Busverbindungen in Aurich  VEJ sieht Handlungsbedarf auf mehreren Seiten

Neelke Harms
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Von Neelke Harms
| 12.08.2022 15:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vor allem zur Mittagszeit ist der Auricher ZOB gut gefüllt. Foto: Neelke Harms
Vor allem zur Mittagszeit ist der Auricher ZOB gut gefüllt. Foto: Neelke Harms
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Sonja Brandt vom Verkehrsverbund Ems-Jade in Aurich sieht vor allem ein Problem, an dem jeder etwas ändern kann, damit die Busse in Aurich regelmäßiger fahren.

Aurich – Dass es im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Aurich noch einiges zu tun gibt, ist für die Leiterin der Geschäftsstelle des Verkehrsverbunds Ems-Jade in Aurich, Sonja Brandt, klar. „Die Bürger sprechen mir aus der Seele“, sagt sie im Gespräch mit den ON. Doch damit sich etwas verändern könne, seien auch die Auricher selbst gefragt.

Etliche kluge Köpfe seien dauerhaft mit der Optimierung des Liniennetzes in und um Aurich beschäftigt. „Die Verkehrsregion hat all diese Dinge auf dem Schirm“, sagt Sonja Brand. Die Kostenfrage liege jedoch beim Land. Und wenn nicht mehr Leute auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, könne sich auch nichts ändern. „Da beißt sich die Katze selbst in den Schwanz“, sagt sie.

Sonja Brandt leitet die Geschäftsstelle des Verkehrsverbunds Ems-Jade in Aurich. Foto: Neelke Harms
Sonja Brandt leitet die Geschäftsstelle des Verkehrsverbunds Ems-Jade in Aurich. Foto: Neelke Harms

Ein großes Gebiet wird abgedeckt

Die VEJ-Leiterin glaubt, dass das Bild der Busverbindungen in und um Aurich deutlich schlechter ist, als sie tatsächlich sind. „Was wir hier schon in der Lage sind zu leisten, hat auch Anerkennung verdient“, sagt Sonja Brandt. Es müsse bedacht werden, wie groß das Gebiet des VEJ ist. Laut Internetseite des Verkehrsverbunds gibt es im gesamten Gebiet derzeit rund 4500 Haltestellen. Knapp 19 Millionen Kilometer legen über 760 Fahrer mit rund 450 Bussen demnach jährlich zurück.

Eine regelmäßige Taktung auf jeder Linie sei nicht möglich – vor allem nicht, wenn sie nur wenig genutzt würden, sagt Sonja Brandt. Zum Beispiel zwischen Leer und Aurich sowie Emden und Aurich fährt stündlich ein Bus. Denn die Strecke ist vor allem für Pendler wichtig. Erst vor kurzem wurde die Linie 470 (Wiesmoor-Remels-Augustfehn) testweise erweitert. Seit Mitte Juli haben Bahnreisende nun sieben Tage die Woche die Möglichkeit, sich in 30 Minuten auch zum Bahnhof Augustfehn fahrenzulassen. Die Abfahrtzeiten alle zwei Stunden orientieren sich dabei an der Taktung der Bahnverbindungen nach Oldenburg und Leer.

VEJ will umfassender informieren

So eine Erweiterung sei, wenn die Verbindung ausreichend genutzt wird, theoretisch auch auf anderen Linien möglich, sagt Sonja Brandt. Die Bereitschaft und der Wille, bessere Taktungen zu ermöglichen, sei auf allen Seiten da. Dafür braucht es jedoch vor allem Kommunikation. „Die Fahrgäste dürfen auch gern meckern“, sagt sie. Vereinzelte Rückmeldungen würde der VEJ schon bekommen. Sonja Brandt fällt dabei vor allem auf: Es müsse einfacher und übersichtlicher werden, sich über die Busverbindungen in Ostfriesland zu informieren.

Der VEJ sieht auch sich selbst in der Pflicht – die ausgedruckten Fahrpläne an den Haltestellen würden nicht ausreichen, der Platz müsse besser genutzt werden, sagt Sonja Brandt. Noch in diesem Jahr soll dort etwas passieren. Zum Beispiel soll an den Haltestellen auf die „FahrPlaner“-App verwiesen werden. Der große Vorteil sei, dass man mit dem digitalen Angebot immer aktuell informiert sei – egal ob über Verspätung, Baustellen oder geänderte Abfahrtzeiten. Außerdem habe man mit der App einen wesentlich besseren Überblick über das Liniennetz. Auch wenn der Bus nicht immer direkt vor der Haustür fährt – eine Haltestelle weiter kann es schon ganz anders aussehen.

Mit der Fahrplaner-App kann man sich im Auricher Busliniennetz einen Überblick verschaffen. Foto: Neelke Harms
Mit der Fahrplaner-App kann man sich im Auricher Busliniennetz einen Überblick verschaffen. Foto: Neelke Harms

Verzicht auf das Auto bleibt schwer

Um beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs mitzuhelfen, müsse man bereit sein, seinen Alltag anzupassen, sagt die VEJ-Leiterin. Dass man mit den Bussen im VEJ-Gebiet nicht so flexibel ist, wie mit dem eigenen Auto, ist ihr bewusst. Sie selbst ist, seitdem sie die Stelle in Aurich vor einigen Monaten antrat, nur noch mit dem Bus unterwegs. Das erfordere zwar etwas Planung, sie komme jedoch überall pünktlich an, sagt sie. Den ostfriesischen Nahverkehr dürfe man nicht mit Straßenbahnen in Großstädten vergleichen. Das sei jedoch auch in ländlichen Regionen Thüringens oder Mecklenburg-Vorpommerns nicht anders als in Aurich. Eine Familie, die auf einem ostfriesischen Dorf wohnt, könne nun mal nicht auf das Auto verzichten – und das sei, auch wenn es an vielen Stellen Verbesserungen geben würde, auch in den kommenden Jahren nicht zu erwarten.

Trotzdem blickt Sonja Brandt optimistisch in die Zukunft: Die hohe Nachfrage nach dem Neun-Euro-Ticket in Aurich habe gezeigt, dass einige Leute den öffentlichen Nahverkehr zumindest ausprobiert haben. In fünf bis zehn Jahren werde man in Aurich schon auf eine andere Situation blicken können. „Ich bin mir ganz sicher, dass der ÖPNV die Zukunft Ostfrieslands ist“, sagt die VEJ-Leiterin.

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