Osnabrück  Fußball-WM in Katar: Droht im TV ein Sommerloch im Advent?

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 24.08.2022 14:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Abendliche Serien wie „In aller Freundschaft“ sind während der WM im ARD-Programm höchstens als Wiederholung zu sehen. Foto: MDR
Abendliche Serien wie „In aller Freundschaft“ sind während der WM im ARD-Programm höchstens als Wiederholung zu sehen. Foto: MDR
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Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar hat Auswirkungen auf das TV-Programm. Droht den Zuschauern ein Sommerloch im Advent?

Große internationale Fußball-Turniere sind für Fernsehzuschauer, die es nicht so mit dem runden Leder haben, in der Regel eine entbehrungsreiche Zeit. ARD und ZDF übertragen im Wechsel Dutzende von Spielen mit umfangreicher Vor- und Nachberichterstattung, der jeweils andere Sender füllt in dieser Zeit sein Programm mit Wiederholungen. Was bislang gar nicht weiter auffiel, denn EM und WM fanden in den vergangenen Jahrzehnten immer im europäischen Sommer statt, wenn die Fernsehanstalten ohnehin in den Sparmodus schalten und mit Erstausstrahlungen geizen.

In diesem Jahr aber ist alles anders. Die Fußball-WM in Katar findet vom 20. November bis 18. Dezember statt - in einer Zeit also, in der das TV-Programm jede Menge neue Filme und zumeist ein gutes Dutzend Weihnachtsfilme bereithält. Die Kinos beklagen bereits, dass ihnen die Fußball-WM ausgerechnet ihre umsatzstärkste Jahreszeit verhageln könnte. Und wie sieht’s mit dem TV-Programm aus? Gibt es da ein Sommerloch in der Vorweihnachtszeit? Wir haben nachgefragt.

„Während der WM wird es, insbesondere in der direkten Konkurrenz zu Spielübertragungen, weniger Erstausstrahlungen geben”, räumt Burchard Röver als Pressechef der ARD-Programmdirektion auf Nachfrage unserer Redaktion ein. Deshalb pausieren ihm zufolge zwar die Serien im Abendprogramm, Premieren von Fernsehfilmen seien aber geplant. Die Serien im Vorabendprogramm würden auch während der WM mit Erstausstrahlungen fortgesetzt.

Zudem verwies Röver auf die Mediathek der ARD, die mittlerweile „regelmäßig eigene Programmhighlights“ anbiete: „Auch während der Fußball-WM werden dort spannende Dokumentationen und attraktive Serien an den Start gehen.”

Für das ZDF erklärte eine Sprecherin, man wolle „ein gewohnt attraktives Programmangebot in der sehstarken Jahreszeit und im Vorlauf zu den Feiertagen anbieten”. Daher strahle das ZDF in der Gruppenphase und während der Spiele ohne deutsche Beteiligung Erstsendungen aus. Dies gelte ebenso für die Reihen und Serien am Vorabend.

Ab dem Achtelfinale erfolgt die Spieleverteilung zwischen den Rechteinhabern kurzfristig. Aus diesem Grund sind dann auch im ZDF Wiederholungen geplant. In der Mediathek sei „ein attraktives und komplementäres Programm zur WM geplant” hieß es weiter. Hierzu zählen der Sprecherin zufolge im fiktionalen Bereich Serien wie „Alex Rider 2“ und „L’Opéra“ sowie Weihnachtsfilme und zahlreiche neue Dokumentationen.

Als „sehr überschaubar” bezeichnete Iris Bents als Sprecherin des NDR die Auswirkungen der Fußball–WM auf das Programm des NDR Fernsehens: So werden beispielsweise während der Übertragungen von Spielen der deutschen Mannschaft einzelne Erstsendungen durch Wiederholungen ersetzt.” Die Priorität sei jedoch, auch in der WM-Zeit aktuell zu berichten und den Zuschauerinnen und Zuschauern Verlässlichkeit zu bieten: Die regionalen Informationssendungen blieben ebenso im Programm wie das Gesamtangebot aus journalistischen, unterhaltsamen und nachrichtlichen Sendungen.

Beliebte NDR-Magazine wie „Markt“ und „Visite“ werden im Dezember während der Spiele der so genannten „K.o.-Runde“ (ab dem Achtelfinale) zum Teil durch Best-Of-Sendungen beziehungsweise Wiederholungen einzelner Ausgaben ersetzt, „um dem hohen Publikumsinteresse gerecht zu werden, aber mit Blick auf einen mittelschonenden Einsatz der Programmgelder etwas weniger Neu-Produktionen zu senden”.

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