Hannover Wolf wandert ohne Scheu durch Hannover: Bei Begegnung nicht wegrennen
Der Wolf kehrt zurück nach Niedersachsen. Zuletzt wurde sogar einer in Hannover gesichtet. So verhalten Sie sich bei einer Begegnung richtig.
Aufregung in der Landeshauptstadt: Ein Wolfsrüde ist vorige Woche in der Nordstadt von Hannover gesehen worden. Geistesgegenwärtig zückte eine 22-Jährige ihr Handy und filmte das Tier bei seinem „Spaziergang“ durch Hannovers Norden. „Ich dachte erst an einen herrenlosen Hund“, sagte die Auszubildende, war sich aber später sicher: „Das konnte nur ein Wolf gewesen sein.“ War es auch. Über die Videoaufnahme konnte laut Umweltministerium ein vermutlich einjähriger Wolfsrüde bestätigt werden.
Da es zunächst keine weiteren Hinweise gab, ging das Ministerium davon aus, dass der Wolf das Stadtgebiet wieder verlassen hat. Aber denkste.
Nach dem Auftauchen des Nordstadt-Wolfes sind zwei weitere mögliche Sichtungen gemeldet worden. „Beide Sichtungen konnten noch nicht bestätigt werden“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums. Die Wolfsberater und die Landesjägerschaft suchen ihr zufolge nach Spuren. Die neuen Meldungen seien für den Stadtteil Stöcken und auch für Hannover-Mitte von verschiedenen Menschen unabhängig voneinander abgegeben worden. „Wir müssen warten, ob sich das Tier sich noch mal zeigt“, erklärte die Sprecherin von Umweltminister Olaf Lies (SPD).
Und was ist, wenn das Tier in Hannover wieder auftaucht oder Wölfe andernorts in Niedersachsen Menschen begegnen, wie es zuletzt immer wieder mal der Fall gewesen ist? Dazu heißt es vom Landesumweltministerium in Hannover: „Wenn Sie einem Wolf begegnen, bewahren Sie Ruhe. Beobachten Sie ihn und fotografieren ihn nach Möglichkeit. Sobald er Sie bemerkt, zieht er sich in der Regel zurück, Wölfe sind vorsichtige Tiere.“
Wolfswelpen allerdings seien neugierig und agierten oft weniger vorsichtig als erwachsene Tiere, „manchmal sogar dreist“, teilt das Ministerium mit und hat noch weitere Tipps parat: „Sollten Sie sich in der Anwesenheit eines Wolfs unwohl fühlen, machen Sie sich bemerkbar durch Reden, Rufen und/oder Klatschen in die Hände. Zeigen Sie dem Wolf durch beherztes Auftreten, dass Sie die Situation unter Kontrolle haben. Entfernen Sie sich dabei langsam und ruhig, immer mit dem Gesicht zum Wolf. Laufen Sie nicht weg, denn das kann Verfolgung auslösen. Sollte sich Ihnen der Wolf dennoch nähern, gehen Sie mit Bestimmtheit auf ihn zu und werfen Sie mit Steinen oder Stöcken nach ihm.“
Auch der Einsatz von Pfefferspray sei zur Abwehr „sehr wirksam“. Anschließend sei es wichtig, den Vorfall so schnell wie möglich der Polizei, dem nächsten Wolfsberater oder direkt der Landesjägerschaft Niedersachsen unter Telefon (0511) 530430 zu melden.
In Niedersachsen leben laut Ministerium 39 Wolfsrudel und vier residente - also in einem abgrenzbaren Territorium nachgewiesene - Einzelwölfe, das entspreche etwa 350 Wölfen. Die Jährlinge verlassen in der Regel ihr Rudel und suchen sich eigene Territorien. Über das mögliche Töten der Tiere wurde zuletzt immer wieder heftig gestritten. Rechtlich sei der Abschuss von Wölfen durch das Bundesnaturschutzgesetz extrem eingeschränkt, hieß es vom Ministerium, das für den Wolf in Hannover momentan prüfen lässt, ob eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für einen möglichen Abschuss des Tieres erteilt werden kann.
Dafür hagelte es bereits deutliche Kritik vom Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen. Nabu-Geschäftsführerin Monika Maintz sprach von einer „völlig übertriebenen Reaktion“. Umweltminister Lies vermittele den Eindruck, der Wolf habe sich aggressiv gegenüber Menschen gezeigt. Dabei handelt es sich nach Ansicht des Nabu „wohl eher um ein junges Tier, das sich auf der Suche nach einem eigenen Revier verlaufen hat“.
Für Minister Lies indes steht nach Angaben seiner Sprecherin fest: „Der Wolf hat in der Stadt nichts zu suchen.“ Den vom Nabu erhobenen Vorwurf der „Panikmache“ wies das Umweltministerium ausdrücklich zurück. Oberste Priorität habe nun einmal die Sicherheit der Menschen.