Borkum  Vom Koch zum Luxus-Hotelier auf Borkum: Ein Besuch beim Chef des Vierjahreszeiten

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 14.08.2022 12:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Zvonko Jurinjak: Als geschäftsführender Hoteldirektor leitet der 52-Jährige die beiden Vierjahreszeiten-Hotels auf Borkum. Foto: Corinna Clara Röttker
Zvonko Jurinjak: Als geschäftsführender Hoteldirektor leitet der 52-Jährige die beiden Vierjahreszeiten-Hotels auf Borkum. Foto: Corinna Clara Röttker
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Zvonko Jurinjak startete seine Karriere als einfacher Koch. Nach mehreren Berufsstationen leitet er heute als geschäftsführender Hoteldirektor die beiden Vier-Sterne-Hotels Vierjahreszeiten auf Borkum. Wie er das geschafft hat.

Zvonko Jurinjak zu treffen, ist gar nicht mal so einfach. Als geschäftsführender Hoteldirektor der beiden Vier-Sterne-Häuser Insel- und Strandhotel Vierjahreszeiten auf Borkum, die beide zur Unternehmensgruppe AG Ems gehören, ist der 52-Jährige ein beschäftigter Mann. 90 Angestellte sowie 128 Zimmer und 250 Betten liegen in seiner Verantwortung. Im letzten Jahr wurde zudem die Villa Düne neu eröffnet - 18 Premium-Suiten und weitere 45 Betten, die dem Inselhotel angeschlossen wurden, gilt es seither zusätzlich mitzumanagen. „Es gibt immer was zu tun“, sagt Jurinjak, „ob besondere Anliegen oder Beschwerden der Gäste, unerwartete Reparaturen, Baumaßnahmen, die begleitet werden müssen oder die tägliche Absprache mit den Mitarbeitern. Das alles ist auch Chefsache.”

50 bis 60 Stunden arbeitet Jurinjak die Woche, meistens auch am Wochenende. Unterstützung erhält er dabei von seiner Assistentin. „Wir tauschen uns permanent aus, anders wäre die Arbeit wohl nicht zu schaffen“, sagt er. Es sei nun mal kein Nine-to-five-Job.

Sein Arbeitstag beginnt zwischen 8 und 8:30 Uhr. Jurinjak geht dann durch die drei Häuser und erkundigt sich in den Abteilungen nach den jüngsten Vorkommnissen, trifft Mitarbeiter, bespricht Aktuelles. Dazwischen hat er zwei bis drei Meetings täglich, sitzt am Schreibtisch, führt Telefonate und macht „Büroarbeit“, wie er sagt. Das allerdings vor allem in der Nebensaison. „Wenn es voll ist, bleiben weniger dringende Sachen auch schon mal unerledigt im Büro liegen. Denn wir sind Dienstleister. Auch als Hoteldirektor muss ich immer nah an den Gästen sein. Wäre ich viel im Büro, wüsste ich nicht, was vorne abläuft.“

Jurinjak ist gelernter Koch. Bis zum Hoteldirektor war es für ihn ein entsprechend langer Weg. Wie hat er das geschafft? „Mit viel Ehrgeiz, Fleiß und Authentizität“, sagt er, „und ich habe meine Ziele nie aus den Augen verloren.“

Dabei wurde ihm das Hotellerie-Gen von seinen Eltern in die Wiege gelegt. Geboren in Kroatien und aufgewachsen im bayerischen Regensburg, half Jurinjak bereits im Kindesalter im elterlichen Hotelbetrieb mit eigenem Restaurant mit. „Ich bin damit aufgewachsen und habe so früh ein Verantwortungsgefühl und den Dienstleistungsgedanken entwickelt“, sagt er. Schnell stand für den jungen Jurinjak fest, dass er beruflich ebenfalls in die Gastronomie will - und machte eine Ausbildung zum Koch. „Mir hat das Kochen einfach Spaß gemacht“, sagt er. In Winterberg in einem kleinen familiengeführten Drei-Sterne-Hotel mit 60 Zimmern lernte der damals 17-Jährige die französische sowie internationale Küche kennen.

Doch Jurinjak wollte mehr - mehr wissen, mehr können, alle Facetten der Hotellerie von der Pike auf beherrschen. Also machte er nach seiner Kochausbildung eine zweite Ausbildung zum Hotelfachmann. Es folgten Stationen als Koch im Kölner Hyatt Hotel sowie am Tegernsee, ehe Jurinjak an der Hotelfachschule Altötting die Weiterbildung zum staatlich geprüften Hotelbetriebswirt machte. „Ich wusste damals, ich wollte bis ganz nach oben in eine leitende Management-Funktion und in dieser inhaltlich gefestigt sein“, begründet er seinen Werdegang.

