Berlin  Dürre legt Hungersteine in Elbe und Rhein frei: Was hat es damit auf sich?

Svana Kühn
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Von Svana Kühn
| 16.08.2022 15:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Wie schon 2015 in Sachsen sind auch aktuell in verschiedenen Teilen Deutschlands wieder die Hungersteine zu sehen. Foto: dpa/Arno Burgi
Wie schon 2015 in Sachsen sind auch aktuell in verschiedenen Teilen Deutschlands wieder die Hungersteine zu sehen. Foto: dpa/Arno Burgi
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Hungersteine sind in Flussbetten nur bei großer und anhaltender Trockenheit zu sehen. Sie sind ein Warnsignal – das wir künftig wohl häufiger zu Gesicht bekommen werden.

Hitze und Trockenheit in Deutschland halten an. Brennende Wälder, vertrocknete Felder und Flüsse, die kaum noch Wasser führen: Die Folgen sind katastrophal – das wussten auch schon viele Generationen vor uns. Um uns zu warnen, haben sie sogenannte Hungersteine im Flussbett hinterlassen. „Wenn du mich siehst, dann weine“, lautet die Inschrift auf verschiedenen Felsen und Steinen, dessen Bilder gerade in den sozialen Medien unter dem Hashtag #Hungersteine die Runde machen.

Vor allem aufgrund des Niedrigwassers von Rhein und Elbe sind die Hungersteine in diesem Jahr vielerorts freigelegt worden. Für den Rhein meldeten die Verantwortlichen am Dienstag sogar einen historischen Tiefstand von null Zentimetern. Der bisherige historische Tiefstand hatte bei sieben Zentimetern Ende Oktober 2018 gelegen.

Schlechte Nachrichten für die Binnenschifffahrt, denn der Rhein ist eine der wichtigsten Verkehrsstraßen Deutschlands. Aber auch im freigelegten Flussbett der Elbe fanden Forschende Dutzende Hungersteine, die zuvor nicht bekannt waren, berichtet die „Sächsische Zeitung“.

Die Hungersteine sollen an die niedrigen Pegelstände früherer Jahre erinnern. Sie reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Ihr Name leitet sich daraus ab, dass auf die Dürre oft Hungersnöte folgten. Sie deuteten auf schlechte oder ausbleibende Ernten und viele Todesopfer hin.

Aufgrund der Globalisierung und des Imports von Nahrungsmitteln aus dem Ausland wird Deutschland 2022 wohl keine Hungersnot mehr drohen, aber dennoch sollten die Folgen der Trockenheit nicht unterschätzt werden: Bundesverkehrsminister Volker Wissing rechnet in der kommenden Woche mit leicht steigenden Pegelständen, warnt aber gleichzeitig davor, dass sich das Problem der niedrigen Wasserstände für die deutsche Binnenschifffahrt in Zukunft noch weiter verschärfen könnte. „Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass wir uns langfristig aufgrund des Klimawandels immer wieder auf extreme Niedrigwasser-Situationen einstellen müssen“, sagte er der „Rheinischen Post“ am Montag.

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