Pupssteuer für Kühe?  Auricher Landwirt von Idee des Umweltbundesamts entsetzt

Franziska Otto
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Von Franziska Otto
| 10.08.2022 17:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zwei Kühe stehen auf einer Weide. Foto: DPA
Zwei Kühe stehen auf einer Weide. Foto: DPA
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Der Präsident des Bundesumweltministeriums hat die Idee einer Klimasteuer für Kühe aufgeworfen. Bei dem Vorsitzenden von „Land schafft Verbindung“ stößt das auf Fassungslosigkeit.

Aurich - Müssen Landwirte künftig für die Abgase ihrer Kühe zahlen? Diese Frage hat der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, im Interview des Youtube-Formats „Jung und Naiv“ aufgeworfen – wenn gleich er betonte, dass er das im Moment nicht offiziell fordere. Beim Auricher Vorsitzenden des Vereins Land schafft Verbindung, Udo Haßbargen, stößt das auf Fassungslosigkeit.

Udo Haßbargen ist der Vorsitzende des Vereins Land schafft Verbindung. Er betreibt einen Milchviehbetrieb in Aurich. Foto: Franziska Otto
Udo Haßbargen ist der Vorsitzende des Vereins Land schafft Verbindung. Er betreibt einen Milchviehbetrieb in Aurich. Foto: Franziska Otto

„Man muss sich einmal vor Augen halten, was kommt ins Tier rein und was hinten raus“, sagte Haßbargen. Schließlich müsse man für das Futter der Tiere nicht wie bei der Erdölförderung viele Meter tief buddeln. Der Schaden für die Natur halte sich damit in Grenzen.

Doppelte Belastung

Eine Klimasteuer auf Kühe wäre zudem eine doppelte Belastung für die Landwirte, sagt Haßbargen, der in Aurich selbst einen Milchviehbetrieb führt. Sie müssten bereits eine Vielzahl an Auflagen zum Schutz der Umwelt einhalten, zum Beispiel beim Einsatz vom Dünger. Auch im Bereich des Tierwohls gebe es immer wieder Neuerungen, die teure Umbauten der Ställe nötig machten.

Gerade kleine Betriebe mit etwa 100 Tieren könnten unter einer solchen Klimasteuer leiden, sagt Haßbargen. Je nach Höhe des Betrages sei es für sie eventuell nicht mehr rentabel, die Tiere zu halten. Wenn sie sich dann nicht vergrößerten, um effizienter zu wirtschaften, könne das für viele das Aus bedeuten.

Kühe stehen in einem Stall. Foto: DPA
Kühe stehen in einem Stall. Foto: DPA

Nah an den Tieren

Bei seinem Hof in Aurich betreibt Haßbargen auch einen Hofladen. Immer wieder kämen Kunden auf ihn zu und sagten ihm, wie schön sie es finden, dass man auch einen Blick in den Stall zu den Tieren werfen könne, sagt er. Etwas, dass nur kleine und familiäre Betriebe, wie es von ihnen noch viele in Ostfriesland gibt, bieten könnten.

Immer wieder steht die Landwirtschaft wegen des Klimas in der Diskussion. Zuletzt habe es eine Debatte darum gegeben, dass man Kuhställe, ähnlich wie Schweineställe, abdichten und die Luft filtern solle, sagt Haßbargen. Dabei brauchten die Tiere gerade das Licht und würden den Wind genießen. „Wenn man sie in die Ställe einpfercht, hat das auch nichts mehr mit dem zu tun, was die Bevölkerung will“, sagt Haßbargen.

„Jetzt spinnen sie ganz“

Der Landwirt ist genervt. Als er zuerst von der Idee einer Klimasteuer hörte, habe er gedacht: „Jetzt spinnen sie ganz.“ Solche Beiträge kämen zudem von jenen, die selbst wenig mit der Landwirtschaft zu tun haben, sagt Haßbargen. „Es mischen sich Leute ein, die nicht wissen, wie sich der Euter einer Kuh anfühlt.“

Der Verein Land schafft Verbindung setzt sich unter anderem für mehr Akzeptanz und Wertschätzung für die Arbeit der Landwirte ein. Das erhofft sich auch Haßbargen. Immerhin sorgten sie dafür, dass ausreichend Nahrung für alle zur Verfügung stehe.

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