Melle  Kinder interviewen „drei Fragezeichen“-Autor: „Boris Pfeiffer, wie essen Sie Nutella-Brot?“

Michael Hengehold
|
Von Michael Hengehold
| 22.07.2022 11:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 8 Minuten
Bei seinem Besuch im Gymnasium Melle wird „Die drei ??? Kids“-Autor Boris Pfeiffer von zwei Schülern interviewt. Foto: Stefan Gelhot
Bei seinem Besuch im Gymnasium Melle wird „Die drei ??? Kids“-Autor Boris Pfeiffer von zwei Schülern interviewt. Foto: Stefan Gelhot
Artikel teilen:

„Die drei ??? Kids“ ist eine Buchreihe für jüngere Leser der Detektivgeschichten. Wir haben zwei Kinder gebeten, Stammautor Boris Pfeiffer zu interviewen. Nun wissen wir, worauf es beim Schreiben ankommt, wie er als Kind die Nachbarn erziehen wollte und wie er Nutella isst.

Boris Pfeiffer hat schon 70 Bände für die Kids-Reihe um die Abenteuer von Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews geschrieben. Kurz vor den Sommerferien war er für eine Lesung vor den fünften Klassen des Gymnasiums zu Gast in Melle. Eine Stunde zuvor durften Stella Ambrosius und Julian Kellermann (beide 11) ihm Fragen stellen.

Frage: Herr Pfeiffer, glauben Sie, Sie sind ein guter Autor?

Antwort: Ja, ich glaube, das bin ich. Das bestätigen mir die vielen Menschen, die meine Bücher lesen. Ich bin nicht immer selbstsicher und sage: das wird! Schreiben ist nicht leicht, sondern eine Arbeit. Ich entdecke immer mal wieder einen Satz, den ich zwei Jahre später anders geschrieben hätte. Aber insgesamt glaube ich, dass ich lebendige Geschichten schreibe, in denen etwas steht, das die Menschen dazu bringt, immer noch die nächste Seite zu lesen. Meine Themen sprechen an, die Figuren sprechen an und die Menschen mögen meine Sprache.

Frage: Da kann ich nur zustimmen.

Antwort: Danke.

Frage: Was hat Sie inspiriert, Autor zu werden?

Antwort: Ich hatte einen Deutschlehrer, den ich sehr geliebt habe und der mit uns Gedichte gelesen hat. Das hat mich von Anfang an tief berührt. Ich schreibe heute noch Gedichte. Das zweite Moment, das mich zum Schreiben gebracht hat, war das Theater, wo ich damals gearbeitet habe. Die ganze Zeit über habe ich Gedichte geschrieben, die wurden länger und irgendwann wurden es Geschichten.

Frage: Wann haben Sie denn Ihr erstes Buch geschrieben?

Antwort: Das erste war 1989 ein Theaterstück. Da war ich 25 Jahre alt. Es ging um die Flucht vor dem Krieg in Bosnien. Später war ich ein Jahr in Italien und habe richtig viel geschrieben. Das erste Buch war ein Kinderbuch, “Kira und Buttermilch”. Und dann kamen sehr schnell schon die „Die drei ??? Kids“ dazu. Das war so um die Jahrtausendwende. Es gibt einen großen Stapel unveröffentlichter Manuskripte von mir aus dieser Zeit, die habe ich in so einer Riesen-Kiste.

Frage: Was wollten Sie werden, bevor Sie Autor geworden sind?

Antwort: Ich habe als Buchhändler und Antiquar gearbeitet. Das habe ich sehr gerne gemacht. Ich habe einige Jahre als Taxifahrer gearbeitet. Das habe ich sehr geliebt und bin anfangs tagsüber, aber dann später am liebsten nachts gefahren. Und am Theater war ich Regieassistent und habe Regie geführt und auch geschrieben.

Frage: Wenn Sie so ein tolles Buch verfassen, wie kommen Sie denn auf diese tollen Ideen?

