Berlin  „Kolonialistisch“ und „rassistisch“: Ravensburger zieht Winnetou-Buch zurück

Kim Patrick von Harling
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Von Kim Patrick von Harling
| 22.08.2022 10:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Verbreiten der Film und die Bücher „Der junge Häuptling Winnetou“ rassistische Stereotype? Foto: imago images/Future Image
Verbreiten der Film und die Bücher „Der junge Häuptling Winnetou“ rassistische Stereotype? Foto: imago images/Future Image
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„Der junge Häuptling Winnetou“ - das Kinderbuch sollte den Kleinsten hierzulande eine Geschichte aus der Cowboy-Zeit erzählen. Doch Ravensburger zieht nun dieses Buch zurück, da die Kritik Überhand nahm. Das Buch würde Stereotype verbreiten und rassistisch sein.

Es ist eine Geschichte einer innigen Freundschaft, die Karl May seit jeher in den Büchern über Winnetou erzählt. Der Kinderbuchverlag Ravensburger hatte das Buch „Der junge Häuptling Winnetou“ veröffentlicht, hierzu passend läuft seit dem 11. August das Pendant in den Kinos. So oder so: Die Bücher werden nun zurückgezogen. Das Netz spielt verrückt und überhaupt den Verlag mit drastischen Vorwürfen. Die Geschichte sei „kolonialistisch“, „rassistisch“ und noch vieles mehr - Ravensburger reagiert verständnisvoll:

„Unsere Redakteur*innen beschäftigen sich intensiv mit Themen wie Diversität oder kultureller Aneignung. Die Kolleg*innen diskutieren die Folgen für das künftige Programm und überarbeiten Titel für Titel unser bestehendes Sortiment“, heißt es in einer Mitteilung von Ravensburger. Leider ist uns all das bei den Winnetou-Titeln nicht gelungen. „Die Entscheidung, die Titel zu veröffentlichen, würden wir heute nicht mehr so treffen.“ Man hätte zum damaligen Zeitpunkt einen Fehler gemacht.

Doch worum geht es genau? Im Netz wurde den Karl-May-Geschichten vorgeworfen, stereotypische Vorurteile zu schüren. Außerdem sei das Buch ein klassischer Fall unerwünschter „kultureller Aneignung“. Auch der gleichnamige Kinofilm ist aus diesen Gründen umstritten.

Wie die „Schwäbische Zeitung“ berichtet, hätte der Verlag rund 180 kritische Kommentare für die Buch-Werbung in den sozialen Netzwerken kassiert. „Romantisierung von Völkermord“ und „Was soll dieses Buch? Es reproduziert rassistische Stereotype, die ihren Ursprung im Kolonialismus haben“ sind nur zwei von etlichen Kritikpunkten.

Besonders brisant: Einige Jury-Mitglieder der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) hatten sich gegen die Verfilmung der Kindergeschichte ausgesprochen. In einer Pressemitteilung hatten sie deutliche Worte gefunden, sie sprechen von einer „Lüge, welche den Genozid an den Ureinwohnern Amerikas und das ihnen zugefügte Unrecht der Landnahme der weißen Siedler und der Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes vollkommen“ ausblende. Die Mehrheit der Jury jedoch widersprach und stufte den Film als „besonders wertvoll“ ein.

Zurück zum Buch: Hier scheiden sich im Netz die Geister. Neben der zahlreichen negativen Kritik zeigen sich einige User, die das Zurückziehen des Titels nicht nachvollziehen können. „Man fragt sich, wo unsere Generation alles Probleme nicht gesehen hat. Die Aufmerksamkeit heute - oder sollte ich lächerliche, kleinliche, pingelige, empfindliche Idiotie sagen - ist bemerkenswert. Ihr könnt euch gerne den Spaß an allen nehmen. Ohne mich. I stand with Winnetou/Indianer“, heißt es unter anderem auf Twitter. Sarkastische Kommentare finden sich ebenfalls. So warnen User Eltern, ihren Kindern Geschichten aus der eigenen Kindheit zu erzählen - „es könnte herauskommen, dass es rassistisch war.“

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