Osnabrück Automatensprenger-Prozess beginnt in Osnabrück ohne den dritten Angeklagten
Unter großem Medieninteresse hat am Mittwoch am Landgericht Osnabrück der Prozess gegen zwei Niederländer begonnen, die an der Sprengung von sechs Geldautomaten beteiligt gewesen sein sollen. Der dritte Angeklagte erschien nicht.
Wegen vorsätzlichen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit Diebstahl müssen sich der 36-jährige Tarik B. und der 29-jährige Nasr A. seit heute vor der 12. Großen Strafkammer des Landgerichts verantworten. Angeklagt ist auch der 28-jährige Oussama A., der allerdings fehlte beim Auftakt der Hauptverhandlung. „Er hat offenbar psychische Probleme, lebt im betreuten Wohnen und ist möglicherweise verhandlungsunfähig“, sagte der Vorsitzende Richter Matthias Kemme. Nach einer Stellungnahme der Anwälte wurde das Verfahren gegen Oussama A. abgetrennt.
Laut Anklage waren die Männer aus den Niederlanden zwischen Februar und November 2020 an insgesamt sechs Sprengungen von Geldautomaten beteiligt. Vorbereitet wurden die Taten in den Niederlanden, durchgeführt in mehreren deutschen Städten, unter anderem in Schüttorf, das zum Landgerichtsbezirk Osnabrück gehört. Weitere Tatorte waren Düsseldorf, Elmshorn und Plochingen (Baden-Württemberg).
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Nach Meinung der Staatsanwaltschaft gingen die Täter dabei „konspirativ und arbeitsteilig“ vor. Tarik B., über den es in den Niederlanden heißt, er sei ein „dicker Fisch“, war dabei offenbar für die Beschaffung der Fahrzeuge zuständig. Der 36-Jährige, der bereits vor drei Jahren vom Landgericht Hagen wegen Automaten-Sprengungen verurteilt worden war, habe vor jeder Tat bei einem Mietwagenunternehmen ein Auto besorgt und es dann zum Mitangeklagten Nasr A. geschafft.
Der 29-Jährige habe die Autos dann für die Banküberfälle präpariert. Er besorgte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft den Sprengstoff und den Zünder, der entweder ein Taser – also eine Elektroschockpistole – oder eine Taschenlampe gewesen sei. Andere niederländische Täter seien dann mit dem präparierten Wagen nach Deutschland zu Banken gefahren, hätten dort mit einer Schweißlanze ein Gasgemisch aus Sauerstoff und Acetylen in die Geldautomaten geleitet und zur Explosion gebracht. In mehreren Fällen erbeuteten die Täter mehr als 100.000 Euro, dabei hinterließen sie erheblichen Sachschaden an den Gebäuden.
Nach der Verlesung der Anklage wandte sich der Vorsitzende Matthias Kemme an die beiden Niederländer mit der üblichen Frage, ob sie sich zu den Tatvorwürfen einlassen wollen. Der Osnabrücker Strafverteidiger Joë Thérond sagte, dass er für seinen Mandanten Tarik B. in der kommenden Sitzung eine Verteidiger-Erklärung abgeben werde. Rückfragen würden allerdings nicht beantwortet. Der Aachener Rechtsanwalt Christoph Pawlowski sagte, dass sich sein Mandant Nasr A. nicht zu den Vorwürfen einlassen werde.
Die nächste Sitzung ist am 9. August, das Gericht wird dann die ersten Zeugen befragen.