Auricher Citymanagerin geht Weitere Führungskraft verlässt das Rathaus
Erst Anfang November hatte Vicki Janssen ihren Posten im Auricher Rathaus angetreten. Jetzt hat sie gekündigt, und die Stadt muss schnell handeln.
Aurich - Erneut hat eine Führungskraft die Auricher Stadtverwaltung verlassen. Citymanagerin Vicki Janssen hat ihren Vertrag gekündigt. Das bestätigt Bürgermeister Horst Feddermann auf ON-Anfrage. Innerhalb weniger Monate hat die Auricher Stadtverwaltung damit einige leitende Mitarbeiter verloren. Unter anderem sind die Fachbereichsleiter Irina Krantz und Kai-Michael Heinze, die Stadtplanerin Anna Heimlich, Klimaschutzmanagerin Dr. Katharina Heidtmann und Michael Kuhn, stellvertretender Leiter des Tiefbauamtes, gegangen.
Die Fluktuation unter seinen Mitarbeitern sei heutzutage nicht ungewöhnlich in Kommunalverwaltungen, sagt Feddermann. Es gebe derzeit überall eine hohe Wechselbereitschaft. Im Vergleich mit anderen Städten und Gemeinden stehe Aurich noch gut da. Horst Feddermann ist zuversichtlich, die Nachfolge für Vicki Janssen schnell regeln zu können.
Citymanagerin gab es vorher in Aurich nicht
Die Stelle der Citymanagerin ist Teil des Förderprogramms „Perspektive Innenstadt“. Dieses läuft bereits Ende März kommenden Jahres aus. Daher ist die Stelle, die am Sonnabend auch in den ON ausgeschrieben wird, zunächst bis zu diesem Zeitpunkt befristet. Feddermann hofft, dass sich das für die Zukunft ändern lässt. „Wir brauchen jemanden, der das dann auch über den März hinaus unbefristet weitermacht.“ Das sei aber mit der Stadtpolitik noch nicht besprochen worden. Deswegen könne die Stelle momentan nur bis Ende März ausgeschrieben werden. Bewerber müssen einige Anforderungen erfüllen.
Eine Citymanagerin gab es bis Oktober vorigen Jahres in der Stadt Aurich nicht. Das Stadtmarketing wurde in den vergangenen Jahren zunächst von einem Verein, schließlich innerhalb der Verwaltung von der „Stabsstelle Bürgermeister“ um deren Leiter Johann Stromann gemacht. Am 1. November vergangenen Jahres kam dann Vicki Janssen. Ihre Stelle wurde möglich gemacht mit dem Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt“, aus dem die Stadt 1,2 Millionen Euro erhalten soll.
Streit mit der Auricher Politik
Für die Anträge zu diesem Sofortprogramm war Janssen verantwortlich. Über die Vorhaben, die mit dem Geld umgesetzt werden sollen, gab es noch im Juni im Rat Streit. Es ging um Blumenkübel oder Bäume, die auf Wunsch der Kaufleute auf dem Marktplatz platziert werden sollten. Bodo Bargmann (CDU) war in der Ratssitzung Anfang Juni mit der Verwaltung scharf ins Gericht gegangen und hatte ihr vorgeworfen, politische Beschlüsse zu ignorieren. Namentlich nannte er Vicki Janssen damals nicht, es war aber auch so klar, wer gemeint war.
Der Zwist im Rat war sicherlich nicht die einzige Ursache für den Weggang von Vicki Janssen. Nach Ansicht von Beobachtern aber war die Episode symptomatisch für die Zusammenarbeit der Abteilungen im Rathaus. Man gehe aber nicht im Streit auseinander, betont Bürgermeister Horst Feddermann auf ON-Anfrage. Janssen werde auch nach ihrem Ausscheiden für Rückfragen zur Verfügung stehen. Vicki Janssen selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Umfangreiches Anforderungsprofil
Umfangreich ist das Anforderungsprofil für die nächste Citymanagerin. Eine kaufmännische Ausbildung wird vorausgesetzt. Außerdem erwartet die Stadt laut Feddermann Erfahrungen im Projektmanagement, in der Öffentlichkeitsarbeit und Fähigkeiten im Online-Marketing. Verhandlungsgeschick und Moderationserfahrung sollte der nächste Citymanager auch mitbringen. Das klingt zunächst nach einem sehr langen Anforderungskatalog. Feddermann gibt sich aber zuversichtlich. „Es gibt viele, die das können.“
Es muss sich nun nur noch zeigen, ob es auch viele mit diesen Fähigkeiten gibt, die sich auf eine Stelle bewerben wollen, die es bis auf Weiteres nur bis Ende März geben wird. Denn die Politik muss erst noch entscheiden, ob die Stadt Aurich auch über März 2023 hinaus einen Citymanager haben soll, wie es sich Horst Feddermann wünschen würde.
Die Auricher Kaufleute würden sich eine unbefristete Stelle wünschen. „Das haben wir immer gefordert“, sagt Udo Hippen, Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins, auf ON-Anfrage. Es sei bei einer Befristung bis März auch schwierig, einen kompetenten Nachfolger für Vicki Janssen zu finden. Fristgerecht eingereicht hat Janssen die Anträge bei der N-Bank, auch wenn die Projekte noch geändert worden sind. So wurde zum Beispiel die Umgestaltung der Grünanlage am Pferdemarkt gestrichen.
„Wir haben aber noch keinen einzigen Förderbescheid erhalten“, sagt Feddermann auf ON-Anfrage. Das bedeute aber, dass auch noch keine einzige Ausschreibung für Projekte wie das WLAN in der Innenstadt, Schließfächer für Besucher in der Innenstadt, ein neues Fußgängerleitsystem oder Gestaltungselemente zur Kennzeichnung der Achse Pferdemarkt-Carolinenhof stattfinden konnte. „Wir können ohne die Bescheide keine Aufträge erteilen“, sagt Horst Feddermann. Denn sollte es kein Geld aus dem Sofortprogramm geben, würde Aurich auf den Kosten alleine sitzenbleiben.
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