Öffentlicher Nahverkehr Befragte wollen mehr Busse in Aurich
Sechs von den ON befragten Passanten in Aurich sind mit dem öffentlichen Nahverkehr in Ostfriesland nicht zufrieden. Es gibt eine Ausnahme.
Aurich - Seit knapp zwei Monaten gibt es das Neun-Euro-Ticket. Das bundesweite Angebot für den Nahverkehr läuft noch bis Ende August. Auf Bundesebene werden nun mögliche Nachfolger diskutiert, um die Preise für Bus und Bahn auch in Zukunft möglichst niedrig zu halten. Der Verkehrsverband schlägt eine Fahrkarte vor, die 69 Euro im Monat kostet. Auch ein Jahresangebot und eine Verlängerung des jetzigen Angebots sind im Gespräch. Die ON haben Passanten in der Auricher Innenstadt gefragt, wie es ihrer Meinung nach weiter gehen soll. Doch in Ostfriesland muss laut ihnen erst etwas anderes passieren.
„In Aurich lohnt sich das nicht“, sagt Michael Buck aus Wiesens auf die Frage, ob er für eine Verlängerung des Angebots sei. „Bei uns fährt nur zweimal am Tag ein Bus. Mittags spontan in die Stadt fahren, können meine Kinder nicht.“ Nur zu Schulzeiten würden sie mit dem Bus hin und her kommen. In Aurich und vor allem in den Dörfern umzu gebe es viel zu wenig Verbindungen, sagt er. Außerdem würden die Fahrten zu lange dauern. Wenn sich an der Anbindung etwas ändern würde, würde er auf jeden Fall mehr Bus fahren, sagt Buck. „69 Euro im Monat fände ich für einen ganzen Monat dann absolut gerechtfertigt“, sagt er. Und in Großstädten lohne sich das auch jetzt schon.
Personen ohne Auto profitieren
Auch Manuela Hilker aus Dunum kennt das Problem. „Aber auch wenn es mehr Verbindungen gäbe – ich würde den öffentlichen Nahverkehr in Ostfriesland ehrlich gesagt nicht nutzen. Dafür fahre ich viel zu gern Auto“, sagt die 41-Jährige. Und trotzdem ist sie für eine Verlängerung des Angebots. Ihr Sohn sei mit seiner Patentante mit dem Neun-Euro-Ticket mit der Bahn unterwegs gewesen. Schon für eine Fahrt habe sich das Angebot da rentiert. „Wenn die Fahrt günstig ist, macht man Ausflüge, die sonst gar nicht stattfinden würden“, sagt sie. 68 Euro würde sie unter den jetzigen Umständen monatlich trotzdem nicht ausgeben. „Die Kinder können bei uns nicht einmal mit dem Bus zum Schwimmbad kommen“, sagt sie.
Michelle Batterton hat auch nicht vor, auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Die 22-Jährige kommt aus Bünde. Auch in ihrer Heimat gebe es das Problem, dass die Busse die ländlichen Regionen nicht anfahren würden. Sie sei daher schon, seitdem sie den Führerschein habe, nur noch mit dem Auto unterwegs. Trotzdem findet sie, muss der öffentliche Nahverkehr günstig bleiben. „Viele Leute haben kein Auto und sind auf Bus und Bahn angewiesen – vor allem in den Großstädten“, sagt sie.
Gute Verbindung zwischen Aurich und Emden
Björn Schumacher kommt aus Borkum. Als Insulaner ist der 38-Jährige nur sehr selten auf Bus oder Bahn auf dem Festland angewiesen. Für die Fahrt vom Fähranleger in Emden nach Aurich hat er sich das Auto eines Kollegen geliehen. Doch: „Zwischen Emden und Aurich ist die Busverbindung ganz gut“, sagt er. Dass die Anbindung, sobald es in ländlichere Gegenden Ostfrieslands gehe, schlechter werde, sei ihm jedoch auch schon aufgefallen. Auch er wünscht sich, dass sich dort etwas tut. Vor allem für Kinder und Jugendliche und Personen, die keinen Führerschein hätten, sei das wichtig.
Auch Fabian Schäfers aus Aurich sieht Verbesserungsbedarf. Bevor er näher an die Auricher Innenstadt zog, lebte er in Plaggenburg. Von dort aus zu seinem Ausbildungsplatz in die Auricher Innenstadt zu kommen, sei mit dem Bus ein großes Problem gewesen. „Dass die Busse nicht wie in der Großstadt im Zehn-Minuten-Takt fahren können ist klar. Alle ein oder zwei Stunden würde reichen“, sagt er. Bisher hat er das Neun-Euro-Ticket noch nicht genutzt. Denn auf seinem Arbeitsweg sei es nicht möglich gewesen, und Zeit für Reisen habe der 26-Jährige nicht gehabt. Wenn die Preise niedrig bleiben würden, könne es jedoch sein, dass er das zumindest für Bahnfahrten ausprobieren würde, sagt Schäfers.
„Das erste Problem ist schon, dass Aurich keinen Bahnhof hat“, sagt Isabell Janssen. Dadurch seien Angebote wie das Neun-Euro-Ticket für Auricher unattraktiv. Doch die 35-Jährige sieht nicht nur in Aurich Probleme. Sie wohnt in Uplengen und hat in Emden studiert. Schon damals sei sie mit dem Auto zur Uni gefahren. Und das, obwohl sie mit dem Semesterticket den Regionalverkehr kostenlos hätte nutzen können. Doch hätte sie das getan, wäre sie eine Stunde länger als mit dem Auto unterwegs gewesen, sagt Isabell Janssen. Und das war es ihr nicht wert. „Zeit ist schließlich auch Geld.“ Auch als sie kürzlich nach Dresden gefahren sei, habe sie zehn Stunden gebraucht. Mit dem Auto schafft man die Strecke in etwa sechs Stunden. Da sie nun einen Job habe, in dem sie immer mit dem Auto unterwegs sei, könne sie momentan gar nicht auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Eigentlich ist sie, wie alle anderen Befragten für eine Verlängerung des Angebots. Aber: „Damit es 69 Euro im Monat wert ist, muss sich an der Infrastruktur noch Einiges verbessern“, sagt sie.