Osnabrück  Diese Blumenzwiebeln müssen im August in die Erde

Julia Kuhlmann
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Von Julia Kuhlmann
| 01.08.2022 16:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Wer Zwiebeln von Herbstkrokussen und Herbstzeitlosen in den Rasen setzt, freut sich noch in diesem Herbst über eine Blütenwiese. Foto: Rainer Kumetat/Staudengärtnerei Bornhöved
Wer Zwiebeln von Herbstkrokussen und Herbstzeitlosen in den Rasen setzt, freut sich noch in diesem Herbst über eine Blütenwiese. Foto: Rainer Kumetat/Staudengärtnerei Bornhöved
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Im August schon Blumenzwiebeln in die Erde stecken? Ja, ganz genau. Und zwar Herbstkrokusse und Herbstzeitlosen, die noch in diesem Herbst blühen werden.

Ich liebe Blumenzwiebeln. Klassischerweise natürlich in erster Linie die, die im Herbst in die Erde gesteckt werden, damit sie das Frühjahr möglichst früh bunt machen. Aber um diese Blumenzwiebeln soll es ausnahmsweise hier nicht gehen. Sondern um Zwiebelblumen, die fantastischerweise noch in diesem Herbst blühen werden: Herbstkrokusse und Herbstzeitlosen.

Ich erinnere mich noch genau daran, als ich vor vielen Jahren erstmals Zwiebeln von Herbstkrokussen entdeckte und kaufte. Im August in die Erde stecken, und dann blühen die schon im Oktober? Damals staunte ich noch etwas ungläubig. Und freute mich wenig später über tolle Blüten spät im Jahr. Seitdem ist der August für mich zusätzlich ein fester Termin fürs Stecken von Blumenzwiebeln.

Und das Schöne: Zwiebelblumen, die im Herbst blühen, haben gleich doppelt großen Wert: nicht nur für uns Gartenfreunde, weil wir im Garten Blüten bis spät ins Jahr sehen möchten, sondern insbesondere auch für Insekten, die Nektar und Pollen suchen.

Lesen Sie auch: Diese Stauden sind insektenfreundlich und trotzen der Trockenheit

Svenja Schwedtke von der Staudengärtnerei Bornhöved in Schleswig-Holstein ist eine ausgewiesene Expertin für Herbstkrokusse und für Herbstzeitlosen. Von ihr habe ich mir erklären lassen, worauf bei der Pflanzung zu achten ist, und welche Sorten am unkompliziertesten sind. Wie bei allen Pflanzen komme es auch bei Herbstkrokussen und Herbstzeitlosen auf den richtigen Standort an. Herbstkrokusse mögen es sonnig und trocken. Herbstzeitlosen hingegen sind dankbar für Standorte, die im Frühjahr nicht völlig trocken sind und auch halbschattig sein dürfen.

Herbstblühende Krokusse gedeihen in durchlässigem, leichtem und doch nährstoffreichem Boden an vollsonnigen Standorten am besten. Um zuverlässig zu blühen, müssen die Knollen im Sommer am warmen, trockenen Standort ausreifen können, erklärt Svenja Schwedtke. Nur der heimische Prachtkrokus (Crocus speciosus und seine Sorten) wachse problemlos auch in lichtem Schatten und etwas feuchterem Boden. Die anderen mögen es sonnig und trocken.

Gepflanzt werden Herbstkrokusse sechs bis zehn Zentimeter tief. Auch hier verhilft eine Gabe organischen Volldüngers im Pflanzloch zu einem guten Start. Tipp: Wenn man Herbstkrokusse in niedrige Bodendecker pflanzt, gibt man ihnen mit ihren schlaksigen Stielen eine gute Stütze.

Anspruchsvollere Arten kann man auch gut in Töpfe pflanzen und ins Beet stellen, wenn die Krokusse blühen. Im Winter sollten die Töpfe dann an einen kühlen, trockenen Ort gestellt werden.

Ein bekannter, aber nicht ganz unkomplizierter herbstblühender Krokus ist der Safran-Krokus (Crocus sativus). Aus der Narbe dieses lila blühenden Krokus wird das bekannte Gewürz gewonnen.

Im Mittelmeergebiet und in Südasien wird Safran angebaut und mühsam von Hand geerntet, was den hohen Preis erklärt. In Deutschland empfiehlt es sich, die Wärme liebenden Zwiebeln in Töpfe zu pflanzen, die trocken übersommert werden.

Ich habe mir vorgenommen, noch in diesem August eine ansehnliche Menge an Zwiebeln von Herbstzeitlosen zu besorgen. Ich habe nur einige wenige Herbstzeitlosen im Garten. Warum? Herbstzeitlosen blühen, ohne dass sie Laub haben, was ihnen auch den Namen nackte Jungfern eingetragen hat. Im Frühjahr erscheint dann das Laub. So weit, so gut. Es muss dann aber wie bei allen Zwiebelblumen in Ruhe abwelken können.

Ich hatte im Frühjahr offenbar immer schon vergessen, wie schön die Pflanzen geblüht hatten, und habe mich über das etwas liederliche Laub geärgert. Aber auch dafür hat Svenja Schwedtke einen guten Rat: Sie empfiehlt, Herbstzeitlosen entweder in eine Wiese oder zwischen spät blühende Tulpen oder gar inmitten von Stauden wie Lungenkraut, Elfenblumen oder Storchschnabel zu pflanzen. Und genau das habe ich vor. Besonders die puschelige „Waterlily“ hat es mir angetan:

Die Zwiebeln von Herbstzeitlosen (Colchicum) sind recht groß. Man sollte sie – je nach Größe – 10 bis 20 Zentimeter tief pflanzen, erklärt Svenja Schwedtke. Sie empfiehlt zudem, etwas organischen Volldünger mit ins Pflanzloch zu geben.

Besonders schön wirken Herbstzeitlosen, pflanzt man sie in größeren Gruppen, zum Beispiel an den Rand von Gehölzen oder in eine Wiese.

Zur Sicherheit dazu gesagt: Alle Teile von Herbstzeitlosen sind giftig. Es macht übrigens nichts, wenn die Zwiebeln von Herbstzeitlosen schon austreiben, wenn man sie erwirbt – einfach einpflanzen. Herbstzeitlosen sollten nicht in Töpfe gepflanzt werden. Was man machen kann: die Zwiebeln einfach in eine Schale legen und dort blühen lassen, ohne sie zu gießen, und erst später in die Erde bringen.

Eine weitere Empfehlung für Sie, weil jetzt gerade Handlungsbedarf ist: Haben Sie Buchsbäume, die vom Buchsbaumzünsler befallen sind? Dann empfehle ich sehr die erste Folge unseres neuen Podcasts Querbeet. Mein Kollege Bastian Rabeneck und ich haben Dr. Thomas Brand zu Gast. Er ist Leiter Sachgebiet Zierpflanzenbau, Baumschulen, öffentliches Grün bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg und ein ausgewiesener Spezialist für die Behandlung von Buchsbäumen, die vom Buchsbaumzünsler befallen sind. So viel sei verraten: Er macht Besitzern von befallenen Buchsbäumen Mut. Die Sache ist in den Griff zu bekommen. Hören Sie doch mal in unseren Podcast hinein. Viel Spaß beim Hören!

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