Grabung in Großheide  Funde sind für Archäologen ein Knüller

Gerd-Arnold Ubben
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Von Gerd-Arnold Ubben
| 20.07.2022 13:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In diesem größeren Brunnen fanden die Archäologen Backsteine und den Henkeltopf (vorne), an ihnen können die Experten in etwa die Zeit bestimmen. Foto: Gerd-Arnold Ubben
In diesem größeren Brunnen fanden die Archäologen Backsteine und den Henkeltopf (vorne), an ihnen können die Experten in etwa die Zeit bestimmen. Foto: Gerd-Arnold Ubben
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Überraschende Funde in einem geplanten Baugebiet in Großheide führen zu mehr Fragen als Antworten. Jetzt müssen die Wissenschaftler einiges überdenken.

Großheide - Hellauf begeistert zeigte sich am Dienstagvormittag Dr. Sonja König, Leiterin des Archäologischen Dienstes der Ostfriesischen Landschaft, über die Funde bei den Ausgrabungen in Großheide an der Ecke Kleinheider Weg/Alter Gang.

Der kleinere der beiden Brunnen im hinteren Teil des Bildes, aus Soden angefertigt, die hier noch zu sehen sind. Foto: Gerd-Arnold Ubben
Der kleinere der beiden Brunnen im hinteren Teil des Bildes, aus Soden angefertigt, die hier noch zu sehen sind. Foto: Gerd-Arnold Ubben

„Diese Grabung ist echt für Überraschungen gut und ein Knüller. Vom Ergebnis her bin ich überaus zufrieden“, sagte lächelnd Sonja König. Und dabei hatte zunächst alles daraufhin gedeutet, keine interessanten Funde und Befunde, wenn überhaupt welche, in Großheide zu machen. Viele Bereiche seien schon ausgesandet, dort könne nichts mehr gemacht werden. „Aufgrund des hervorragenden Ergebnisses haben sich jedoch noch mehr Fragen aufgetan als zuvor, die wir versuchen, jetzt noch zu klären“, so König.

Geophysik verlief enttäuschend

Ein Grabungsteam unter der Leitung der Archäologin Jette Harms „buddelt“ nunmehr seit Anfang Juni in konstruktiver Zusammenarbeit mit der Gemeinde Großheide auf dem vorgesehenen Baugebiet, wo einmal mehrere Häuser stehen sollen.

Die Archäologen hatten zunächst schon die Vermutung, dass sich an der Ausgrabungsstätte eine befestigte Anlage im weitesten Sinne befunden haben könnte. Eine durchgeführte Geophysik, bei der mit Messgeräten über das Gelände gefahren wird, verlief trotz Aufwand, Technik und High-Tec enttäuschend.

„Gute alte Handarbeit“ brachte die Überraschung

Ihr habe es allerdings keine Ruhe gelassen, warum ihr Techniker in der Prospektion Backsteinkrümel fand und in der Geomagnetik nichts zu finden war, berichtet König. Umso schöner sei es nun, dass Jette Harms und ihr Team Backsteine und gleich zwei Brunnen freilegen konnte. „Dass nun diese tollen Befunde ausgegraben wurden, spricht manchmal doch für die gute alte Handarbeit“, meint König anerkennend.

Dieser Zinnlöffel stammt den Archäologen zufolge vermutlich von jemandem, der Reich war. Foto: Gerd-Arnold Ubben
Dieser Zinnlöffel stammt den Archäologen zufolge vermutlich von jemandem, der Reich war. Foto: Gerd-Arnold Ubben

In dem größeren Brunnen wurden Materialien des 13. und 14. Jahrhunderts gefunden sowie ein kleiner unbeschädigter Henkeltopf, der vermutlich durch Unachtsamkeit in den Brunnen gefallen ist. In dem kleineren, überwiegend aus Grassoden gefertigten Brunnen fanden die Archäologen unter anderem einen Zinnlöffel.

Zinnlöffel macht es besonders spannend

„Dadurch wurde es noch spannender, denn jetzt haben wir mit dem Löffel einen Zeitsprung ins 15./16 Jahrhundert. Nun müssen wir einiges neu überdenken, weil es kein Holzlöffel ist, der hat einiges gekostet“, sagt König. Der einstige Besitzer des Zinnlöffels dürfe sich angesichts dieses Verlustes geärgert haben, meinte sie. Sie vermutet weiter, dass jemand dort gewesen sein muss oder gelebt hat, der Geld besaß, um sich schöne Sachen kaufen zu können und etwas Tollen zu bauen.

Nun wüsste sie gerne, so König, wo und wie er gewohnt hat, wer er denn überhaupt war, wenngleich sie den Namen sicherlich nicht erfahren werde. Vielleicht war es jemand, der Handel oder Landwirtschaft betrieben hat und durch das Verhandeln von Erzeugnissen genügend Geld hatte.

Archäologen im Glück – aber die Gemeinde hat ein Problem

Sie ist sich sicher, dass sie bei den weiteren Ausgrabungen noch Hinweise finden werden, auch zur Gesamtstruktur. Vermutlich gehörte derjenige zu den Bewohnern, die eines der 500 Steinhäuser in Ostfriesland besaßen. Backsteingebäude seien ursprünglich keine Wohngebäude gewesen, sondern dienten als große Lager und wehrhafte Gebäuden. Geklärt werden müsse auch noch die Gewässeranbindung von Großheide im Mittelalter.

So interessant die Ausgrabungen auch sind, steht die Gemeinde vor einem anderen Problem. Denn noch wissen Bauamtsleiterin Martina Meyer und ihre Mitarbeiterin Iris König von der Gemeinde Großheide nicht, wie es mit dem Baugebiet weitergeht. Erst einmal sind die Ausgrabungen, sie gehen bis Ende August, und die daraus resultierenden Befunde abzuwarten. Es sei aber schon spannend etwas über die Geschichte hier im Ort zu erfahren und wie die Menschen dort gelebt haben, meinten die beiden.

Für die Archäologen war das Ansetzen der Schaufel vor einigen Wochen ein gefühlter Sechser im Lotto.

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