Berlin  Ungewollt kinderlos: Welche Rolle Stress bei Unfruchtbarkeit spielt

Carolin Ungrad
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Von Carolin Ungrad
| 25.08.2022 15:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Viele Paare werden auch nach mehreren Versuchen nicht schwanger. Häufig wird auch Stress als Ursache diskutiert. Foto: Imago-Images/Westend61
Viele Paare werden auch nach mehreren Versuchen nicht schwanger. Häufig wird auch Stress als Ursache diskutiert. Foto: Imago-Images/Westend61
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Von Alkohol und Rauchen ist bekannt, dass der Konsum den Kinderwunsch verhindern kann. Doch wie sieht es mit anderen Faktoren wie Stress aus? Das müssen Paare bei einem bisher unerfüllten Kinderwunsch wissen.

In diesem Artikel erfährst Du:

Jeder und jede Zehnte zwischen 20 und 50 Jahren war 2020 laut Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen – die Gründe dafür sind allerdings sehr vielschichtig.

So kann zum Beispiel einer der beiden Partner kein Kind wollen und somit für einen unerfüllten Kinderwunsch des anderen sorgen. Aber auch gesundheitliche und psychische Faktoren können Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit beider Geschlechter haben.

Viele Paare versuchen oftmals über Monate oder auch Jahre hinweg, schwanger zu werden. Obwohl sie dabei auf Probleme stoßen, gingen 2020 laut BMFSFJ nur 25 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer zur Ursachenklärung zu einem Arzt.

Fruchtbarkeitsstörungen haben nämlich meist biologische Ursachen, die vom Arzt festgestellt werden können: So können Geschlechtskrankheiten, hormonelle Störungen und individuelle Krankheiten bei Männern und Frauen den Kinderwunsch erschweren.

Bei Frauen können vor allem organische Defekte oder Veränderungen der Eierstöcke und Eileiter, sowie des Gebärmutterhalses und der Gebärmutter den Kinderwunsch zumindest behindern oder gar verhindern. Auch Endometriose kann ursächlich für die unerwünschte Kinderlosigkeit sein.

Außerdem können hormonelle Störungen eine Schwangerschaft erschweren: Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) angibt, kann beispielsweise eine Überproduktion von männlichen Geschlechtshormonen zu einer Störung der Eierstöcke führen – im schlimmsten Falle bleibt der Eisprung dann aus.

Aber nicht nur Frauen können unfruchtbar sein: Laut der „Apotheken-Umschau“ liegt die Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch mit jeweils 30 bis 40 Prozent quasi gleich häufig bei Männern und Frauen.

Video: Stress macht unfruchtbar – Was wirklich stimmt

Bei Männern ist eine (bedingte) Unfruchtbarkeit meist auf ein sogenanntes eingeschränktes Spermiogramm zurückzuführen. Hier werden also nicht ausreichend intakte Samenzellen produziert. Dieses Phänomen kann auch durch andere Krankheiten oder einen ungesunden Lebensstil verschlimmert werden.

Nur in rund zehn bis 15 Prozent der Fälle können Mediziner keinen biologischen Grund für den unerfüllten Kinderwunsch finden. In diesem Fall spielen psychische Belastungen wie Stress tatsächlich eine Rolle. Ist mindestens einer der beiden Partner übermäßig gestresst – ob beruflich oder privat – kann das Auswirkungen auf den Kinderwunsch haben.

Aber: Stress alleine ist nach bisherigem Wissensstand nicht ausschlaggebend für Unfruchtbarkeit. Meist führt der Stress aber zu einem ungesunden Lebensstil: Es wird mehr geraucht und getrunken – häufig ernährt man sich in Stresssituationen auch ungesünder. Diese Kombination aus Stress und ungesundem Lebensstil kann dann durchaus eine negative Auswirkung auf den Kinderwunsch haben.

Neben Stress können auch Faktoren wie Alkohol- und Zigarettenkonsum, sowie Über- oder Untergewicht negative Auswirkungen auf den Kinderwunsch haben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht allerdings erst von Unfruchtbarkeit, wenn Paare trotz regelmäßigem und ungeschützten Geschlechtsverkehrs zur Zeit des Eisprungs innerhalb von einem Jahr noch nicht schwanger geworden sind.

Diese Statista-Grafik zeigt, welche berufliche Nachteile bereits Schwangere erfahren haben:

Aus Angst vor dem Karriere-Aus stellen viele Frauen außerdem den Kinderwunsch erst einmal hinten an. Dass diese Angst nicht ganz unberechtigt ist, zeigt auch die Statista-Grafik, bei der schwangere oder stillende Mitarbeiterinnen nach ihren Ängsten befragt wurden: 68 Prozent der befragten Teilnehmerinnen gaben an, dass sich ihre berufliche Weiterentwicklung durch die Schwangerschaft mindestens verzögert hat.

Die Fruchtbarkeit nimmt mit dem Alter allerdings kontinuierlich ab: Frauen sind mit 20 somit deutlich fruchtbarer als mit 35 oder später – und auch bei Männern nimmt die Fruchtbarkeit ab 40 Jahren langsam ab.

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