Hamburg  Elektroräder zum Mieten: Neue Gefahr für den Straßenverkehr?

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 28.07.2022 17:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Solche Elektrofahrräder wird man künftig häufiger in den deutschen Städten sehen. In Hamburg wird die Mietflotte bereits drastisch aufgestockt. Foto: imago images/Michael Gstettenbauer (Symbolbild)
Solche Elektrofahrräder wird man künftig häufiger in den deutschen Städten sehen. In Hamburg wird die Mietflotte bereits drastisch aufgestockt. Foto: imago images/Michael Gstettenbauer (Symbolbild)
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Für die einen sind E-Scooter die Revolution für die Stadtmobilität, für andere nur nervige Stolperfallen. Nun stellen Anbieter wie Bolt oder Tier in immer mehr Städten auch deutlich größere und schwerere E-Bikes auf, zuletzt in Hamburg. Wie gefährlich wird es nun auf den Straßen?

Seit drei Jahren gehören per App mietbare E-Scooter zum Hamburger Stadtbild. Weil das Geschäft gut läuft, haben kürzlich die zwei Sharing-Dienste Bolt und Tier angekündigt, ihre Flotte in der Hansestadt mit E-Fahrrädern aufzustocken.

Dann stehen neben 17.000 Leih-Rollern auch 2000 Leih-Räder auf den Bürgersteigen. Das stößt allerdings auf viel Kritik, denn die Sorge ist groß, dass dadurch die Gefahr für alle Hamburger Verkehrsteilnehmer steigt.

Statista-Grafik zu E-Scootern: Umsatz und Anzahl der Nutzer im Jahr 2021

Dass diese Sorge berechtigt ist, zeigen die Unfallstatistiken aus Hamburg zu den deutlich kleineren E-Scootern: Im letzten Jahr hat sich die Zahl der Unfälle (606) fast verdreifacht, das gilt auch für die dabei Verletzten (460). Drei Viertel der Unfälle verursachten die Fahrer selbst, und das meist unter Alkoholeinfluss, wie Ulf Schröder, Leiter der Verkehrsdirektion bei der Vorstellung der aktuellen Hamburger Verkehrssicherheitsbilanz sagte. Auch die Zahl der Radfahr-Unfälle ist in den letzten Jahren immer wieder gestiegen, von 3143 (2017) auf 3703 (2021).

Weiterlesen: Gefährlicher als Motorräder: Das sind die häufigsten Verletzungen bei E-Scooter-Unfällen

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPOLG) ist überzeugt davon, dass es auch mit E-Bikes oft krachen wird: „Mit der Ausweitung des Angebots werden wir vermehrt die Probleme sehen, die es auch schon bei den E-Scootern gab und gibt: Menschen die alkoholisiert fahren oder zwei oder drei Personen auf einem Rad. Und natürlich vermehrte Unfälle“, schätzt der Hamburger Landesvorsitzende Thomas Jungfer ein. In Bezug auf die Sicherheit seien den Beamten jedoch allmählich die Hände gebunden, denn für großangelegte Kontrollen fehle das Personal.

Solche Kontrollen gab es zuletzt vermehrt, wie die Hamburger Innenbehörde bestätigt. Seit Juni 2019 habe es in der Hansestadt demnach 17 Großkontrollen und 40 Schwerpunkteinsätze der Polizei gegeben, die sich vor allem gegen Fahrrad- und E-Scooter-Fahrer richtete. Die Behörde kündigt genau das an, was die Polizeigewerkschaft mit Blick auf Personalknappheit fürchtet: „Diese Kontrollen werden konsequent fortgesetzt.“

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sieht das Problem tiefer sitzen. Es fehle der Stadt einfach an Platz: „Grundsätzlich begrüßen wir natürlich jedes neue Rad auf Hamburgs Straßen. Leider passt die vorhandene Infrastruktur bei weitem nicht zu dem neuen, erhöhten Radverkehrsaufkommen. Es gibt viel zu wenig Platz für Radfahrende und Zufußgehende in Hamburg“, stellt Sprecher Dirk Lau fest.

Auch die fehlenden Abstellstationen seien ihm zufolge ein Problem. So würden viele ihr Leihgefährt wahl- und rücksichtslos mitten auf dem Gehweg abstellen. Laut Innenbehörde würde die Polizei in Einzelfällen herumliegende oder im Weg stehende E-Scooter und Räder beiseitestellen, bei größeren Abstellproblemen würde der Sharing-Anbieter informiert und zum Aufräumen aufgefordert.

Das bekämpft jedoch nur die Symptome und nicht die Ursache. Die Stolpergefahr kommt so immer wieder.

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