Berlin  Bei ARD und ZDF sitzt die Dekadenz in der ersten Reihe

Michael Clasen
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Von Michael Clasen
| 08.08.2022 16:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bild aus glücklicheren Tagen: Patricia Schlesinger bei einer Premiere. Foto: IMAGO/Ralf Müller
Bild aus glücklicheren Tagen: Patricia Schlesinger bei einer Premiere. Foto: IMAGO/Ralf Müller
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Ex-ARD-Chefin Patricia Schlesinger muss jetzt auch ihren Posten als Intendantin des RBB räumen. Damit ist der Skandal für ARD und ZDF aber nicht ausgestanden. Denn der Fall steht symptomatisch für einen völlig aufgeblähten öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Patricia Schlesinger sieht sich offensichtlich selbst als Opfer einer Schmutzkampagne, aber das ist nicht das Geschmackloseste an dieser Affäre. Bitter ist auch, dass die Ex-ARD-Chefin nicht die Größe besitzt, dem Gebührenzahler zu erklären, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk tatsächlich unter einem verantwortungsvollen Umgang mit den Gebührengeldern versteht.

Denn die Liste der Vorwürfe gegen die ARD-Top-Journalistin liest sich wie der Inbegriff von Dekadenz. Von einer Luxus-Sanierung des Büros mit Kosten in astronomischer Höhe ist die Rede, von satten Bonus-Zahlungen, Abendessen, Chauffeuren und der Vergabe von lukrativen Aufträgen in bester Filzmanier: Möglich, dass dieses Intendantenleben in Saus und Braus legal gewesen ist. Doch so ausschweifend und verschwenderisch dürfen ARD und ZDF nicht mit den Einnahmen aus den Zwangsgebühren umgehen. Patricia Schlesinger hat ganz offensichtlich Maß und Mitte verloren. Und der Verdacht liegt nahe, dass sie damit nicht allein ist.

Denn die Selbstbedienungsmentalität dürfte durch das System aus Zwangsgebühren und Rundfunkräten befördert werden. Deshalb wäre es längst an der Zeit, einen der teuersten öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Welt mit seinen zahllosen Rundfunkanstalten auf ein sinnvolles Niveau zusammenzukürzen und die Zwangsgebühren abzuschaffen.

Großbritannien und Frankreich machen dazu Schritte in die richtige Richtung. Zumal die Sendeanstalten im digitalen Zeitalter im Vergleich zu Streamingdienste wie von Netflix oder Apple TV eine immer geringere Rolle spielen.

Das Geschmackloseste an dem Fall Patricia Schlesinger ist jedoch die Doppelmoral. Vor den Kameras geben sich ARD und ZDF oft als moralisierende Volkspädagogen, die die Welt mit Gender-Sternchen beglücken wollen.

Dagegen zeugen Luxus-Dienstwagen, Massagesessel und Vier-Gänge-Menüs der Ex-ARD-Chefin von einer Wirklichkeit hinter den Kameras, die angesichts von Rekordinflation, Ukraine-Krieg und Gas-Krise abgehobener kaum sein könnte.

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