Auricher Bahnanschluss Enercon hält an Gemeinschaftsunternehmen EAE fest
Fertige Enercon-Produkte sind zu groß für Eisenbahnwaggons. Dennoch bleibt der Auricher Bahnanschluss aus zwei Gründen bestehen.
Aurich - Mit Schwertransporten statt mit der Bahn werden die neuen Gondeln für die Enercon-Windräder transportiert. Denn die Bauteile sind zu groß für das Schienennetz. Damit muss ausgerechnet das Unternehmen, das den Bahnanschluss Aurichs 2008 maßgeblich vorangetrieben hat, nun wieder auf Lastwagen zurückgreifen. Ist damit auch die Beteiligung von Enercon an der Eisenbahninfrastrukturgesellschaft Aurich-Emden (EAE) überflüssig geworden? Immerhin hält das Unternehmen 48 Prozent der Anteile. Weitere 51 Prozent liegen bei der Stadt Aurich, ein Prozent gehört dem Unternehmen Kerker.
Laut Firmensprecherin Linda Wehly transportiert Enercon nach wie vor Werkstoffe über die Schienen von Abelitz nach Sandhorst. Enercon sei bemüht, so viele Transporte wie möglich CO2-neutral abzuwickeln, sagt sie auf ON-Anfrage. Nur die fertigen Produkte, also die Gondeln, könnten wegen der Größe nicht transportiert werden.
Lademaßerweiterung hätte nichts genützt
Daran hätte auch die bis 2015 geplante, aber dann doch nicht umgesetzte Lademaßerweiterung nichts geändert. Damals wurden die Produkte von Enercon ebenfalls immer größer. Geplant war deswegen eine Erweiterung des Lademaßes bis zum Emder Hafen. Im Zuge dieser Erweiterung schien es seinerzeit sogar möglich, den Personenverkehr auf der Strecke zu reaktivieren. Es kam schließlich nicht zu der Erweiterung. Diese hätte laut Wehly beim Transport der Gondeln auch nicht geholfen, weil das angeschlossene Netz der Deutschen Bahn nicht über die erforderlichen Maße verfügen würde.
Eine Steigerung der Transportleistungen von Enercon über die Schiene sei dennoch möglich. Dafür allerdings müssten die Ankündigungen der Politik, den Markt in Deutschland wieder aufleben zu lassen, auch konkret umgesetzt werden. „Das ist aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar.“
Stadt Aurich hofft weiter auf Personenbeförderung
Dennoch werde Enercon weiterhin an seinem Anteil an der EAE festhalten, so Wehly. Das dürfte ganz im Sinne der Politik sein, die weiterhin versucht, den Personenverkehr wieder zu reaktivieren. Das bekräftigt Stadtsprecher Johann Stromann auf ON-Anfrage. Er verweist auch auf jüngste Aussagen von Bürgermeister Horst Feddermann. Dieser sieht die geplante Zentralklinik in Uthwerdum als Motor für einen möglichen Personenverkehr auf der Strecke Aurich–Abelitz. Helfen könnte auch die Neubewertung der Strecke unter den zusätzlichen Aspekten „Klimaschutz“ und „Belebung des ländlichen Raumes“, die bei der Reaktivierung seit einiger Zeit herangezogen werden sollen.
EAE-Geschäftsführer Jens Reinecke schwebte Mitte vorigen Jahres vor, den Logistik-Platz von Enercon in Sandhorst stärker als Umschlagplatz für Waren aller Art zu nutzen. Der Umschlag von Waren für andere Unternehmen könnte deutlich ausgebaut werden, so Reinecke damals im ON-Gespräch. Bier oder Autos, um nur zwei Beispiele zu nennen, könnten dort umgeschlagen und dann in Ostfriesland verteilt werden. Aurich liege zentral, das könnte gut funktionieren und die Straßen entlasten. Auch touristisch ließe sich vielleicht wieder etwas machen. In früheren Jahren seien Personensonderzüge nach Aurich gekommen. Seien es Fahrten mit einer Dampflok oder zum Tag der Niedersachsen 2011: Die Touren waren stets ausgebucht. Der Bahnsteig am Wagenweg existiert noch, auch die Bahnhofsuhr geht auf die Minute genau. Reinecke will deshalb auch mit den Touristikern des Verkehrsvereins Kontakt aufnehmen. „Sondergenehmigungen für solche Fahrten bekommen wir immer.“
Bislang jedoch konnten diese Pläne nicht umgesetzt werden. Die Gleise zwischen Aurich und Abelitz liegen daher den größten Teil der Zeit weiter im Dornröschenschlaf.
Enercons neue Gondel passt nicht auf die Schiene
Gleise gemietet, um sie nicht zu nutzen