Antwort: Sehr unterschiedlich. Wenn ich einen Krimi schreibe, dann muss ich einen Fall in den Kopf bekommen. Die Fälle suche ich, indem ich mir die Welt anschaue. Wisst ihr, was Gaunerzinken sind? Unauffällige Zeichen, die Diebesbanden an Türen hinterlassen, um zu zeigen, das Haus steht leer oder hier wohnen Leute, die haben einen bissigen Hund und vieles mehr. Ich bin darauf gestoßen, dass es eine Menge solcher Zeichen gibt und da kann man sich noch etwas dazu ausdenken. Und dann stelle ich mir vor, dass Justus, Peter und Bob auf solche Zeichen treffen und dann kann man damit spielen.

Frage: Und wenn es nicht um Detektivgeschichten geht?

Antwort: Ich beschäftige mich mit dem Leben von uns Menschen, den Tieren, wie wir mit der Erde umgehen. Ich schreibe gerade einen Roman über eine vom Klimawandel verwüstete Erde. Ich habe Bücher geschrieben über das Sterben der Meere, das Sterben der Riffe. Da habe ich schon als Kind drüber nachgedacht, über solche Sachen. Als ich ein kleiner Junge war, habe ich immer Zettel geschrieben für jeden im Haus. Da habe ich geschrieben: “Haltet das Wasser sauber” und habe die in den Briefkasten geworfen. Am nächsten Morgen lagen die alle in unserem Briefkasten, weil die Leute wussten, dass ich das war und fanden, dass es nicht so wichtig für sie war.

Frage: Worauf kommt es an, wenn man ein ???-Buch schreibt?

Antwort: Wichtig ist, die drei Hauptfiguren möglichst authentisch, also so, wie man sie kennt, und dabei doch immer wieder frisch zu erzählen. Das zweite ist die Geschichte. Es sollte ein Fall sein, der Spaß macht. Du solltest Bock haben, den zu schreiben. Die drei ??? Kids schreibe ich ja nicht alleine. Der zweite Schreiber heißt Ulf Blank, der hat schon etwas andere Themen als ich. Ich mag wilde Geschichten und solche, die auch einen sozialen Teil haben. Ich wähle gerne Themen, in denen es um moderne Technik geht. Hier ist ein Zug, der modernste Zug der Welt, nur geht leider in dem Ding alles schief, was schiefgehen kann. Da fliegt den ??? am Ende Kakao und Kuchen aus einem Bedienroboter um die Ohren. Ich mag es, wenn es kurios zugeht. Ulf würde sagen, es geht ihm um Verstecke oder um Orte, die er besonders aufregend fand. Jede Autorin und jeder Autor hat einen eigenen Rangang.

Frage: Wieso haben die Hauptcharaktere immer Ferien?

Antwort: Das ist eine sehr gute Frage, die ich dir nicht beantworten kann. Ich würde es pragmatisch beantworten. Im Jahr erscheinen von den „Die drei ??? Kids“ sechs Bücher. Ich habe bis dato zwei Bücher geschrieben, in denen Schulalltag vorkommt. Der Verlag hat sich sehr darüber gefreut. Aber ich möchte nicht zehn Bücher schreiben, die in der Schule spielen. Der Schulalltag, da gibt es natürlich irre Themen: Mobbing, Angst, in die Schule zu gehen, Einsamkeit, Sport. Aber es gibt viele andere Themen, die ich wesentlich lieber erzähle. Darum haben sie notgedrungen mehr Ferien als ihr. Manche Bücher spielen aber einfach nur am Wochenende.

Frage: Wieso sagt Kommissar Reynolds immer, dass er kurz vor seiner Pension steht?