Mit 27 Jahren hatte Jurinjak dies erreicht: Über einen Headhunter wurde er Direktionsassistent in einem Vier-Sterne-Hotel nahe Weimar, nach einem Jahr folgte die Beförderung zum stellvertretenden Direktor. „Dort habe ich gelernt, was es heißt, ein Hotel zu führen und welche Herausforderungen dies mit sich bringt”, sagt Jurinjak.

2005 bekam er das erste Angebot aus Borkum. Der Vorstandsvorsitzende der AG Ems wollte ihn für die beiden Vierjahreszeiten-Häuser als Hoteldirektor. „Das war damals eine tolle Herausforderung“, sagt er. „Ferienhotellerie auf einer norddeutschen Insel mit zwei individuell ganz unterschiedlichen Hotels - der Job hatte mich gereizt.“

Jurinjak zog nach Borkum und lernte dort seine Frau kennen, die ebenfalls in der Hotellerie tätig ist. Doch nach 4,5 Jahren hatte er vorerst von Borkum genug - der Inselkoller machte sich breit, wie er sagt. Jurinjak und seine Frau verließen die Insel, machten sich in der Nähe von Leverkusen mit einem Businesshotel selbstständig, bekamen eine Tochter - ehe es sie wieder zurück nach Borkum zog. Denn Jurinjak bekam erneut ein Angebot für die Vierjahreszeiten-Hotels. Das war 2019. „Die Auszeit von Borkum war richtig, genauso schön war es dann aber wieder in die vertraute Umgebung zurückzukehren.“

Beruflich lockte ihn vor allem die Aussicht, dass er die Erweiterung der beiden Hotels um die Villa Düne begleiten konnte, dessen Bau und ursprünglich geplante Eröffnung dann von der Corona-Pandemie durchkreuzt wurde - für Jurinjak zusammen mit dem Fachkräftemangel die bislang größte Herausforderung seiner Karriere. „Von heute auf morgen mussten wir alles zu machen und keiner wusste, wann und wie es weitergeht. Das war schon hart.“

Viele Mitarbeiter seien in dieser Zeit abgesprungen und haben sich neue Jobs außerhalb der Hotellerie gesucht. Schon vor der Pandemie sei es schwierig gewesen, gute Mitarbeiter zu finden. Nach der Pandemie habe sich das Problem nochmal exorbitant verschärft, so Jurinjak. „Das bringt einem schon die ein oder andere schlaflose Nacht.“ Jurinjak blickt dennoch optimistisch in die Zukunft. Jammern helfe ja nichts, sagt er.

Um neues Personal zu gewinnen, rekrutiert Jurinjak mittlerweile auch branchenfremde Mitarbeiter, stellt ihnen möblierte Wohnungen kostenfrei zur Verfügung, bietet ermäßigte Tickets für E-Bikes und Fähren sowie Deutschkurse für ausländische Mitarbeiter. „Der Mitarbeitermarkt ist hart umkämpft, da muss man sich etwas einfallen lassen“, sagt er. Denn eine Entspannung der Situation sei vorerst nicht in Sicht. Als Hoteldirektor verspüre man da durchaus einen gewissen Druck, so Jurinjak. Gute Mitarbeiter seien schließlich die Seele des Hauses, „und der Hoteldirektor trägt die Sorge dafür, dass man ein tolles Produkt hat, das Haus voll ist und die Gäste zufrieden sind.“

Doch selbst in schwierigen Zeiten wie diesen mag Jurinjak seinen Job sehr, wie er sagt. „Es ist sehr abwechslungsreich, kein Tag gleich dem anderen und man weiß nie, was kommt.“ Dabei sei es das Wichtigste, die Mitarbeiter tagtäglich zu Höchstleistungen zu motivieren. Zwischendurch aber braucht auch Jurinjak mal eine Auszeit. Um den Kopf freizubekommen, fährt er abends gerne mit dem Fahrrad um die Insel oder springt im Sommer ins Meer. „Das tut schon ganz gut.“

Fragt man ihn, ob er sich heute wieder für den gleichen beruflichen Weg entscheiden würde, kommt ein promptes „Absolut“. Und nach einer kurzen Pause: „Auch wenn das Privatleben manchmal hinten anstehen muss.“

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