Vor der neuen Fußball-Saison  Der nächste große Umbruch

| | 21.07.2022 18:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Simon Smit bleibt in Aurich. Mit seinen wichtigen Toren war er im Saison-Endspurt maßgeblich am Ligaverbleib beteiligt.Fotos: Bernd Wolfenberg/ Stephan Friedrichs
Simon Smit bleibt in Aurich. Mit seinen wichtigen Toren war er im Saison-Endspurt maßgeblich am Ligaverbleib beteiligt.Fotos: Bernd Wolfenberg/ Stephan Friedrichs
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Viele Leistungsträger haben die SpVg Aurich verlassen. Mit welchem Personal der Verein den Klassenverbleib in der Bezirksliga dieses Mal schaffen will.

Aurich - Vor eineinhalb Monaten lagen sich die Spieler und die Verantwortlichen der Sportvereinigung Aurich noch in den Armen. Nach turbulenten Wochen mit einem Trainerwechsel und vielen dramatischen Spielen in der Abstiegsrunde lösten die Auricher mit einem 1:1 am letzten Spieltag in Borssum das Ticket für ein weiteres Jahr in der Bezirksliga. Doch wer am Ellernfeld geglaubt hat, dass dieser Erfolg auf den letzten Metern die Mannschaft nach dem Umbruch im vergangenen Sommer weiter zusammenschweißen würde, sieht sich nun getäuscht.

Der Kapitän Jan-Hendrik Bontjer hat den Verein nach vielen Jahren verlassen. Er geht nach Weene.
Der Kapitän Jan-Hendrik Bontjer hat den Verein nach vielen Jahren verlassen. Er geht nach Weene.

Der Umbruch vor der neuen Saison ist noch größer ausgefallen. Viele langjährige Stammkräfte wie Jan-Hendrik Bontjer, Christian Willms oder Andreas Flessner haben den Verein verlassen, auch langjährige und hoffnungsvolle Talente wie Torben Bender haben der Mannschaft den Rücken gekehrt und suchen bei anderen Vereinen eine neue Herausforderung. SpVg-Vorsitzender Werner Hoffmann weiß, dass diese neue Spielzeit eine Herausforderung werden wird. „Da müssen wir uns nichts vormachen, es wird eine schwierige Aufgabe“, sagt Hoffmann.

Zweite Mannschaft wurde aufgelöst

Um der Spielerflucht etwas entgegenzusetzen, mussten die Auricher kreativ werden. Namhafte Spieler nach Aurich zu lotsen war für den neuen Trainer Uwe Groothuis schwierig, da der Klassenverbleib erst sehr spät festgestanden hatte und viele Spieler bereits ihre Zusage bei anderen Vereinen gegeben hatten. Die Lösung: „Wir besinnen uns auf das, was wir haben“, sagt Hoffmann. Damit meint der Vorsitzende der Sportvereinigung Aurich Spieler aus der zweiten Mannschaft.

Die ist wegen großer Personalnot vom Spielbetrieb aus der Ostfrieslandklasse abgemeldet und aufgelöst worden. „Alle, die sich vorstellen konnten, den Schritt in die Bezirksliga zu wagen, haben wir hochgezogen“, sagt Hoffmann. Gemeinsam mit den verbliebenen Spielern und Neuzugängen aus Egels, Wiesens oder Ihlow muss Groothuis nun eine Einheit formen, die den Ansprüchen in der Bezirksliga genügt. „Alle wollen uns scheitern sehen, aber ich gehe positiv in die Saison. Unser Trainer bringt eine Menge Erfahrung mit und kann die Spieler besser machen“, glaubt der Vorsitzende.

Hartes Programm zum Start

Doch wie soll der Klassenverbleib gelingen, wenn die Hälfte des Kaders noch nie in der Bezirksliga gespielt hat. Trainer Uwe Groothuis ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, wie schwer die Aufgabe werden wird. Ist das unter diesen Voraussetzungen überhaupt zu schaffen? In großen Teilen hat er die Mannschaft, die auf dem Platz stehen soll, bereits im Kopf. „Aber taktisch müssen wir besser werden. Aber der Sprung für die neuen Spieler ist auch sehr groß“, weiß Groothuis.Seit zwei Wochen ist die Mannschaft nun im Training, der Start am 6. August in Middels ist mit vielen Fragezeichen versehen. Das Auftaktprogramm hat es in sich. Nach dem Spiel in Middels sind die beiden Aufstiegskandidaten Bunde und Westrhauderfehn die Gegner der Auricher. „Das ist natürlich ein hammerhartes Programm“, weiß auch Groothuis.

Das Anspruchsdenken in Aurich ist in den vergangenen Jahren ein anderes geworden. Die großen Erfolge in den 1980er- oder 1990er-Jahren liegen lange zurück. Anknüpfen daran werden die Auricher wohl auf absehbare Zeit nicht mehr. „Das war eine ganz andere Epoche, Geld war nicht das große Problem. Den Verein gibt es nun 111 Jahre. Wir sind froh, wenn wir ein fester Bestandteil der Bezirksliga werden“, sagt Hoffmann. Die Mannschaft werde auf jeden Fall allen zeigen wollen, dass sie in der Bezirksliga bestehen kann. Laut Hoffmann identifizieren sich die verbliebenen Spieler mit dem Verein.

Gegen die Spieler, die nun gegangen sind, hegt er keinen Groll. „Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass es Spieler wie Christian Willms oder Jan-Hendrik Bontjer ruhiger angehen lassen wollen. Sie haben jahrelang alles gegeben“, sagt Hoffmann. „Bei anderen war ich allerdings enttäuscht.“ Hoffmann freut sich auf eine Liga mit 18 Mannschaften, davon müssen allerdings vier absteigen. Neben den üblichen Verdächtigen sieht er auch Großefehn und Wallinghausen weit vorne. Eines würde ihn besonders freuen: „Ich hoffe, dass am Ende auch jemand aufsteigen will.“

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