Osnabrück  Ableger von „Aktenzeichen XY...ungelöst“: Sven Voss präsentiert „XY...gelöst“

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 31.07.2022 17:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sportmoderator Sven Voss präsentiert das neue Format „XY...gelöst“ Foto: ZDF/Bernd Kammerer
Sportmoderator Sven Voss präsentiert das neue Format „XY...gelöst“ Foto: ZDF/Bernd Kammerer
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Verbrechen lohnt sich: Das erfolgreiche Fahndungsformat „Aktenzeichen XY…ungelöst” bekommt einen Ableger im ZDF: Am Freitag, 5. August, läuft die erste von zunächst einmal vier Folgen „…gelöst”.

True Crime boomt, und das jetzt schon seit Jahren. Wahre Verbrechen gibt es nicht nur als Fernsehformat, sondern auch auf dem Buchmarkt, als Magazin, Podcast, Film oder Serie. Bei Streamingdiensten wie Netflix finden sich Dutzende Formate, die Menschen lassen sich davon auf der Couch, im Bus oder am Strand „begruseln”. „Aktenzeichen XY…ungelöst” ist mit 55 Jahren dabei so etwas wie die Queen Mum des True Crime im deutschen Fernsehen. Und bekommt nun so etwas wie einen Thronfolger: „XY…gelöst”.

Ganz offensichtlich hat man beim ZDF mit Rudi Cerne bei „Aktenzeichen XY…ungelöst” so gute Erfahrungen gemacht, dass man nun auch für den Ableger einen Moderator aus der Sportredaktion anheuerte: Sven Voss (46), den viele aus dem „aktuellen Sportstudio” kennen werden, führt am kommenden Freitag durch die erste von zunächst mal vier Folgen, die in der ausklingenden Ferienzeit um 21.15 Uhr auf dem Sendeplatz des zweiten Freitagskrimis ausgestrahlt wird.

„Die vier Folgen sind präzise recherchierte Fälle mit allem, was True Crime ausmacht,” sagt Voss im Senderinfo. „Wir erzählen die ganze Geschichte, rekonstruieren aufwendig die Verbrechen und zeigen die Arbeit der Ermittler. Alle Fälle haben gemeinsam, dass sie erst nach vielen Jahren aufgeklärt werden konnten. Manchmal gab es kaum noch Hoffnung, dass die Täter überhaupt gefasst werden können.”

So auch im „Cold Case” Johanna Bohnacker, die im September 1999 zwei Wochen nach ihrem achten Geburtstag im 500-Seelen-Dorf Ranstadt-Bobenhausen im Wetteraukreis nachmittags mit dem Rad zum Spielen losfuhr und nie wieder heimkehrte. Erst am 1. April des kommenden Jahres fanden Spaziergänger im 90 Kilometer entfernten Alsfeld zufällig ihre skelettierte Leiche, an der es Spuren einer Fesselung mit einem Klebeband gab. Trotz eines beispiellosen Polizeieinsatzes tappten die Ermittler 18 Jahre im Dunkeln, bevor dank verbesserter Kriminaltechnik im Oktober 2017 ein Tatverdächtiger festgenommen und im darauffolgenden Jahr zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Man darf dem ersten Teil von „XY…gelöst” zugute halten, dass er niemals reißerisch, sondern durch etliche Interviews mit den beteiligten Ermittlern und einem erst später hinzugekommenen Staatsanwalt durchgehend sachlich bleibt. Auch die Spielszenen sind eher unspektakulär, liegen aber deutlich über dem Niveau, das „Aktenzeichen XY…ungelöst” in den Anfangsjahren den Ruf einbrachte, vor der Kamera agiere die „Wattenscheider Laienspielschar”. Für den bei True Crime stets mitschwingenden Gruselfaktor sorgt vor allem das in aller Ausführlichkeit gezeigte Geständnis des Täters, der bis zum Schluss eine Tötungsabsicht bestritt.

Das Format ist also sorgsam auf die Zuschauer des ZDF zugeschnitten, die sich gern auch am Mittwochabend bei „Aktenzeichen XY…ungelöst” von wahren Verbrechen unterhalten und davon überzeugen lassen, dass das Grauen auch vor ihrer Haustür lauern könnten. True Crime also von jener Art, wie sie deutlich mehr Frauen als Männer konsumieren, wie auch der Profiler, ehemaliger Leiter der Bremer Mordkommission und Autor etlicher True-Crime-Bücher, Axel Petermann, erst kürzlich in einem Interview mit unserer Redaktion bestätigte: „Fast immer kommen viel mehr Frauen in meine Veranstaltungen als Männer. Manche Begleiter waren nur dabei, wie sie mir sagten, um ihre Partnerinnen nach den Veranstaltungen auf dem Nachhauseweg zu beschützen, oder weil sie als Fahrer ,eingesetzt’ waren.”

Das nötige Feingefühl für sein Publikum war Petermann nicht immer beschert, wie er selbst einräumte: „Als ich über den angeblichen Folterskandal in der Bremer JVA berichtete und beschrieb, wie die Täter ihr Opfer gequält und an den Fußnägeln verletzt hatten, fielen doch tatsächlich zwei Frauen in Ohnmacht. Die Kraft der Bilder war offensichtlich für sie nicht auszuhalten gewesen.” Solche Zuschauerreaktionen kann man bei „XY…gelöst” wohl ausschließen.

XY…gelöst: Tod der achtjährigen Johanna. Freitag, 5. August, 21.15 Uhr, ZDF.

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