gedrängel
Wie wirkungsvoll die Aktion der Radfahrer war, zeigte sich an der Reaktion der Autofahrer. Je mehr Menschen sich an der Bushaltestelle sammelten, desto mehr Autos bremsten beim Vorbeifahren ab. Ein Autofahrer schien sich über die Radfahrer sehr zu ärgern. Er hupte eine Gruppe an, als er sie überholte, nachdem er hinter der Kurve verschwand, war erneut Hupen zu hören – da hatte er wohl die vorher gestarteten Gruppen erreicht.
Der Radweg an der Landesstraße sei für die Brockzeteler essentiell, sagt Scheller. Man sei sonst vom öffentlichen Verkehrsnetz abgeschnitten. Innerhalb der Ferienzeiten fuhren kaum noch Busse. Viele Menschen würden die Landesstraße mit dem Rad allerdings meiden. Zu viele Autofahrer würden den Sicherheitsabstand beim Überholen nicht einhalten und brausten dann mit 100 Kilometern pro Stunde an den Radfahrern vorbei.
Radweg soll bis 2024 kommen
Aussichtslos ist das Vorhaben der Radfahrer nicht. Aktuell wartet die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich auf den sogenannten Planfeststellungsbeschluss. Das teilte der stellvertretende Behördenleiter Yasin Kilic mit. Dafür zuständig ist allerdings der Landkreis Aurich. Und dort lässt der Beschluss noch auf sich warten. Der Kreis teilte wiederum mit, dass ein Abschluss des Verfahrens in diesem Jahr realistisch ist. In diesem Falle könne man im kommenden Jahr mit den Arbeiten beginnen, so Kilic. Der Abschluss sei dann für das Jahr 2024 angepeilt.
Für Scheller ist das nur ein kleiner Trost. Denn solange der Radweg fehlt, begeben sich Radfahrer beim Befahren der L 34 entweder in Gefahr oder müssen wohl oder übel auf das Auto umsteigen.