Landwirte und die Agrarreform Pokern um die Förderung
Auricher Landwirte warten auf die Agrarreform der EU. Für sie hängen von den Vorgaben Fördergelder ab. Einige Auflagen sind aber noch unklar.
Aurich - Warm und trocken – genau das richtige Wetter für Landwirte. Derzeit ist die Getreideernte im vollen Gange, wie die Sprecherin des Landwirtschaftlichen Hauptvereins Ostfriesland, Maren Ziegler, bestätigt. Die Wintergerste sei bereits geerntet, mit den Erträgen und der Qualität seien die Landwirte zufrieden. Nach der Ernte beginnt für sie die Vorbereitung der Felder auf die nächste Aussaat. Jedoch hängen die Landwirte dabei noch in der Luft.
Bisher sei nicht klar, welche Anforderungen die EU-Agrarreform, die ab 2023 gelten soll, beinhalten werde, sagte Ziegler. Die Landwirte müssten diese erfüllen, um Fördergelder zu erhalten. Ein paar Eckpunkte seien zwar bekannt, bei vielen anderen gebe es aber noch keine Klarheit oder die Punkte seien ausgesetzt worden, weil die Umsetzung für die Landwirte zu kurzfristig gewesen wäre. So sei ursprünglich ein Fruchtartenwechsel als Bedingung für Fördermittel vorgesehen gewesen. Dieser Punkt sei aber erst einmal ausgesetzt, sagte Ziegler.
Richtige Menge zur richtigen Zeit
Die Landwirte müssten eigentlich bereits mit der Vorbereitung der Felder beginnen. Ziegler geht davon aus, dass es noch ein paar Wochen dauern könnte, bis die Reform spruchreif ist. Für die Landwirte bedeutet die Kurzfristigkeit, dass sie eventuell nicht alle Anforderungen werden erfüllen können. Sie müssen mehr oder weniger Pokern, ob ihre Art des Anbaus förderfähig ist.
Die Landwirte müssen mit der Unsicherheit umgehen – und das in einer Zeit, in der sie sowieso um ihre Ernten fürchten müssen. In den vergangenen Jahren hätten sich Wetterextreme gehäuft, sagt Ziegler. Die Niederschlagsmenge habe sich über das Jahr gesehen zwar kaum verändert. Jedoch gebe es nun innerhalb kurzer Zeit sehr viel Niederschlag und dann über lange Perioden zu wenig. „Die Pflanzen brauchen aber die richtige Menge Wasser zur richtigen Zeit“, so Ziegler.
Zu nass und zu trocken
Auch in diesem Jahr war der Februar ungewöhnlich nass. Wenn Felder länger unter Wasser stehen, laufen die Pflanzen Gefahr, geradezu zu ertrinken, sagt Ziegler. Wenn das Wasser abgeflossen ist, müssen sie sich erst wieder erholen. In dieser Zeit sind sie anfälliger für Umwelteinflüsse. Am Ende könnte die Ernte der Landwirte geringer ausfallen oder eine schlechtere Qualität haben.
Neben zu nass ist auch zu trocken ein Problem. Aktuell freuen sich vor allem jene, die Getreide angebaut haben, sagt Ziegler. Denn für die Ernte sei Wärme und Trockenheit perfekt. Jedoch stehe man derzeit an der Grenze von zu trocken. Darunter könne zum Beispiel Mais leiden. Beim Anbau von Körnermais habe das negative Auswirkungen auf die Erträge. Für die Maissilage, die hier vorrangig angebaut werde und unter anderem als Viehfutter diene, sei das weniger schlimm. Hierbei werde die komplette Pflanze verwertet, sagt Ziegler.
Bei den Landwirten gibt es laut Ziegler bereits Überlegungen, wie man den Auswirkungen des Klimawandels begegnen kann. So arbeite man stetig an neuen Züchtungen, die besser an die Gegebenheiten angepasst seien und höhere Erträge erzielten. Allerdings stehe das für viele Landwirte aktuell nicht auf Platz eins in der Prioritätenliste. Er werde von dem bangen Warten auf die Agrarrefom gehalten, so Ziegler.