Niehuus  Blind dem Navi gefolgt: Dutzende Urlauber landen in der Sackgasse

Benjamin Nolte
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Von Benjamin Nolte
| 26.07.2022 10:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Bewohner von Niehuus weisen inzwischen mit Hinweisschildern auf den Navi-Fehler hin. Foto: Benjamin Nolte
Die Bewohner von Niehuus weisen inzwischen mit Hinweisschildern auf den Navi-Fehler hin. Foto: Benjamin Nolte
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Alternativrouten in den Urlaub, um Staus zu umfahren? Einige Urlauber sind auf der Suche nach Abkürzungen ihrem Navi gefolgt – das wurde ihnen zum Verhängnis.

Lange Staus an den großen Grenzübergängen sorgen dafür, dass Autofahrer vermehrt Ausweichrouten nehmen. Blindes Vertrauen auf Navigationsgeräte oder Software auf dem Handy ist dabei nicht immer die beste Lösung.

Im Harrisleer Ortsteil Niehuus landen Autofahrer regelmäßig in einer Sackgasse. Besonders extrem war die Situation an den vergangenen Wochenenden. Vor den Grenzübergängen auf der Autobahn 7, der B200 und auch entlang des Ochsenweges bildeten sich lange Staus. Die Kreativität manch eines Urlaubers kannte bei der Suche nach ein paar Minuten Zeitersparnis kaum Grenzen. 

Conny und Dirk Behrendsen sind genervt, das Ehepaar wohnt seit über 30 Jahren am Schloßberg in Niehuus, im letzten Haus auf deutscher Seite. Malerisch gelegen, inmitten eines Naturschutzgebietes, unweit des Niehuuser Sees. Wenige hundert Meter vom Grundstück der Familie Behrendsen liegt ein kleiner Grenzübergang.

Für Fahrzeuge nicht passierbar, hier geht es nur zu Fuß oder mit Fahrrad weiter. Dennoch reihte sich an der schmalen Straße an den vergangenen Wochenenden teilweise ein Auto an das andere. „Die Leute vertrauen auf ihre Navigationssoftware“, berichtet Dirk Behrendsen, „das Kartenmaterial von Apple schlägt unsere Straße als Alternative zu den staureichen Hauptstraßen vor. Dass die Straße in einer Sackgasse endet, wird dort allerdings nicht angezeigt.“ 

Nicht nur Familie Behrendsen, sondern auch viele weitere Anwohner in Niehuus sind frustriert. „Schon Donnerstags geht‘s los, über das Wochenende wird es dann ganz extrem“, sagt Frank Schröder, der ebenfalls in Niehuus wohnt, „auch eine eindeutige Beschilderung hält viele Autofahrer nicht davon ab im Schloßberg ohne Stau über die Grenze zu kommen.“

Er selbst hat sich schon an Gemeinde, die Verkehrsbehörde und an die Medien gewandt. „Passieren darf hier an solchen Tagen nichts“, ergänzt Dirk Behrendsen, der selbst in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, „auch für Feuerwehr und Rettungsdienst wäre an manchen Tagen ein Durchkommen nicht mehr möglich.“

Die Problematik ist nicht neu. Nach dem sich vergangenes Jahr ein großer Lkw in der schmalen Straße festgefahren hatte, wurden weitere Schilder montiert, ergänzt durch selbst gestaltete der Anwohner. Mittlerweile wird in deutscher und dänischer Sprache darauf hingewiesen, dass es am Schloßberg keinen passierbaren Grenzübergang für Fahrzeuge gibt.

Ohne großen Erfolg. „Das Problem ist ja nicht nur alleine die Tatsache, dass so viele Autos in unser kleinen Straße unterwegs sind, sondern auch die teilweise rücksichtslose Fahrweise und ein zu hohes Tempo“, weiß Conny Behrendsen zu berichten, „wenn ich mit meinem Enkel unterwegs bin, dann muss ich ihn schon mal regelrecht ins Gebüsch drücken.“

Frustriert, gereizt und mitunter auch aggressiv reagierten Urlauber, die im Schloßberg nicht weiterkommen, berichten die Anwohner. Auf Grundstücken wie dem von Familie Behrendsen wird dann gewendet, auch Wohnwagengespanne steckten in der kleinen Straße fest, benötigten „eine Ewigkeit“, um zurück in Richtung Ortsmitte zu kommen.

Das Ehepaar Behrendsen und auch die Nachbarn wünschen sich Durchfahrtsverbote mit Ausnahme für Anwohner und Anlieger und eine bauliche Verkehrsberuhigung. So einfach ist es aber nicht. Seit kurzem steht am Schloßberg immerhin an den Wochenenden eine Absperrbake. „Laut Gemeinde sollen zudem in Kürze vier weitere Schilder montiert werden“, so Frank Schröder, „viel Spielraum hat die Gemeinde aber offenbar bei zusätzlichen Maßnahmen nicht.“ 

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