Bonn/Berlin/Greifswald  Gaskrise: Bei der Suche nach Alternativen zum Gas drohen Probleme

Sören Becker
|
Von Sören Becker
| 19.07.2022 15:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
PCK Raffinerie Schwedt Schwedt, 07.03.2022 - Ueberschuessiges Gas aus der Rohoelverarbeitung der PCK-Raffinerie GmbH in Foto: IMAGO/Jochen Eckel
PCK Raffinerie Schwedt Schwedt, 07.03.2022 - Ueberschuessiges Gas aus der Rohoelverarbeitung der PCK-Raffinerie GmbH in Foto: IMAGO/Jochen Eckel
Artikel teilen:

Privatleute und Unternehmen sind auf der Suche nach Alternativen zum knappen und teuren Gas. Das ist jedoch leichter gesagt, als getan. Die wichtigsten Nachrichten und Grafiken zur Gas-Krise.

Deutschland ist auf der Suche nach Gas-Alternativen. Die Google-Suchen nach Brennholz haben wohl deswegen trotz Hitzewelle deutlich zugenommen. Für viele ist die Umstellung aber schwieriger. Eine Modellrechnung des „Verbands der chemischen Industrie“ kommt etwa zu dem Ergebnis, dass nur etwa zwei Prozent des Gas-Verbrauchs der Branche durch Öl und Kohle ersetzt werden könnte. Die chemische Industrie allein ist verantwortlich für 15 Prozent des deutschen Gasverbrauchs. Die Ostseepipeline Nord Stream 1 wird weiter gewartet, weshalb fast kein Gas aus Russland nach Deutschland fließt. Laut Plan sollen die Arbeiten am kommenden Donnerstag beendet sein.

Die Gasspeicher sind ein bisschen voller als zuletzt: „Derzeit wird eingespeichert“, teilt die Bundesnetzagentur mit. Mit 0,25 Prozent am Montag sogar etwas schneller als zuletzt. Damit liegt der Füllstand aktuell bei 65,06 Prozent. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, ist das Ziel von 90 Prozent bis zum Beginn der Heizperiode nicht zu erreichen.

Dennoch gebe es trotz weiterhin angespannter Lage aktuell keinen Gasmangel: „Die Gasversorgung in Deutschland ist im Moment stabil. Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist derzeit weiter gewährleistet.“

Die Gasflüsse durch Pipelines aus Russland tendieren aktuell weiter gegen Null. „Alternative Transportrouten wie die Yamal Pipeline oder auch die Ukraine Route stehen zwar zur Verfügung, werden allerdings nicht genutzt, um die auf der Nord Stream 1 wegfallenden Mengen zu kompensieren“, berichtet die Bundesnetzagentur. Gasimporte kommen momentan vor allem aus Norwegen und den Niederlanden. Die Einfuhren haben zuletzt leicht zugenommen.

SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert erklärte, es sei „eine traurige Wahrheit“, dass Deutschland weiterhin auf russisches Gas angewiesen sei. Inzwischen sei völlig klar, dass die Gasversorgung für Deutschland keine Kleinigkeit sei, wie manche noch im März oder April geglaubt hätten. „Insofern müssen wir hier einfach eingestehen: Diese Maßnahme, ein Abschalten dieser Nord-Stream-1-Pipeline, würde uns härter treffen als Putin - und zwar sehr deutlich“, sagte Kühnert.

Bis jetzt scheinen alle Aufrufe zum Gassparen kaum etwas gebracht zu haben. Der Gasverbrauch in Deutschland lag im vergangenen Monat nicht bedeutsam unter dem Durchschnitt für diese Jahreszeit.

Der Gaspreis ist zuletzt ein wenig gestiegen. Seit Montag ist der Preis auf dem „Day-Ahead-Markt“, also für kurzfristige Lieferungen um 1,5 Prozent gestiegen. 155,89 Euro kostet die Megawattstunde dort laut Bundesnetzagentur.

Welche Alternativen zu Russland die EU bei der Gasversorgung hat: Auf Russland kann und will die EU bei der Gasversorgung nicht mehr zählen. Aber welche Alternativen gibt es? Von wo die EU nun ihr Gas beziehen will.

Schwarze-Peter-Spiele lösen den Gasmangel nicht: Wirtschaft oder Verbraucher, wer wird im Falle eines Gasmangels versorgt? Diese Frage ist nicht zielführend. Beide müssen sparen - und die Politik Rahmenbedingungen setzen.

Brennholz begehrt: Was Sie zu Preisen und Lagerung wissen müssen: Die Sanktionen gegen Russland wirken sich auch auf die Preise für Brennholz aus. Die Nachfrage übersteigt aktuell das Angebot. Viele Verbraucher sind aktuell auf der Suche nach Brennholz und versuchen sogar zu hamstern.

Ähnliche Artikel