Tierhaltungsverbot durchgesetzt  48 Tiere aus Flachsmeer sind in Tierheimen untergebracht worden

Carsten Ammermann
|
Von Carsten Ammermann
| 22.07.2022 12:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Viele der Katzen befanden sich in der Wohnung. Foto: Ammermann
Viele der Katzen befanden sich in der Wohnung. Foto: Ammermann
Artikel teilen:

Mitarbeiter des Veterinäramtes haben in Flachsmeer Katzen und Kaninchen bei einer Tierfreundin eingefangen. Wie erkennt man eigentlich einen seriösen Tierverkäufer?

Westoverledingen/Leer - Anfang Juli hatte der Artikel in dieser Zeitung über Monika Hübner im sozialen Netzwerk auf Facebook für zahlreiche Diskussionen gesorgt. Hübner, die sich selbst als Katzenfreundin bezeichnet, hatte das Tierhaltungsverbot, das der Landkreis Leer ihr zum 1. Juli erteilt hatte, kritisiert.

Die Katzen wurden eingefangen und in Boxen zu den Leeraner Tierheimen gebracht. Foto: Ammermann
Die Katzen wurden eingefangen und in Boxen zu den Leeraner Tierheimen gebracht. Foto: Ammermann

Hübner, die jetzt in Flachsmeer wohnt, hatte mitgeteilt, dass sie sich zusammen mit ihrem Lebensgefährten seit rund zehn Jahren mit sehr viel Herzblut zum Beispiel um junge Fundkatzen kümmert. „Wir haben uns unter anderem auch um schwangere Katzen und um Babys von Wildkatzen, die krank waren, gekümmert – und alles auf eigene Kosten“, sagte Hübner. Unter dem Beitrag dieser Zeitung auf Facebook gab es eine kontroverse Diskussion und fast 200 Kommentare. Unter anderem beklagten Personen, dass sie von der Westoverledingerin Katzen gekauft hätten, die jedoch krank gewesen sein sollen. Hübner weist diese Anschuldigungen zurück.

Pfötchennotdienst meldet sich zu Wort

Aufgrund der Berichterstattung hatte sich auch der Tierschutzverein Pfötchen-Notdienst Westoverledingen in der Redaktion gemeldet. „Frau Hübner ist uns vom Pfötchennotdienst seit Jahren bekannt. Bereits vor drei Jahren haben wir ein totkrankes Kätzchen übernommen, welches in diesem Zustand von Frau Hübner an ein Paar mit Kind in einer Ein-Zimmerwohnung verkauft wurde“, teilte der Verein mit. Außerdem sei der Tierschutzverein im Januar diesen Jahres zu ihrer verlassenen Wohnung in Völlen gerufen worden, da dort Katzen zurückgeblieben waren, so der Verein weiter.

Auch die Polizei war vor Ort. Die Beamten leisteten den Mitarbeitern des Veterinäramtes Amtshilfe. Foto: Ammermann
Auch die Polizei war vor Ort. Die Beamten leisteten den Mitarbeitern des Veterinäramtes Amtshilfe. Foto: Ammermann

Am Montagvormittag waren Mitarbeiter des Leeraner Veterinäramts mit einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Leer bei Hübner vorgefahren und hatten das zum 1. Juli erteilte Tierhaltungsverbot überprüft. In dem ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäude in Flachsmeer wurden laut Veterinäramt 48 Tiere eingefangen und mitgenommen. Die Katzen sind derzeit im Tierheim des Tierschutzes Rheiderland in Stapelmoor und im Tierheim Jübberde untergebracht, teilte der Tierschutz Rheiderland mit. 20 Katzen hat der Tierschutz Rheiderland aufgenommen. „Sie werden noch eine ganze Zeit brauchen, um sich zu erholen“, so die Einschätzung von Tierheim-Leiterin Iris Holzapfel. Die Katzen seien untergewichtig, litten unter Durchfall und müssten alle tierärztlich behandelt werden.

Die gefangenen 48 Tiere wurden vom Veterinäramt am Montagvormittag anderweitig untergebracht. Foto: Ammermann
Die gefangenen 48 Tiere wurden vom Veterinäramt am Montagvormittag anderweitig untergebracht. Foto: Ammermann

Wie können Personen, die sich ein Tier zulegen wollen, erkennen, ob der Verkäufer überhaupt seriös ist? Wir haben nachgefragt. Tierärzte des Leeraner Veterinäramtes geben folgende Tipps:

Vorsicht bei Angeboten im Internet

Wenn einem im Internet ein Angebot von Katzenwelpen oder Hundewelpen besonders interessant erscheint, sollte man das Inserat noch einmal genauer kritisch unter die Lupe nehmen:

Wie wird das angebotene Tier dargestellt? Ist die Beschreibung angemessen oder übertrieben, wie zum Beispiel „kerngesund“ oder „zuckersüße Katzenbabys“?

