Diskussion um Grünen Weg  Jetzt sollen die Auricher mitreden

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 28.07.2022 14:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dauerhaft gesperrt werden könnte der Grüne Weg für den Durchgangsverkehr in Zukunft. Foto: Romuald Banik
Dauerhaft gesperrt werden könnte der Grüne Weg für den Durchgangsverkehr in Zukunft. Foto: Romuald Banik
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Der Grüne Weg erhitzt seit Jahren die Gemüter. Nun sollen die Auricher über die künftige Gestaltung der Straße mitbestimmen.

Aurich - Seit drei Jahren ist der Grüne Weg eine Fahrradstraße. Außer Anliegern darf dort niemand mit Kraftfahrzeugen entlangfahren – und die Anlieger dürfen ihre eigenen Autos nicht auf der Straße parken. Deutlich älter ist die Diskussion darüber, wie eine Verkehrsberuhigung in dieser Straße gelingen kann. Denn eine Sperrung des Grünen Weges bedeutet gleichzeitig eine Mehrbelastung von anderen Straßen. Die Stadt Aurich geht nun einen neuen Weg und fragt die Bürger selbst nach ihrer Meinung. Online oder direkt im Rathaus kann jeder Auricher aus einer von vier vorgeschlagenen Varianten für den Grünen Weg wählen oder aber einen eigenen Vorschlag für eine Verkehrsregelung dort machen. Die Bürgerbeteiligung läuft vom 1. August bis zum 15. September.

Schon jetzt dürfen nur Anlieger den Grünen Weg mit dem Auto befahren. Foto: Romuald Banik
Schon jetzt dürfen nur Anlieger den Grünen Weg mit dem Auto befahren. Foto: Romuald Banik

Die von der Verwaltung vorgeschlagenen Varianten haben alle eines gemeinsam: Die Fahrradstraße bleibt im Grünen Weg erhalten. Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß nennt im Pressegespräch den Masterplan Radverkehr als Grund dafür. Denn dieser sei von der Politik beschlossen worden und enthalte nun einmal den Grünen Weg als Fahrradstraße.

Eingriffe in den Westgaster Weg

Dementsprechend gehen drei der vier Varianten noch über die Verkehrsberuhigung nur durch die Fahrradstraße hinaus. Lediglich Variante 1 bedeutet, dass der jetzige Zustand beibehalten wird. In Variante 2 würde ein Poller am Ende des Westgaster Weges, kurz vor der Holzbrücke, installiert. Damit würde der Durchgangsverkehr gestoppt. Westlich des Kanals müsste eine Wendeanlage gebaut werden für die Anlieger, die den Grünen Weg nutzen dürfen.

Über diesen QR-Code gelangt man mit dem Handy schnell zur Umfrage. Foto: Heino Hermanns
Über diesen QR-Code gelangt man mit dem Handy schnell zur Umfrage. Foto: Heino Hermanns

Bei der dritten Variante würde zusätzlich zur Fahrradstraße im Grünen Weg der Westgaster Weg baulich verändert. Elemente zur Geschwindigkeitsreduzierung wie Einengungen oder Schwellen sollen die Nutzung der Straße unattraktiv für den Durchgangsverkehr machen.

Fahrradstraße zur Verkehrsberuhigung eingesetzt

Auch bei Variante 4 handelt es sich um einen Eingriff in den Westgaster Weg. In diesem Fall soll ein Poller östlich der Einmündung des Berliner Rings in den Westgaster aufgestellt werden. Anwohner, die zwischen diesem Poller und dem Grünen Weg wohnen, könnten dann nur noch über den Berliner Ring und die Zillestraße zur Kirchdorfer Straße gelangen. Lediglich das kleine Stück des Westgaster Weges, an dem auch zwei Arztpraxen liegen, wäre weiter direkt von der Kirchdorfer Straße aus erreichbar.

