Pleite zum Regionalliga-Auftakt Favorit zeigt Kickers die Grenzen auf
Kickers Emden verliert gegen abgezockten Titelfavoriten Flensburg nach zwei schnellen Toren mit 0:2 – was die Spieler aus der zweiten Halbzeit mitnehmen.
Emden - Die Euphorie vor dem ersten Spiel in der Regionalliga war riesig. 1108 Zuschauer drängten sich bei bestem Fußballwetter in das Emder Ostfrieslandstadion und feuerten ihren BSV Kickers Emden im Spiel gegen den Vizemeister Weiche Flensburg von der ersten Minute lautstark an. Nach elf Minuten verstummten die Kickers-Anhänger, die Spieler waren hart auf dem Boden der Regionalliga-Realität gelandet. Schnell und schnörkellos erzielten die Gäste aus Schleswig-Holstein zwei Tore – die Emder Abwehrspieler sahen sich hilflos an, das Schlimmste war zu befürchten.
Da aber keine weiteren Tore mehr fielen und Kickers Emden sich in der zweiten Halbzeit gewaltig steigerte, darf die Mannschaft um Trainer Stefan Emmerling durchaus positive Schlüsse aus der 0:2-Auftaktniederlage schließen. „Natürlich haben wir noch Luft nach oben. Wir haben uns kurz geschüttelt und in der zweiten Halbzeit vieles besser gemacht“, sagte Emmerling nach dem Spiel.
In der Regionalliga weht ein anderer Wind
Damit meinte der Kickers-Trainer vor allen Dingen die mutigere Herangehensweise. In den ersten Minuten des Spiels waren die Spieler vor dem großen Titelfavoriten noch in Ehrfurcht erstarrt. Ruhig und abgeklärt im Spielaufbau suchten die Gäste den Weg zum Strafraum und nutzten die Nachlässigkeiten in der Kickers-Abwehr eiskalt aus. Neuzugang Rene Guder passte den Ball in der 8. Minute auf den zweiten Pfosten, wo Christopher Kramer nur noch den Fuß hinhalten musste.
Nur drei Minuten später der nächste Tiefschlaf: Dieses mal klärte Alagie Jabbie den Ball nur halbherzig, Weiches Kapitän Dominic Hartmann schnappte sich den Ball und schob ihn aus gut zehn Metern ins lange Eck. „Solche Einladungen werden in der Regionalliga eher angenommen“, war sich auch Emmerling darüber im Klaren, dass in der höheren Liga für den Aufsteiger ein anderer Wind weht.
Die Emder Spieler brauchten ein wenig Zeit, um die Nervosität abzulegen. Ein gefährlicher Kopfball von Jabbie war ein Fingerzeig, mehr aber auch nicht. Die Gäste fanden Gefallen an dem Spiel und kombinierten munter weiter, verpassten aber weitere Tore, was Gästetrainer Thomas Seeliger auch missfiel. „Eigentlich müssen wir noch vor der pause das 3:0 machen. Dann ist das Ding hier durch“, so der Gästetrainer.
Fast der Anschlusstreffer
So war auch Emmerling nach eigenem Bekunden froh, dass es nur mit zwei Gegentoren in die Halbzeit ging. „Das war ein Fingerzeig, was uns in der Regionalliga erwartet“, sagte er.
Der Verlauf der zweiten Halbzeit sorgte für ein gutes Gefühl bei den Kickers-Anhängern. Die Spieler waren bissiger, wacher und machten nicht mehr so viele Fehler. Die längeren Ballbesitzphasen waren aber auch nur möglich, weil Flensburg die Emder spielen ließ und sich weit zurückzog.
Diese Passivität war ein Kritikpunkt von Gästetrainer Seeliger. „Wenn das 1:2 fällt, kann es noch mal wackelig werden. Wir haben unsere Konter auch einfach nicht gut ausgespielt.“ Und fast hätten die Emder Fans jubeln dürfen. Der eingewechselte Jafing Jabateh, ein Belebung für das Offensivspiel, scheiterte mit einem Drehschuss an Gästetorhüter Jesper Wolf Heim (71.).
Die Zuschauer erkannten die Leistungssteigerung an und spendeten nach dem Schlusspfiff tröstenden Applaus. Die Spieler hatten alles gegeben, allen voran Kapitän und Abwehrchef Bastian Dassel. Er schlich mit rotem Kopf vom Platz und zog gleich das Positive aus dem verlorenen Spiel. „Wir können mitspielen, wenn wir uns etwas zutrauen.“
Das können die Emder Spieler dann am Freitag beweisen. Dann geht es zum nächsten Härtetest zum VfB Lübeck. Die gehen als großer Favorit in dieses Spiel. Ein Vorgeschmack über die Stärke der Mannschaft durfte bereits im DFB-Pokal bestaunt werden. Dort schlugen die Lübecker Zweitligist Hansa Rostock.