Kann man auf den Fotos erkennen, ob der Haltungsort sauber und aufgeräumt wirkt? Scheinen die Tiere auf den Fotos gepflegt und gesund zu sein (klare glänzende Augen, keine Sekretspuren an den Augen oder an der Nase, glattes und glänzendes Fell, sauberes Fell oder ähnliches). Gibt es auffallend viele Rechtschreib- und Grammatikfehler in der Anzeige? Steht etwas zu den Umständen des Verkaufes und wirkt die „Geschichte“ glaubhaft, zum Beispiel trächtige Katze zugelaufen oder Kitten wurden ausgesetzt vorgefunden? Gibt es normale Kontaktinformationen und Kontaktmöglichkeiten, zum Beispiel über eine angegebene Telefonnummer, zum Verkäufer des Tieres? Liegt der Verkaufspreis im Normbereich? Wie viele Inserate gibt es von dem Anbieter zeitgleich? Ist der Züchter Mitglied in einem bekannten Zuchtverband?

Fragen zur Herkunft und Haltung

Bei der Kontaktaufnahme zum Verkäufer kann folgendes weitere Hinweise liefern: Stellen Sie Fragen an den Verkäufer. Werden die Fragen zur Herkunft, Haltung, Gesundheit und Prophylaxe-Behandlungen (Entwurmung, Impfungen) des Tieres und der Elterntiere direkt, ausführlich und ohne Umschweife beantwortet? Fragt der Verkäufer auch etwas zu den Lebensumständen und Erfahrungen bezüglich Tierhaltung des Käufers?

Der erste Eindruck ist immer wichtig

Begutachtung des Verkaufstieres: Es ist wie so oft im Leben, der erste Eindruck zählt. Ist das Grundstück aufgeräumt und sauber? Wo werden dem Käufer die Tiere gezeigt und dürfen sie Räume im Haus sehen? Werden die Tiere im Haus in Transportboxen gehalten? Riecht es in den Räumlichkeiten oder riecht das Tier selber unangenehm, zum Beispiel Kot- oder Uringeruch, übermäßiger Tiergeruch? Steht den Tieren Futter und Wasser zur Verfügung, ist der Boden durch Kot- und Urin oder sonst stark verunreinigt? Wird auch das Muttertier oder sogar das Vatertier gezeigt? Bei Welpen: Sind die Zitzen beim Muttertier gut sichtbar? Wirken alle Tiere gesund, zum Beispiel sauber, glänzendes Fell, kein Juckreiz, klare und glänzende Augen, saubere Ohren, kein Nasen- und Augenausfluss oder starke Verkrustungen oder Fellverluste in dem Bereich, Krallenlänge unauffällig, kein Hinweis auf Durchfall, gut genährt, aber kein aufgeblähter Bauch, normales Erkundungsverhalten, kein übermäßiges Hecheln oder Verkriechen. Zeigen die Verkäufer die Haltungsbereiche und informieren jene über alles Erforderliche? Drängen die Verkäufer zum Kauf oder zur Anzahlung und ermöglichen jene keinen weiteren Besuchstermin? Gibt es Dokumente, die eingesehen werden können, wie zum Beispiel Impfausweise, Abstammungspapiere, Gesundheitsbescheinigung vom Tierarzt oder ähnliches?

Kaufvertrag und Impfausweise

Zum Kauf: Gibt es einen Kaufvertrag, der von beiden Seiten ausgefüllt und unterschrieben wird? Erhält man zudem den Impfausweis oder EU-Heimtierausweis und gegebenenfalls Zuchtpapiere? Informiert der Verkäufer über die letzte Wurmbehandlung und gibt er etwas Futter für die langsame Futterumgewöhnung mit? Macht das Tier immer noch einen gesunden und aufgeweckten Eindruck?

Auffälligkeiten dem Veterinäramt melden

Sofern das Angebot oder die Tierhaltung verdächtig erscheinen, sollen die Erkenntnisse beim zuständigen Leeraner Veterinäramt gemeldet werden – entweder per E-Mail an veterinaeramt@lkleer.de oder via Telefon unter der Nummer 0491/9261451. Tiere von unseriös erscheinenden Verkäufern oder Züchtern sollten nicht gekauft werden, auch nicht aus Mitleid. Es ist besser, den Fall dem Veterinäramt zu melden.

Ähnliche Artikel