ÖPNV in Ostfriesland  Neun-Euro-Ticket ließ Kosten steigen

Neelke Harms
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Von Neelke Harms
| 26.08.2022 18:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schon Ende Mai wurde am Auricher Zob mit Plakaten für das Neun-Euro-Ticket geworben. Foto: Neelke Harms
Schon Ende Mai wurde am Auricher Zob mit Plakaten für das Neun-Euro-Ticket geworben. Foto: Neelke Harms
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Hiesige Busunternehmer klagen über einen Mehraufwand in den vergangenen drei Monaten. Trotzdem hält der VEJ das Angebot für einen Erfolg.

Aurich – Reisende konnten mit dem Neun-Euro-Ticket einiges an Geld sparen. Doch für hiesige Busunternehmen stiegen in den vergangenen drei Monaten gleich aus mehreren Gründen die Kosten. Und das war nicht ihr einziges Problem.

Praktisch auf allen Linien der Auricher Kreisbahn hätten sie zwischen Juni und August ein deutlich erhöhtes Fahrgastaufkommen verzeichnen können, heißt es vom Geschäftsführer Jens Buß. Und das überraschenderweise auch auf Linien, die sonst nur fast ausschließlich von Schülern genutzt werden würden. Genaue Fahrgastzahlen werden erst im September erhoben.

Größere Busse eingesetzt

Das Esenser Busunternehmen Edzards Reisen, das im Landkreis Aurich mehrere Linien betreibt, hat laut Geschäftsführer Jochen Edzards 27 Prozent mehr Fahrgäste als vor Einführung des Tickets befördert. Allein in den Bussen des Unternehmens sind in diesem Zeitraum rund 3700 Neun-Euro-Tickets verkauft worden. Mit den Fahrkarten war es bundesweit für drei Monate möglich, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) für jeweils neun Euro zu nutzen.

Auch wenn die Unternehmer sich über den Zuwachs an Fahrgästen freuen – genau dort liegt das Problem. Denn um all diese Personen zu befördern, musste an mehreren Stellen aufgestockt werden. Auf einigen Strecken wurden nun Gelenk- beziehungsweise 15-Meter-Busse eingesetzt. So zum Beispiel von der Kreisbahn auf der Linie 460 zwischen Aurich und Leer.Ein gewöhnlicher Linienbus ist zwölf Meter lang. Das Problem an diesen Bussen: Laut Edzards sind sie langsamer und verbrauchen wesentlich mehr Sprit als die üblichen Fahrzeuge. Gerade zu Zeiten steigender Preise an den Tankstellen machte sich das bei den Busunternehmen schnell bemerkbar.

Hohe Personalkosten und wenige Busfahrer

Hinzu kam bei Edzards Reisen, dass sogenannte Verstärkerfahrten erforderlich waren. Auf der Linie K 1, die Gäste zur Küste befördert, reichte das vorherige Angebot nicht mehr aus. Vor allem an den Wochenenden machten sich die vermehrten Fahrgäste aus ganz Deutschland dort bemerkbar. Aber auch in der Woche kam es zu zusätzlichen Reisegruppen, sagt Jochen Edzards.

Hinzu kommt, dass mehr Personal benötigt wurde. Bei dem Esenser Busunternehmen Edzards Reisen, das im Landkreis Aurich mehrere Linien betreibt, mussten seit der Einführung des Neun-Euro-Tickets an den Wochenenden bis zu drei Dienste extra gefahren werden. Das sagt der Geschäftsführer Jochen Edzards auf ON-Anfrage. Für das Unternehmen habe das zu deutlich erhöhten Personalkosten geführt und für die Fahrer einen höheren Arbeitsaufwand und viel Stress bedeutet. Häufig hätten sie spontan einspringen müssen. Denn wie viele Urlauber wann da sind, lasse sich nicht planen. Die Busfahrer würden nicht zufrieden aus der eigentlich immer guten Sommersaison gehen, sagt der Geschäftsführer. Unter diesen Rahmenbedingungen sei er daher gegen eine Verlängerung des Angebots, so Edzards. Laut Sonja Brandt sind Busfahrer momentan ein rares Gut. Wie in zahlreichen anderen Branchen auch, herrsche Fachkräftemangel.

VEJ: Schritt in die richtige Richtung

Die Leiterin der Geschäftsstelle des VEJ in Aurich freut sich über die zahlreichen Fahrgäste in den vergangenen Monaten. Wie hoch diese Zahlen mit Blick auf das gesamte Verbreitungsgebiet des VEJ sind, kann Sonja Brandt am Freitagnachmittag jedoch noch nicht sagen. Ein Großteil der Busunternehmen werde das erst im September auswerten. Genauso sieht es mit der Anzahl der verkauften Neun-Euro-Tickets aus. Fest steht laut Sonja Brandt: Es wurden wesentlich mehr der Fahrkarten direkt in den Bussen als in der Geschäftsstelle am Auricher Zob gekauft. Der Großteil der Neun-Euro-Tickets sei jedoch bei der Deutschen Bahn beziehungsweise im Internet gekauft worden.

Sonja Brandt hält das Neun-Euro-Ticket trotz seiner Schattenseiten für einen Erfolg – und das gerade in Ostfriesland. „Viele Menschen haben einen Schritt aus ihrer Komfortzone herausgewagt“, sagt sie. Denn nicht nur viele Urlauber hätten das Angebot in der Region genutzt. Auch für Pendler sei es, zum Beispiel für den Arbeitsweg, attraktiv gewesen. Das sei ein wichtiger Schritt für den ÖPNV in Ostfriesland – auch mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit, so Sonja Brandt.

Ob die neu gewonnenen Kunden bleiben, steht noch in den Sternen. Ein großer Kritikpunkt derer ist laut Sonja Brandt der Kostenfaktor. Gerade deshalb hält sie ein Nachfolgeangebot für wichtig. Das neue Jugendticket des Verbunds sei schon ein Schritt in die richtige Richtung.

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