Berlin  In Saudi-Arabien soll 170 Kilometer langer Wolkenkratzer entstehen

Carolin Ungrad
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Von Carolin Ungrad
| 27.07.2022 18:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Zukunftsstadt Neom plant einen Wohnkomplex mit einer Länge von 170 Kilometern. Jetzt wurde das Design vorgestellt. Foto: AFP/Neom
Die Zukunftsstadt Neom plant einen Wohnkomplex mit einer Länge von 170 Kilometern. Jetzt wurde das Design vorgestellt. Foto: AFP/Neom
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Mit autonomen Regeln und eigenem Steuerrecht soll in Saudi-Arabien bis 2030 „The Line“ entstehen: Eine „Öko-Stadt“ mit einer Länge von 170 Kilometern. Wie das gigantische Projekt aussehen soll.

Über drei Länder und 170 Kilometer soll es sich erstrecken: „The Line“. In der geplanten saudischen Wüstenstadt Neom soll bis 2030 ein gigantischer Wolkenkratzer entstehen. Was zukünftige Bewohner und Touristen von dem Bauwerk erwarten können.

„The Line“ soll sich demnach über 170 Kilometer durch die Wüste erstrecken und dabei gleich durch drei Länder gehen: Saudi-Arabien, Jordanien und Ägypten. Das Bauwerk soll 500 Meter hoch werden und 200 Meter breit. Der Wohnkomplex, der wie eine eigene Stadt sein soll, soll dann ab 2030 bis zu neun Millionen Menschen beherbergen können.

Bei der Bekanntgabe des Designs verkündete der saudische Kronzprinz Mohammed bin Salman, „The Line“ würde sich den Herausforderungen stellen, vor denen die Menschheit heute im urbanen Leben steht.

Neben Wohnungen soll das Projekt auch über die notwendige Infrastruktur verfügen. So soll zu dem Wohnkomplex eine „vorbeugende Gesundheitsversorgung von Weltklasse“ gehören. Reichlich Natur und Freiflächen sollen für Naherholung sorgen und gleichzeitig die Luftqualität aufrecht erhalten.

Die Bewohner sollen innerhalb von fünf Minuten Zugang zu allen Einrichtungen erhalten. Es soll sogar einen Hochgeschwindigkeitszug geben, der die beiden Enden des Komplexes innerhalb von 20 Minuten miteinander verbindet.

Das langgezogene Gebäude soll dabei mit der Wüstenumgebung verschmelzen. An der Sandstrandküste sollen zusätzlich 50 Luxus-Resorts eröffnen, um „The Line“ auch für Touristen attraktiv zu machen.

Laut „Travelbook“ sei innerhalb der Wohnanlage eine Sonderwirtschaftszone geplant - inklusive eigenem Steuerrecht und autonomen Regeln. So soll Alkohol konsumiert werden dürfen und Frauen sollen ihre Verschleierung ablegen dürfen.

Es soll sich bei „The Line“ um eine autofreie Zone handeln. Durch das Projekt will die Stadt CO2-frei werden. Durch die Nähe aller notwendigen Einrichtungen, soll mehr Zeit für Erholung geschaffen werden: „Weniger Pendeln bedeutet mehr Zeit für Erholung“.

„The Line“ soll bis 2030 für rund 500 Milliarden Dollar fertiggestellt werden. Durch die Weitläufigkeit des Bauwerks sollen laut „The Guardian“ aber rund 20.000 Mitglieder des Stammes Huwaitat aus ihrer Heimat vertrieben werden. Im April 2020 wurde ein Stammesaktivist erschossen, nachdem er mittels Video gegen die Vertreibung protestierte.

Wie die „Berliner Zeitung“ berichtet, werfen Kritiker dem Kronprinzen außerdem „Greenwashing“ vor: Die versprochene Emissionsfreiheit und grüne Bepflanzung sollen demnach von der Realität ablenken.

So warnen Aktivisten bereits seit Jahren davor, dass mit Neom auch ein autoritäres Regime unterstützt werde. Saudi-Arabien steht unter Anderem wegen der schlechten Rechtslage für seine Bürger immer wieder in der Kritik.

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