Westerland Hideaway für Punks: Polizei räumt illegales Camp in Westerland
Die Antifa-Demo am Samstag auf Sylt geriet fast zur Nebensache, denn es kamen deutlich weniger Demonstranten als angekündigt. Spektakulärer war da schon die Räumung eines bislang völlig unbekannten Camps mitten in Westerland.
Die Punks, die Lindners und die Antifa – es ist schon eine besondere Mischung, die sich Deutschlands nördlichste Insel in diesem Jahr als Reise-, Hochzeits- und Demoziel ausgesucht hat.
In all dem Aufruhr, der die Insel seit Wochen in Atem hält, blieb eine Aktion dabei ziemlich unbemerkt: Etwa zwölf Personen aus dem Umfeld des genehmigten Protestcamps am Rathaus hatten heimlich ein zweites Camp aufgemacht. Eine Woche, so erzählen sie es, haben sie auf einem Privatgrundstück im Süden Westerlands an der Süderstraße gelebt, völlig unbemerkt von Nachbarn und Polizei.
Das Grundstück sei „völlig verwahrlost und zugemüllt“ gewesen, bemängelten die Campbewohner auf einem Transparent, das sie am Zaun befestigt hatten. Dort gab es auch eine Klingel in Form einer Fahrradhupe. „Klingel auch für Cops“, hatten sie auf ein Schild daneben geschrieben, und: „Besuch mit Hund bitte kurz Bescheid sagen.“
Aus dem auf dem Grundstück herumliegenden Material hatten sie sich eine Unterkunft zusammengezimmert. „Sogar gekocht haben wir hier“, erzählt eine der Bewohnerinnen unserer Redaktion. „Natürlich haben wir nichts verbrannt, das giftig ist.“
Dann aber trat die Eigentümerin des Grundstücks auf den Plan und ließ das provisorische Camp räumen – sie erstattete Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.
Die Camper mussten zusammenpacken: Unter den Augen der herbeigerufenen Landespolizisten sammelten sie ihre Habseligkeiten zusammen und verließen das illegale Camp mit Einkaufswagen in Richtung offiziellem Protestcamp.
Auf dem Platz vor dem Bahnhof fand währenddessen die angekündigte Antifa-Demo statt. Geplant war eine Anreise von 250 Personen, am Ende waren es etwa 110, die in der Westerländer Mittagssonne ihre Transparente hochhielten.
Hochgerüstet war die Polizei trotzdem: Am Samstagvormittag waren mit dem SyltShuttle zwei Wasserwerfer und mehrere Einheiten der Polizei auf die Insel transportiert worden. Schon am Morgen versammelten sich die Eieinheiten vor dem Westerländer Polizeirevier, empfingen ab mittags die ankommenden Fahrgäste am Bahnhof und begleiteten die Veranstaltung.
Erkennbar Rechtsextreme jedoch suchte man am Bahnhof vergebens, die befürchtete Konfrontation zwischen ihnen und dem linken Bündnis blieb aus. Nur einmal wurde es kurz brenzlig: Da war die eigentliche Demo schon beendet und die Teilnehmer – eskortiert von der Polizei – bereits auf dem Weg zum Protestcamp am Rathaus. Plötzlich gab es einen harschen Wortwechsel mit einigen Gästen des Bier-Brunnens in der Fußgängerzone, eine Flasche zersprang – und die Polizei ging dazwischen. Stein des Anstoßes offenbar: Einer der Gäste trug ein HoGeSa-T-Shirt (Hooligans gegen Salafisten) und war dafür aus den Reihen der Demonstranten verbal angegangen worden.
Die Demo des Bündnisses „Schwarz-Roter 1. Mai“ war urprünglich als Gegendemo zu der erst angemeldeten, dann wieder abgesagten Kundgebung der Partei „Die Rechte“ angesetzt worden. Einspringen wollte dafür stattdessen Pegida Nordrhein-Westfalen – doch deren Anmeldung kam für die Polizei zu kurzfristig. Der Antrag wurde abgelehnt, weil man mit den bereitgestellten Einheiten nicht beide Kundgebungen adäquat hätte begleiten können, so das Argument.
So blieb Sylt am Samstag fest in den Händen von Punks, Antifa und Touristen – wie üblich in diesem Neun-Euro-Sommer.
* In einer früheren Fassung dieses Textes war von „Hundertschaften“ und der „Bundespolizei“ bei der Campräumung in der Süderstraße die Rede, das haben wir inzwischen korrigiert: Es war die Landespolizei, die die Campräumung durchgeführt hat. Bundespolizei war am Bahnhof anwesend, aber nicht in Hundertschaften.