Ministerpräsident in Ostfriesland „Der nächste Winter könnte unangenehm werden“
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) stellte sich in Ihrhove den Fragen von besorgten Bürgern. Der Sozialdemokrat ging auch auf Putins Spiel mit dem Gas ein.
Ihrhove - Die Corona-Pandemie, die Energiekrise, die Straßenausbaubeiträge, der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im ländlichen Raum und der von Russland gegen die Ukraine geführte Angriffskrieg: Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ging am frühen Montagabend während des Stadiongesprächs im Tribünenbereich von Concordia Ihrhove auf alle Fragen ein, die die Besucher der öffentlichen Veranstaltung zuvor auf Bierdeckeln geschrieben hatten.
Beim Thema Energieversorgung sieht Weil, der gleichzeitig auch SPD-Landesvorsitzender ist, mittelfristig keine so großen Probleme, schließlich verabschiede man sich aus der Abhängigkeit von Russland. „Aber der nächste und eventuell auch der übernächste Winter, die werden, wenn Putin seine Spielchen beim Gas so weitertreibt“, nicht angenehm“, sagte der Ministerpräsident vor rund 150 Besuchern.
Den Bürgern werde einiges abverlangt
„Deshalb müssen wir alle unseren Beitrag leisten und unbedingt Energie einsparen.“ Und niemand dürfe sagen, „wir, das sind die anderen. Wir heißt tatsächlich wir“, sagte der Sozialdemokrat. In diesem Zusammenhang wollte ein Gast wissen, ob die Sanktionen gegen Russland überhaupt Wirkung zeigen würden. „Ja, die Sanktionen bringen auf jeden Fall etwas“, sagte der SPD-Politiker. „Es sind riesige Vermögen eingefroren worden. Die Handlungsfähigkeit von Russland ist eingeschränkt“, erläuterte der Ministerpräsident.
Die Lieferstopps beispielsweise würden sich über kurz oder lang bei der russischen Flugzeugindustrie bemerkbar machen. „Es werden Teile benötigt, die nicht mehr geliefert werden. Russland wird irgendwann den Flugverkehr einschränken müssen“, nannte Weil ein Beispiel. Der Ministerpräsident ging dann erneut auf das Thema Gas ein. „Wenn wir diese Bewährungsprobe mit Putin überstanden haben, dann sind wir unabhängig von Russland.“ Er machte deutlich, dass den Bürgern einiges abverlangt werde. „Aber Putin ist dafür verantwortlich, dass täglich Menschen ermordet werden. Da können wir nicht einfach sagen, das ist nicht unsere Baustelle“, führte der SPD-Landesvorsitzende aus.