Unterkunft für Flüchtlinge  Entscheidung über Auricher Kaserne nächste Woche möglich

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 27.07.2022 19:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mehrere der „H-Gebäude“ sollen auf dem Kasernengelände für Flüchtlinge hergerichtet werden. Foto: Heino Hermanns
Mehrere der „H-Gebäude“ sollen auf dem Kasernengelände für Flüchtlinge hergerichtet werden. Foto: Heino Hermanns
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Die Stadt Aurich will einen neuen Stadtteil, der Landkreis Aurich braucht Flüchtlingsunterkünfte. Beide wollen die alte Blücherkaserne, eine Entscheidung steht aus. Ungeduldig wird dabei ein Dritter.

Aurich - Eine Entscheidung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) über die Zukunft der ehemaligen Blücherkaserne lässt weiter auf sich warten. Der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann rechnet erst in der kommenden Woche mit einer Nachricht, ob die Kaserne dem Landkreis Aurich als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung gestellt wird. „Das hoffe ich zumindest“, so Feddermann auf ON-Anfrage. Denn es stehe alles still, seit Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert wegen der Kaserne Ansprüche angemeldet habe.

Der Landkreis Aurich findet für die vielen Flüchtlinge, die in die Region kommen, keine Wohnungen mehr. Deswegen soll die alte Kaserne für bis zu 1300 Menschen hergerichtet werden. Das stößt auf Kritik in der Stadt Aurich, vor allem aber beim Investor, der das Gelände entwickeln will. Er hat sich laut einem Bericht der „Ostfriesen-Zeitung“ mit deutlichen Worten bei der Stadtverwaltung beschwert.

Intensive Gespräche werden geführt

Anfang voriger Woche verkündete Puchert, dass der Landkreis Aurich weitere Gebäude der ehemaligen Blücherkaserne benötige. Denn die Zahl der ankommenden Flüchtlinge sei zu groß, es gebe keinen geeigneten Wohnraum mehr. Deswegen habe der Kreis bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) den Antrag gestellt, so gut wie die gesamte Kaserne in Beschlag nehmen zu dürfen.

Ein Vorhaben, über das nach Auskunft von Bima-Sprecher Thorsten Grützner bislang noch keine Entscheidung getroffen worden ist. Es werde gegenwärtig mit der Stadt Aurich und einem Investor über den Verkauf von Teilflächen der ehemaligen Kaserne verhandelt, teilt er auf ON-Anfrage mit. „Hinsichtlich der Überlassung von Gebäuden der ehemaligen Kaserne an den Landkreis Aurich zur Unterbringung von Flüchtlingen befinden sich der Landkreis und die Bima in intensiven Gesprächen, deren Ergebnisse abzuwarten sind“, so Grützner.

Investor findet deutliche Worte

Der Investor mag offenbar nicht einfach abwarten, sondern hat seinen Unmut über die Entwicklung in einem Brief an Bima und Stadtverwaltung kundgetan. Er selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Bürgermeister Horst Feddermann sagt auf ON-Anfrage, dass der Investor sich durch den Kreis und die Bima „schlecht beachtet“ fühle. Er habe in deutlichen Worten, „die nicht in die Öffentlichkeit gehören“, seinen Unmut über das Handeln des Landkreises Aurich ausgedrückt. Darin enthalten sei aber keine Drohung oder gar ein Ultimatum an die Stadt Aurich, sagt Feddermann. Die Stadt könne auch nichts für das Ansinnen des Landkreises Aurich.

Der Kreis habe für die Sicht des Investors durchaus Verständnis, doch schon jetzt ist der hiesige Wohnungsmarkt nahezu erschöpft, sagt Sprecher Nikolai Neumayer auf ON-Anfrage. Mit Blick auf den unkalkulierbaren Konflikt in der Ukraine und andere Flüchtlingsströme weltweit sei eine Prognose über die zu erwartende Anzahl an hier ankommenden geflüchteten Menschen schwer. Nach Abwägung aller möglichen Alternativen habe man sich gezwungen gesehen, den Antrag auf Nutzung der Kaserne bei der Bima zu stellen, um Kriegsflüchtlinge unterbringen zu können.

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Man müsse nun abwarten, wie die Entscheidung der Bima ausfalle, so der Bürgermeister. Sollte der Landkreis die Kaserne bekommen, müsse man sich mit diesem über das weitere Vorgehen auseinandersetzen. Sollte sich die Bima für den Investor und die Stadt Aurich entscheiden, bleibe es bei dem bisherigen Fahrplan mit dem Investor.