Das Dilemma, das mit der Einrichtung des Grünen Weges als Fahrradstraße damals bewusst in Kauf genommen worden ist, wird durch die neuen Vorschläge nicht gelöst. Denn vor drei Jahren wurde versucht, eine Verkehrsberuhigung mit einer Maßnahme aus dem Masterplan Radverkehr durchzusetzen. Dafür aber sind Fahrradstraßen schon rechtlich nicht vorgesehen. Dennoch beinhaltet kein Vorschlag die Abschaffung der Fahrradstraße. Eine Variante, die Bürgermeister Horst Feddermann selbst lange favorisiert hatte. „Das ist aber nicht mehr zeitgemäß“, sagt Feddermann heute. Daher muss jeder, der sich an der Umfrage beteiligt und die Abschaffung der Fahrradstraße will, dieses in einem eigenen Vorschlag kundtun. Diese Vorschläge sollen laut Busch-Maaß bei der Auswertung auch Berücksichtigung finden.

Weitere Bürgerbeteiligungen sind geplant

Bindend sind die Ergebnisse der Umfrage indes nicht. „Sie werden dem Rat dann zur weiteren Beratung zur Verfügung gestellt“, sagt Feddermann.

Um an der Umfrage teilnehmen zu können, ist eine einmalige Anmeldung beim Serviceportal Niedersachsen erforderlich. Für den Basiszugang ist nur eine gültige E-Mailadresse erforderlich. Ein Passwort vergibt jeder Nutzer selbst. Mit dem Zugang soll gewährleistet werden, dass jeder Teilnehmer nur einmal an der Umfrage teilnimmt. Neben den Varianten werden anonymisiert einige weitere Daten abgefragt. Das Alter der Teilnehmer, der Wohnort und welche Verkehrsmittel genutzt werden sind darunter. „Alle Daten werden anonymisiert genutzt“, versichert Busch-Maaß.

Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß und Bürgermeister Horst Feddermann hoffen auf eine große Beteiligung an der Umfrage zum Grünen Weg. Foto: Heino Hermanns
Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß und Bürgermeister Horst Feddermann hoffen auf eine große Beteiligung an der Umfrage zum Grünen Weg. Foto: Heino Hermanns

Der Zugang zum Serviceportal bleibt erhalten und kann nicht nur für weitere Bürgerbeteiligungen genutzt werden, sondern auch für alle anderen Dienstleistungen, die bereits jetzt unter dem Stichpunkt „Open Rathaus“ auch in Aurich angeboten werden. Das Angebot wird stetig ausgebaut und soll später sogar für Verwaltungsdienstleistungen bundesweit gelten.

Weitere Bürgerbeteiligungen seien auf jeden Fall geplant, sagt Alexandra Busch-Maaß. Dabei gehe es schon im kommenden Jahr weiterhin um das Thema Verkehr. Denn das Verkehrsentwicklungskonzept für Aurich soll geschrieben werden. Auch daran sollen die Auricher mitwirken. Mit der jetzigen Befragung zum Grünen Weg, so Busch-Maaß, könnten sowohl die Verwaltung als auch die Auricher schon einmal Erfahrungen sammeln. Sie hofft auf möglichst viele Teilnehmer. Die Meinungen von 3000 bis 5000 Aurichern wären schön.

Einseitige Vorgabe

Ein Kommentar von Heino Hermanns

Schon die Vorgängerin von Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß, Irina Krantz, wollte die Bürger zum Grünen Weg befragen. Ergebnisoffen sollte das über eine Online-Plattform geschehen.

Das Versprechen mit der Plattform wurde eingehalten. Von ergebnisoffen kann aber keine Rede mehr sein. Denn geht es nach der Auricher Stadtverwaltung, bleibt der Grüne Weg auf jeden Fall eine Fahrradstraße. Das sehen alle vier Varianten vor.

Hitzig wurde jahrelang über den Grünen Weg und die Fahrradstraße diskutiert. Die einen sehen darin eine Privilegierung weniger Anwohner, andere eine nötige Bevorzugung des Radverkehrs. Und die Anwohner selbst waren wütend, weil sie plötzlich in den Vorgärten Platz für ihre Autos schaffen mussten.

Es gibt also durchaus Menschen in der Stadt Aurich, die weder zusätzliche Poller noch eine Fahrradstraße wollen. Davon kann man halten, was man will. Aber schon um die Akzeptanz der Bürgerbeteiligung zu steigern, hätte auch die Option „Aufhebung der Fahrradstraße“ mit aufgenommen werden müssen. Jetzt kann diese Option nur als selbst formulierter Vorschlag eingereicht werden. Das ist umständlicher als ein einzelner Klick. Solche einseitigen Vorgaben sollten kein Vorbild für kommende Bürgerbeteiligungen sein.

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