Antwort: In meinen Büchern sagt er das nicht. Das sagt er in Ulfs Büchern. Bei Ulf hat der auch immer noch einen Bericht zu schreiben. Das sind Vorlieben eines Autors. Reynolds wird nie in Pension gehen. So, wie die ??? auch nie älter werden. Die sind im selben Jahr geboren wie ich. Das erste Buch kam 1964 auf die Welt, aber irgendwie schaffen die es, immer gleich alt zu bleiben.

Frage: Liest Ihre Familie denn auch Ihre fantastischen Bücher?

Antwort: Ich bin verheiratet und habe keine Kinder. Ich habe einen Bruder, der hat zwei Kinder und ich habe in Italien neun Nichten und Neffen, aber die können kein Deutsch. Meine beiden Neffen lesen alle meine Bücher. Die Familie in Italien hat mal zwei Bücher gelesen, weil ein paar Französisch können und es gibt französische Übersetzungen aus der Reihe „Das wilde Pack“. Meine Frau liest alle meine Bücher und liebt sie. Meine Mutter ist leider schon tot, sie hat kein einziges Buch von mir gelesen, aber hätte sich gefreut. Das ist etwas, was mich wirklich traurig macht. Mein Vater war ein großer Leser, aber er wurde krank und liest seit vielen Jahren nicht mehr. Er hat noch Theaterstücke von mir gesehen, aber kein Buch gelesen.

Frage: Sind Sie in Italien denn auch so bekannt wie hier in Deutschland?

Antwort: Nein. In Italien sind nur zwei Bücher übersetzt worden. Ich bin sehr bekannt in Lateinamerika. Da wird insbesondere „Das wilde Pack“ von dem es 16 Bücher gibt, sehr gerne gelesen. Da war ich auch schon oft und habe Schulen besucht. Ein paar „Die drei ???“-Bücher gibt es dort auch. Ich habe gerade einen Sonderband vom „Wilden Pack“ geschrieben, der in Lateinamerika spielt. Den gibt es jetzt in Venezuela, Mexiko, Kolumbien und Peru. Andere Bücher von mir gibt es in Indien auf Englisch, außerdem auf Japanisch, Koreanisch, Chinesisch. Aber ich denke, am berühmtesten sind meine Bücher, und damit auch mein Name, in Deutschland.

Frage: Arbeiten Sie im Moment an einem neuen Buch oder einer neuen Buchreihe?

Antwort: Ja. Ich arbeite weiterhin an den „Die drei ??? Kids“. Ich werde am Montag mein neues Buch im Verlag abgeben. Anschließend arbeite ich weiter an dem Roman über den Klimawandel. Darin geht es um einen Jungen, der eine Flut überlebt, indem er sich an einer Büffelkuh festhält, die im Wasser treibt. Die beiden sind darüber Freunde geworden. Der Junge zieht als Nomade mit der Büffelherde herum und dann fangen ihn Menschen und wollen seine Büffel essen. Also, das ist der äußere Plot. Innerlich spielt sie in einer Welt, in der es für den Menschen schwer geworden ist, noch auf der Erde zu leben. Es ist ein Klimabuch und teils eine Fabel, die uns über das Leben erzählt und welche Möglichkeiten wir dann haben werden und auch, welche wir dann nicht haben werden.

Frage: Waren Sie schon mal in Melle?

Antwort: Ja.

Frage: Auch in der City?

Antwort: In der City war ich nicht, ich bin nicht durch die Straßen gegangen. Nur von der Halle, wo die Lesung war, bis zum Auto.

Frage: Wenn Sie ein Nutella-Brot essen, essen Sie das mit oder ohne Butter?

Antwort: Ich würde es ohne Butter essen, aber ich esse kein Nutella. Wenn ich Nutella esse, esse ich es ohne Brot, mit einem Löffel. In Italien gibt es an den Tankstellen 5-Kilo-Gläser. Das habe ich mal meinen Neffen mitgebracht, sehr zur Freude ihrer Mutter. Die essen das auch immer mit dem Löffel. 

Ähnliche Artikel