Osnabrück Rufus Beck: Die Stimme der Zaubererwelt
Er ist die Stimme von Harry, Hagrid und Lord Voldemort: Rufus Beck hat mit seiner Stimme eine ganze Generation begleitet. Heute wird er 65 Jahre alt. Ein Grund seinem beliebtesten Werk zu huldigen: Den Harry-Potter-Hörbüchern.
Ich weiß noch genau, wie ich immer wieder die Kassette rausholen musste, um mit einem Stift das Band aufzudrehen. Die ersten Teile meiner Harry-Potter-Hörbücher gab es damals noch nicht auf CD und ich hörte den “Gefangenen von Askaban” so häufig, dass die Kassetten von Mal zu Mal mehr ausleierten. Riss ein Band, half manchmal noch Tesafilm, bis ich von den ersten beiden Büchern nur noch einzelne Kassetten hatte.
Die Abenteuer um Harry, Ron und Hermine hörten damit aber nicht auf. Ich hatte die Hörbücher bereits so oft gehört, dass ich die fehlenden Stellen auswendig konnte - inklusive der verschiedenen Stimmen, mit denen Rufus Beck den Figuren der Zaubererwelt Leben einhauchte. Die einen wuchsen mit Bibi Blocksberg und der trötenden Stimme von Benjamin Blümchen auf, meine Freunde und ich lauschten den Abenteuern von Harry Potter. Noch heute, wenn ich eins der Bücher aufschlage, höre ich nicht meine eigene Stimme beim Lesen, sondern die von Rufus Beck.
Da ist Arthur Weasley, Familienoberhaupt der beliebten Weasley-Zaubererfamilie, der im Gegensatz zum Rest seiner Familie Norddeutsch spricht, Bösewicht Severus Snape mit slawischem Singsang und Ludo Bagman, ehemaliger Quidditchspieler und Mitarbeiter in der Abteilung für Magische Spiele und Sportarten, hat einen kölschen Dialekt. Fred und George Weasley sprechen im ersten Band sogar noch im Chor.
Immer wieder vergaß ich beim Hören, dass hier ein und dieselbe Person las, dass Beck mal mit hoher quietschiger oder mit brüchiger und rauer Stimme die Geschichte zum Leben erweckte. Immer wieder vergaß ich deswegen die Welt um mich herum, spielte stundenlang mit meinen Legos oder lag verträumt auf meinem Bett. Ich las zwar auch alle Bücher, doch zu Rufus Becks Geschichte kam ich immer wieder zurück. Wären die CDs und Kassetten von damals eine Spotify-Playlist, hätten sie mehrere hundert Aufrufe - alle nur von mir.
Harry Potter ist eigentlich keine Lektüre, bei der man einschläft, aber die Charaktere waren mir so vertraut, Becks Stimme wie ein Freund, dass der Schlaf nicht lange auf sich warten ließ. Die einzigen Momente, in denen ich dann wieder aufwachte, waren wenn der Poltergeist Peeves krakehlend durch die Schule flog oder einen Gesang auf Harry anstimmte. Noch heute kann ich das Schmählied “Ach Potter, du Schwein” in- und auswendig.
Rufus Beck hatte übrigens keine konkreten Vorgaben, wie er die Stimmen sprechen sollte. Er sprach sie nach Gefühl. Die einzige Figur, bei der er seine Stimme nicht verstellt, ist die von Harry. Sie altert in den Jahren mit ihm und wird mit Rufus Beck reifer. Der hat sich die Hörbücher übrigens nie angehört, aus Angst, dass ihm etwas nicht gefallen könnte. Ich stattdessen höre sie weiter, um Harry, Hagrid und Lord Voldemort wieder bei ihren Abenteuern zu belauschen.